FESTUNG FÜRIGEN: Bunkershow: Kopfschütteln bei der Botschaft

Im Sommer will das Schweizer Fernsehen in der Festung Fürigen das Leben im Zweiten Weltkrieg nachspielen lassen. Das stösst auf Unverständnis.

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Der ehemalige Festungswächter Karl Weilenmann bei einem Rundgang. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Der ehemalige Festungswächter Karl Weilenmann bei einem Rundgang. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

«Alpenfestung – Leben im Reduit»: So heisst eine neue TV-Serie, für die das Schweizer Fernsehen zurzeit freiwillige Teilnehmer sucht – wie früher für «Sahlenweidli». Die Bunker-Show soll das Leben während der Kriegsjahre simulieren. Die Teilnehmer müssen «unter möglichst echten Bedingungen der damaligen Zeit leben». Uniformen, die Suppe aus der Gamelle, die Munition, die Radiosendungen – alles soll echt sein.

«Geschmackloser Scherz»
Bei Juden in der Schweiz stösst das Projekt jetzt auf Kritik. Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), sagt zur Zeitung «Sonntag»: «Unterhaltungsshows, die auf dem Zweiten Weltkrieg basieren, erachten wir als fragwürdig.» Ilan Elager von der israelischen Botschaft in Bern sagt knapp: «Sie können sich bestimmt selber vorstellen, was wir dabei fühlen.»  Etwas klarer wird Frédéric P. Weil, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde in Zürich: «Jeder vernünftig denkende Mensch sollte von solchen Ideen Abstand nehmen, und ich hoffe, dass diese Idee nur ein sehr schlechter und geschmackloser Scherz ist.»

Beim Schweizer Fernsehen will man zur Kritik keine Stellung nehmen. Auf Anfrage von «Sonntag» sagte SF-Sprecher Urs Durrer, dass in der Sendung der Fokus auf das Alltagsleben der Zivilbevölkerung gelegt würde und nicht militärische Überlegungen im Zentrum stünden.

scd

HINWEIS
Zum ausführlichen Artikel auf sonntagonline.ch »