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Filmreife Barschlägerei in Luzern: Es flogen Fäuste und gekochte Eier

Sie wollten es noch einmal richtig krachen lassen, doch für einen von ihnen endete der Abend im Spital: Eine Poltergruppe ist im Mai 2016 in einer Sportbar in einen wüsten Streit geraten. Sogar ein Geissbock war bei dem Zwischenfall mit von der Partie.
Lena Berger
An dem Polterabend floss reichlich Bier, bevor die Situation wegen eines Eierwurfs eskaliert ist. (Symbolbild: Reto Martin)

An dem Polterabend floss reichlich Bier, bevor die Situation wegen eines Eierwurfs eskaliert ist. (Symbolbild: Reto Martin)

Das Ganze begann wie eine Szene aus dem Thriller «The Guest» aus dem Jahr 2014: Zwei Männer sind in einer Bar, im Hintergrund wird Billard gespielt. Plötzlich kommt ein Dritter an ihren Tisch. Die bedrohlich pulsierende Musik lässt bereits vermuten, dass Spannung in der Luft liegt. Ein paar Worte werden gewechselt, dann landet ein Drink im Gesicht des einen – und schon herrscht Chaos. Die Männer prügeln brutal aufeinander ein und schrecken nicht davor zurück, einander Bierflaschen über den Kopf zu ziehen.

An jenem Abend in einer Bar im Luzerner Hinterland war kein Drink der Auslöser der Eskalation. Wohl aber ein gekochtes Ei, das quer durch die Bar flog und einen Unbeteiligten voll am Kopf traf. Sonst aber scheint der Ablauf dem Film entsprungen zu sein.

Es war erst gegen 21.30 Uhr, als eine Poltergruppe die Sportbar betrat. Offenbar handelte es sich um eine besonders lustige Truppe, man hatte jedenfalls einen ­lebendigen Geissbock dabei, der mit den Männern um die Häuser ziehen sollte. Es wurde reichlich Bier bestellt. Der künftige Bräutigam ging durch das Lokal und verkaufte – wie es an Polterabenden teils üblich ist – gekochte Eier.

Eine Stunde später, also so gegen 22.30 Uhr, wurde die Stimmung immer ausgelassener. Zwei weitere junge Männer betraten das Lokal, um Billard zu spielen. Als einer von ihnen zur Bar ging, um etwas zu bestellen, passierte es: Sein Kollege wurde mit voller Wucht von einem gekochten Ei am Kopf getroffen.

Bierglas über den Schädel gezogen

Wer das ungewöhnliche Geschoss geworfen hat, ist bis heute unklar. Der junge Mann jedenfalls vermutete, dass der Täter Teil der Poltergruppe sein müsse. Er ging aufgebracht auf die Männer zu und fragte, wer denn da mit Eiern um sich werfe. Prompt wurde er von einem der kräftigen Männer gepackt. Seine Arme wurden nach hinten gerissen, und er konnte sich nicht mehr bewegen.

In diesem Moment bemerkte der Mann, der eben seine Bestellung aufgegeben hatte, in welcher Lage sich sein Kollege befand. Wie ein Schnellzug raste er auf die Gruppe zu und verpasste dem­jenigen, der seinen Kumpel festhielt, mehrere Faustschläge mitten ins Gesicht. Der Kollege konnte sich befreien und schlug nun seinerseits wie eine Furie um sich. Er drosch auf den Nächstbesten ein. Sein «Befreier» lieferte sich derweil weiter einen Kampf mit seinem ersten Widersacher. Schliesslich griff er zu einem Bierglas und schmetterte dieses seinem Gegner über den Schädel.

Die Verletzungen, die der Mann bei dieser Attacke erlitt, waren erheblich. Er erlitt unter anderem einen Knochenbruch unter der Augenhöhle und eine Rissquetschwunde. Er musste ins Spital. Ein zweiter Mann aus den Reihen des Junggesellenabschieds wurde am Ohr verletzt.

Notwehrexzess: Faustschlag war nicht verhältnismässig

Während sich Teile der Poltergruppe wegen Raufhandels und der Behandlung des Geissbockes vor der Staatsanwaltschaft verantworten mussten, standen ihre Kontrahenten knapp 2,5 Jahre später vor dem Kantonsgericht. Sie wehrten sich dagegen, wegen Körperverletzung verurteilt zu werden. Sie argumentierten, die anderen seien in der Überzahl gewesen, und manche von ihnen seien rechte «Bären» gewesen. Es sei eine Notwehrsituation gewesen.

Das Kantonsgericht hingegen sieht es anders. Einer der Männer sei zwar festgehalten worden, nachdem er sich über den Eierwurf beschwert habe. Es sei aber nicht verhältnismässig gewesen, ohne Vorwarnung gleich zuzuschlagen. Ein Schlag mit einem vollen Bierglas berge zudem das hohe Risiko einer schweren Körperverletzung, weshalb es sich um einen Notwehrexzess handle. Einer der Männer wird daher wegen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zu einer unbedingten Geldstrafe von 125 Tagessätzen zu je 70 Franken verurteilt. Sein Kollege muss wegen Körperverletzung eine Busse von 600 Franken zahlen.

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