FESTIVAL: Weltstars kommen trotz Billettsteuer

Bisher machten Veranstalter von Rockkonzerten einen Bogen um Luzern. Das ist vorbei. Iron Maiden und Rammstein liefern 700 000 Franken Steuern ab.

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The BossHoss während ihres Auftritts am «Allmend rockt» im Juni 2014. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

The BossHoss während ihres Auftritts am «Allmend rockt» im Juni 2014. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Raphael Gutzwiller

Auf dem Zirkusplatz auf der Allmend wird es im Juni laut, sehr laut. Iron Maiden rocken am 3., Rammstein am 4. Juni (Ausgabe vom Donnerstag). Die beiden Headliner für das «Allmend rockt»-Open-Air in Luzern sind internationale Grössen. Dass solche Bands nach Luzern kommen, überrascht. Bereits mehrmals sind namhafte Musiker abgesprungen. So hätte im Vorjahr die britische Rockband Muse auf der Allmend auftreten sollen. Der Veranstalter Good News sagte damals aber ab und entschied sich stattdessen für Nidau bei Biel. Auch, weil Luzern im Gegensatz zu anderen Städten in der Schweiz eine Billettsteuer erhebt. Die Billettsteuer beträgt 10 Prozent des Eintrittsgeldes. Bei einem durchschnittlichen Eintrittspreis von 140 Franken und 25 000 Konzertbesuchern ergibt das bei den beiden Konzerten insgesamt eine Summe von rund 700 000 Franken. Viel Geld für die Veranstalter, die das Geld lieber in der eigenen Tasche haben (siehe Kasten).

«Billettsteuer schmerzt»

Rico Fischer von «Allmend rockt» sagt: «Die Billettsteuer schmerzt, denn sie ist ein beträchtlicher Kostenfaktor.» Hingegen sei der Standort Allmend attraktiv. Erstmals arbeitet «Allmend rockt» mit dem Schweizer Veranstalter Good News zusammen, der die grossen Namen erst ermöglicht hat. «Da wir an den Veranstaltungsort Luzern glauben, haben wir uns entschieden, es zusammen mit unseren Partnern nun zu versuchen und eine für alle Beteiligten erfolgreiche Veranstaltung auf die Beine zu stellen», sagt Patrik Wettstein, CEO von Good News. Der Partner «Allmend rockt» mache viel aus. «Dadurch sind wir lokal besser vernetzt und können so effizienter arbeiten», sagt Wettstein. Das abgesagte Konzert von Muse im letzten Jahr wurde nicht mit einem lokalen Partner geplant.

Bis zu 170 Franken für einen Platz

Die Eintrittspreise für die Konzerte sind nicht günstig: 120.90 Franken kostet ein normales Stehplatzticket, ein Stehplatzticket im «Golden Circle», vorne an der Bühne, kostet 160.90, ein Sitzplatz 170.90 Franken. Sind die Eintrittspreise auch wegen der Billettsteuer so hoch? «Auf unseren Tickets ist vermerkt, dass der Preis inklusive der Billettsteuer ist», sagt Fischer. «Die Preise bewegen sich international in vergleichbarem Rahmen. Die Billettsteuer sorgt aber dafür, dass wir die Tickets nicht günstiger anbieten können.» Auch die Infrastruktur wird von den Veranstaltern selber aufgebaut und finanziert.

Bei der Stadtverwaltung ist man über den kommenden Gross-Event in Luzern erfreut. Die Billettsteuer sei zwar ein Standortnachteil, räumt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, ein. Aber: «Die zentrale Lage, der attraktive Standort, das gute Image und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit haben wohl überzeugt», so Lütolf. Die Stadt ist Good News nicht entgegengekommen – die Billettsteuer sei nicht verhandelbar, sagt Lütolf.

Bei der Stadt betrachtet man das Konzert als einen einmaligen Event. «Es gibt keinen Anspruch auf eine Wiederholung des Anlasses in den Folgejahren», so Lütolf. Anders sehen das die Veranstalter. Sie planen, auch im nächsten Jahr wieder ein «Allmend rockt» auf die Beine zu stellen. «Wir glauben langfristig an den Standort Luzern», sagt Wettstein. «Wenn die Austragung 2016 ein Erfolg wird, möchten wir 2017 gerne wiederkommen.»

Tickets sind schon fast weg

Schon jetzt zeichnet sich dieser Erfolg ab. «Unglaublich, was da abgeht», sagt Rico Fischer, angesprochen auf den Ticketvorverkauf. Dieser ist gestern gestartet. Bei den 1-Tages-Pässen sind für Rammstein bereits keine Sitzplätze mehr verfügbar. Für beide Bands gibts aber noch Stehplatztickets, bei Rammstein auch noch solche für den Golden Circle-Bereich. 2-Tages-Pässe (200.90 Franken) sind auch noch verfügbar. Noch unklar ist, welche Bands im Vorprogramm spielen. «Wir rechnen mit vielen nationalen und internationalen Supportern», sagt Rico Fischer.

Total 5,7 Millionen Billettsteuer

Stadt Luzern hb. Die erwarteten rund 700 000 Franken Billettsteuer aus den beiden Grosskonzerten im kommenden Juni auf der Allmend wären ein happiger Zustupf zum Billettsteuerertrag der Stadt Luzern. Im Voranschlag der Stadt 2016 sind insgesamt 5,7 Millionen Billettsteuererträge budgetiert. «Das ist ein Erfahrungswert, basierend auf den letzten Jahren», sagt dazu Kulturchefin Rosie Bitterli. Ein möglicher Zusatzertrag aus den Rockkonzerten sei hier noch gar nicht kalkuliert. «Aber natürlich sind wir erfreut über zusätzliche Erträge», so Bitterli.

Sport- und Kulturförderung

Die Billettsteuer (10 Prozent des Ticketpreises) wird bei allen steuerpflichtigen Veranstaltungen in der Stadt Luzern erhoben. Mit dem Billettsteuerertrag wird in der Stadt Luzern Sport und Kultur gefördert. 70 Prozent der Billettsteuer fliessen in den Fonds Kultur und Sport (K+S), mit dem zu zwei Dritteln Kultur und zu einem Drittel Sport unterstützt werden. Je 15 Prozent gehen in den Jugendsportförderungs- sowie den Fuka-Fonds. Die Beiträge aus dem K+S-Fonds sind im Stadtbudget aufgelistet. Je 130 000 Franken erhalten etwa das World Band Festival und das Blue Balls Festival, 219 000 Franken das Fumetto Comix-Festival. Die Fuka-Fonds-Beiträge sind erst ab kommenden Jahr einsehbar.

Wer die grössten Billettsteuerzahler sind, wird nicht veröffentlicht. Diese Daten unterliegen dem Steuergeheimnis. Grundsätzlich müssen alle Veranstalter mit einem Billettumsatz von mehr als 10 000 Franken Billettsteuer zahlen. Ausnahmen sind Veranstaltungen, deren Reinertrag ausschliesslich Kultuszwecken oder gemeinnützigen Zwecken dient.

Weitere Informationen: www.allmend-rockt.ch