FIDELITAS: Fidele Männer, die Gutes tun

Geselligkeit und Fröhlichkeit ist ihr Motto. Die vor 125 Jahren gegründete Fidelitas non plus ultra sammelt aber auch Geld für Bedürftige – und will auch in 25 Jahren noch «faltenfrei» sein.

Natalie Ehrenzweig
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Oben: GV der Fidelitas 1925 im Hotel Rütli, Luzern. Unten: Fidelitas-Umzugsnummer 1956 auf der verschneiten Seebrücke (hinten der alte Bahnhof). (Bilder: Archiv Fidelitas)

Oben: GV der Fidelitas 1925 im Hotel Rütli, Luzern. Unten: Fidelitas-Umzugsnummer 1956 auf der verschneiten Seebrücke (hinten der alte Bahnhof). (Bilder: Archiv Fidelitas)

Der Verein Fidelitas non plus ­ultra wurde am 1. Mai 1892 im Hotel Rütli in Luzern gegründet. Anlass dafür war der «constatierte Mangel einer fein organisierten, mit allen geistigen Waffen des 19. Jahrhunderts wohl ausgerüsteten Macht zur Hebung der Fidelität und in Einsicht der strikten Notwendigkeit, diesem Übelstande in geeigneter Weise Ab­hilfe zu verschaffen», wie es im Gründungsprotokoll heisst. Ziel war also von Anfang an die «Förderung der Fidelität». Inzwischen heisst die Gesellschaft nur noch Fidelitas Lucernencis, doch fidel sind die heute 104 Mitglieder immer noch, auch im Jubi­läumsjahr des 125-jährigen Bestehens.

1897 engagierte sich die Fidelitas erstmals an der Fasnacht; der legendäre Fidelitas-Maskenball entstand. «Viele unserer Mitglieder sind wegen der Fasnacht bei der Fidelitas», sagt der heutige Dominus Michael Mathis. «Sie bauen gern an unserem Umzugswagen mit oder helfen beim Fidelitas-Fasnachtsfäscht am Rüüdige Samschtig unter der Egg. Wir sind alle Freunde, politisiert wird nicht.» Noch immer stünden das gesellige Beisammensein und die Wohltätigkeit im Mittelpunkt. Das Gesellschaftslokal der Fidelitas befindet sich im Turm des Luzerner Rathauses. Es wird von der Fidelitas auch vermietet.

Männlich und mindestens 25-jährig

Wer in die Fidelitas eintreten möchte, muss in erster Linie männlich und mindestens 25-jährig sein. Mathis: «Wir sind konfessionell, politisch und beruflich unabhängig. Wer sich bei uns meldet, braucht einen guten Leumund und zwei Götti, die ihn vorschlagen; dann durchläuft man ein Säuglingsjahr und zwei Jungbruderjahre, in denen man etwas mehr zum Gesellschaftsleben beiträgt.» Der Eintritt ist im Prinzip lebenslang. «Der Hund, unser Wappentier, steht für diese Treue», sagt Mathis. Ausdruck des Zusammenhalts sei, dass man sich gegenseitig Bruder nennt. Neben der Fasnacht, die einen wichtigen Teil des Engagements ausmacht, ­gehört der Herrenabend zu den Highlights. «Er ist ein Belustigungsanlass für uns selber», so Mathis. «Wir führen diverse Nummern auf, nehmen uns gegenseitig aufs Korn. Man erscheint entweder im Anzug oder dem Motto entsprechend gekleidet.» Ab und zu öffnet die Fidelitas die Runde – für Frauen und Freunde, am Familienausflug oder beim Basteln vor der Fasnacht. Weil die Fidelitas-Maskenbälle immer schlechter besucht waren, fand 1995 der letzte statt. «Da noch keine andere Gesellschaft den Samstag besetzt hatte und wir es schade fanden, dass viele Guuggenmusigen über das Wochenende aus Luzern wegfuhren, haben wir am Rüüdigen Samschtig das Fidelitas Fasnachtsfäscht ins Leben gerufen», sagt Mathis. Dessen Erlös wird für wohltätige Zwecke, etwa für bedürftige Kinder oder Projekte für Kinder, gespendet.

Nummer 1 im grossen Fasnachtsumzug

In Würdigung ihres hohen Geburtstags wird die Fidelitas heuer als Nummer 1 an den grossen Luzerner Fasnachtsumzügen mitlaufen. «Was wir zeigen werden, verrate ich noch nicht», sagt der Dominus schmunzelnd. Michael Mathis kam 1998 durch seinen Schwiegervater zur Fidelitas. Er freut sich, auch im nächsten Jahr wieder beim Wagenbau mitzuhelfen, da er im Oktober als Dominus zurücktritt. Für die Fasnacht schlägt sein Herz schon, seit er als 5-Jähriger mit einer Trommel unterwegs war: «Ich half meinem Vater, der damals noch den Zollhaus-Maskenball mitorganisierte.» Seither hat er keine Fasnacht verpasst: «Ich freue mich, dass sie sich ent­wickelt, wieder traditioneller geworden ist. Auch an der Bahnhofstrasse sieht man heute tolle Wagen.» Dass die neugegründete IG Bahnhofstrasse Regeln bezüglich der Musik aufstellte – dank denen die originalen Guuggenmusigen wieder mehr Gewicht gegenüber den mit elektronischer Musik beschallten fixen Wagen erhalten sollen –, begrüsst Mathis.

Obwohl die Fidelitas wie die meisten Vereine nicht vom Nachwuchs überrannt wird, ist Mathis überzeugt, dass die Gesellschaft auch beim 150-Jahre-Jubiläum in 25 Jahren «gleich faltenfrei sein wird wie heute». Traditionen ­seien wichtig, die Rituale, die ­Bekleidung, die Fahnen, die Herrenabende. Mathis ist sicher: «Auch in 25 Jahren wird das Bedürfnis nach Freundschaft und Zusammenhalt noch da sein.

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

 

Hinweis

Fasnachtsmäärt Samstag, 18. Februar, von 12 bis 23 Uhr unter der Egg. www.fidelitas.ch