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FESTIVAL WILLISAU: Ein Jazz-Auftakt, wie er sein muss

Die beiden Formationen Le String Blö und BassDrumBone haben für einen beglückenden Start des Jazz-Festivals Willisau gesorgt. Noch bis am Sonntag gibt es vieles zu entdecken.
Pirmin Bossart
Sebastian Strinning, Lino Blöchlinger und Christian Weber (v. l. n. r.) von Le String Blö. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 30. August 2017))

Sebastian Strinning, Lino Blöchlinger und Christian Weber (v. l. n. r.) von Le String Blö. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 30. August 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Le String Blö gibt es erst zwei ­Jahre, und schon stehen sie auf ­­den internationalen Brettern, die ­Willisau bedeuten. Festivalleiter Arno Troxler hatte einen guten Riecher, und wer die Band im Vorfeld schon erlebt hatte, konnte damit rechnen: Le String Blö hätten das Zeugs, um auch in grösserem Ambiente den Jazz in Fahrt zu bringen. Immerhin waren sie die Band, die das Festival am Mittwoch vor fast voller Festhalle eröffnete. Eine gute Wahl.

Markante Figuren bei Le String Blö sind die beiden Frontmusiker Sebastian Strinning und Lino Blöchlinger an den Saxofonen. Sie haben die Stücke geschrieben, die sie mit dem Schlagzeuger Emanuel Künzi sowie den zwei älteren Cracks Christian Weber (Bass) und Roberto Domeniconi (Piano) über die Bühne ­bringen. Es sind Stücke mit kurzen und prägnanten Titeln wie «Phoenix», «Skeps» oder «Peacock», deren melodiöse Themen gekonnt erweitert und ver­wandelt werden.

Zwei einander ergänzende Saxofonisten

Künzi ist ein Rhythmiker, der auch klanglich mit Grooves spielt und eine eigene Art und Weise hat, dem Quintett Puls und Richtung zu geben. Domeniconi ist der diskrete und in sich gekehrte Harmoniker, dessen konzises und eher leises Spiel nur gelegentlich in den Vordergrund tritt. Weber spielt mit Ruhe, Klarheit und Übersicht. Mit den Roll-Geflechten dieses Trios im Rücken haben die beiden Bläser ein gutes Fundament. Der Stoff ihrer Eskapaden ist dann immer noch anspruchsvoll genug. Erstaunlich, wie reif sie ihn bewältigen.

Die Performance der beiden Saxofonisten zeugt von einer guten Spannung. Das klingt zu keiner Zeit verkrampft oder verstiegen. Sogar in ihren heissesten Soli behalten sie einen kühlen Kopf. Strinning bläst Tenorsaxofon und Bassklarinette, Blöchlinger Altosax und Bass-Sax. Die beiden Bläser ergänzen sich auch in der Art und Weise, wie sie intonieren, akzentuieren, einander umgarnen, durchdringen oder unisono ihre Kräfte bündeln.

Blöchlinger ist der diskretere und pointiert melodisierende Bläser, Strinning ist ein ekstatisches Kraftbündel, das seine Musik mit dem ganzen Körper ausdrückt, in fiebrigen Schüben sein Ding entwickelt und wunderbar free und kreischend abheben kann. Das Quintett spielt eine Musik, die den neuen Zeitgeist der Komposition widerspiegelt: Klare Strukturen prägen den Sound. In den frühen Willisau-­Tagen gingen die Bands viel asynchroner, sperriger und freier mit dem Material um.

Drei Freunde und 40 Jahre Musik

Dennoch haben uns String Blö mit ihrer Spielfreude und Energie an den damaligen Zeitgeist erinnert. Eine erfrischende Kombination, der es gelingt, Brücken zu schlagen: zwischen damals und jetzt, zwischen Komposition und Improvisation, zwischen Struktur und Energie und – in der Besetzung der Band – auch zwischen den Generationen.

Nach der Pause verdichtete sich der Jazz-Flow mit dem Trio BassDrumBone zu neuen Höhenflügen. Da war ein vielseitiges Repertoire zwischen kantigen Post-Swing-Tracks, bluesigen Auslotungen und präzis getakteten und feinsinnigen Improvisationen. «We feel like home in Willisau, it is beautiful to be here again», wandte sich Ray Anderson ans Publikum. Hier spielten Musiker, die seit 40 Jahren an der «Jazz in Willisau»-Geschichte mitgeschrieben haben. Die Erfahrung und Kompetenz von Mark Helias (Bass), Gerry Hemingway (Drums) und Ray Anderson (Posaune) war jede Sekunde spürbar.

Das schlagkräftig differenzierte Spiel von Hemingway mit seinem vertrackten Swing entwickelte einen unwiderstehlichen Puls. Helias setzte mit seinem melodisch-fliessenden Bass ein gravitätisches Zentrum, und ­Ray Anderson offenbarte sich mit ­seinen scharfen Phrasierungen, Stakkato-Akzenten und biegsamen Soli als musikalisches Chamäleon. Die differenzierte Klangkultur des Trios wurde nicht zuletzt in den ruhigen Passagen deutlich, und man spürte, wie sich da drei Stimmen und Freunde traumwandlerisch verstehen.

BassDrumBone, die aus Anlass ihres 40-jährigen Bestehens eine Doppel-CD veröffentlicht haben, haben sich in Willisau famos zurückgemeldet. Fast 90 Minuten dauerte ihr Auftritt, und ob der Musikalität und Energie der drei wachen Veteranen verspürte man nicht einen einzigen Hänger.

Hinweis

Das Jazz-Festival dauert noch bis am Sonntag. Infos und Tickets: www.jazzfestivalwillisau.ch

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