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FEUERBRAND: Jetzt müssen Bauern kontrollieren

Die Gefahr, dass Kernobst mit dem Feuerbrand-Erreger infiziert wird, ist aktuell hoch. Wie schlimm die Krankheit wütet, zeigt sich im Sommer.
Susanne Balli
Im Kanton Luzern mussten im letzten Jahr wegen des Feuerbrands 400 Hochstammbäume (im Bild ein Apfelbaum) gefällt werden. (Archivbild Keystone/Urs Flüeler)

Im Kanton Luzern mussten im letzten Jahr wegen des Feuerbrands 400 Hochstammbäume (im Bild ein Apfelbaum) gefällt werden. (Archivbild Keystone/Urs Flüeler)

Susanne Balli

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat für dieses Jahr das Antibiotikum Streptomycin im Kampf gegen die Infektionskrankheit Feuerbrand verboten. Bricht die Bakterienkrankheit, die vor allem Kernobstgewächse befällt (siehe Kasten) aus, kann das Antibiotikum also nicht dagegen eingesetzt werden.

Gefahr bei feucht-warmem Wetter

Ein weiterer Fakt ist: In diesem Frühling gab es einige kritische Tage, wo Kernobstbäume stärker durch Feuerbrand gefährdet waren. Dies zeigt die Feuerbrand-Blüteninfektionsprognose von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung (www.agroscope.admin.ch). Dazu werden Klimadaten von Kleinwetterstationen in der ganzen Schweiz genutzt, um einen Schwellenwert zu eruieren. Wird dieser überschritten, spricht man von sogenannten Risikotagen. Das Infektionsrisiko während der Kernobstblüte ist besonders bei warmer und feuchter Witterung erhöht. «Vom 8. bis zum 11. Mai waren die Bedingungen für mögliche Feuerbrand-Infektionen im Kanton Luzern erfüllt», sagt Markus Hunkeler, zuständig für Spezialkulturen und Pflanzenschutz beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain (BBZN).

Doch nicht nur die klimatischen Bedingungen sind ausschlaggebend, sondern auch, ob Feuerbrand-Bakterien vorhanden sind. Eine Befallsprognose kann Hunkeler noch nicht machen: «Es ist zu früh, um zu sagen, ob und wie stark es zu Feuerbrandbefall gekommen ist. Wir befinden uns derzeit noch in der Inkubationszeit.» Die Gefährdung durch Feuerbrand sei zu vergleichen mit jener der letzten Jahre.

Rausbrechen statt Rausschneiden

Erste Anzeichen einer Ansteckung sind laut Hunkeler Anfang der nächsten Woche zu erwarten. Allerdings könne in einer so frühen Phase nur ein geschultes Auge den Befall zuverlässig entdecken. Zuerst werden laut Hunkeler die Blütenstile schwarz, dann die Blütenbüschel. Bauern mit Kernobstkulturen seien nun vom Kanton aufgefordert worden, erste Kontrollen bei Birnbäumen durchzuführen. Wird ein Befall von Feuerbrand festgestellt, ist dieser meldepflichtig. «Dann wird entschieden, welche Massnahmen ergriffen werden müssen», so Hunkeler. Eine Möglichkeit sei das Rausbrechen der befallenen Zweige bei trockenem Wetter. Beim Rausschneiden sei die Gefahr einer Weiterverschleppung der Krankheit zu gross. «Bei einem Befall erfolgt über einen Monat hinweg eine wöchentliche Kontrolle.» Im schlimmsten Fall muss der befallene Baum gerodet werden.

Wie Beat Felder, zuständig für Spezialkulturen beim BBZN, auf Anfrage sagt, mussten im Kanton Luzern im letzten Jahr gegen 400 Hochstammbäume und 1500 Niederstammbäume in Obstkulturen aufgrund von Feuerbrand-Infektionen gerodet werden. Dies sei wenig mehr als in den Vorjahren. «Die meisten Fälle traten im Luzerner Seetal, im Rontal und im Surental auf», so Felder. Ist genau dort wieder mit einem Befall zu rechnen? Dies verneint Felder. «Das muss nicht sein, wenn die betroffenen Pflanzen gründlich saniert wurden.»

Verantwortliche in jeder Gemeinde

Die Feuerbrandbakterien können laut Felder von Jahr zu Jahr an verschiedenen Orten auftauchen. «Ab Ende Juni, Anfang Juli sind für definierte Schutzobjekte systematische Kontrollen in der Landwirtschaft und in den Siedlungen vorgesehen», so Felder. Jede Gemeinde verfügt über einen Feuerbrand-Kontrolleur.

Luzern erstmals 1995 festgestellt

Feuerbrand ist eine Bakterienkrankheit. Sie lässt die Früchte von befallenen Kernobstgewächsen schwarz werden, als seien sie verbrannt. Betroffen sind Kernobstbäume wie Apfel-, Birn- und Quittenbäume, aber auch Wildgehölze wie der Weissdorn oder die Eberesche sowie Zierpflanzen wie Scheinquitte und Feuerdorn. Feuerbrand ist meldepflichtig. Im Kanton Luzern wurde die Krankheit erstmals 1995 festgestellt.

Hinweis: Mehr Infos unter www.feuerbrand.ch

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