FINANZEN: Die einstigen Mäzene sind skeptisch

Beim KKL flossen private Spenden en masse. Auch die Salle Modulable wird Sponsoren brauchen. Doch von Euphorie ist noch nicht viel zu spüren.

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So stellen sich die FDP und die Architekten Frieder Hiss und Markus Heggli die Salle Modulable auf der Landzunge Alpenquai vor. (Bild: Foto/Visualisierung Arch-Idee)

So stellen sich die FDP und die Architekten Frieder Hiss und Markus Heggli die Salle Modulable auf der Landzunge Alpenquai vor. (Bild: Foto/Visualisierung Arch-Idee)

Hugo Bischof

120 Millionen Franken stellte der 2010 verstorbene Mäzen Christof Engelhorn für die Projektierung und den Bau eines neuen flexiblen Musiktheatergebäudes in Luzern in Aussicht. Davon stehen nach Abzug von Gerichts- und Planungskosten nun noch 80 Millionen für den Bau zur Verfügung. Dass das für die ambitionierten Pläne ausreichen wird, bezweifeln viele. «Der Prozess in Bermuda hat leider sehr viel Geld gekostet», bestätigt Karl Reichmuth. Der Luzerner Privatbankier (Reichmuth & Co) war vor Ort dabei, als die Stiftung Salle Modulable einen – letztlich teuer erkämpften – Sieg gegen den Rückzug der Engelhorn-Gelder errang.

Reichmuth spielte auch eine Schlüsselrolle beim 2000 fertiggestellten Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL). Er präsidierte zusammen mit Robert Studer ein breit abgestütztes Komitee, das zusätzliche Geldmittel für den KKL-Bau sammelte. 63 Millionen Franken sammelte dieses bei Privaten, Firmen und Hoteliers. Insgesamt kostete das KKL 226,5 Millionen. So teuer wird die Salle Modulable wohl nicht; sie ist auch kleiner geplant. Dennoch stellt sich die Frage: Braucht es auch beim Bau der «Salle» zusätzliche private Geldgeber?

20 Millionen sind realistisch

Stehen für eine entsprechende Sammelaktion prominente Persönlichkeiten schon in den Startpflöcken bereit? «So etwas macht man einmal im Leben», antwortet darauf der heute 76-jährige Reichmuth. «Ich verbrachte damals mindestens eine Stunde pro Tag im Büro, um Gelder für den Bau des KKL zu akquirieren. Jetzt sollen Junge ran. Es gibt genügend fähige Leute.» Aber wie realistisch ist ein erneuter Effort? «20 Millionen Franken könnte man sicher noch einmal sammeln, wenn man das Ganze richtig aufgleist», so Reichmuth. «Entscheidend ist aber, dass zuerst die Frage der Betriebskosten geklärt ist.» Erst dann könne man Planung und Bau der Salle Modulable konkretisieren.

Was den Betrieb der Salle Modulable betrifft, hat Reichmuth eine klare Meinung: «Es ist wichtig, dass man sich im neuen Theater auf Musik konzentriert. Man muss die Stadt Luzern als ein Unternehmen sehen; und wir haben nur eine Chance als Musikstadt, das muss sich auch in der Salle Modulable zeigen.» Doch die Pläne von Stadt und Kanton sehen etwas anders aus. Die Salle Modulable soll nämlich das heutige Luzerner Theater ersetzen und dessen Rolle als regionales Theaterhaus zumindest teilweise weiterführen. Für Reichmuth ist hingegen klar: «Die Betriebsstrukturen müsste man überdenken.» Den heutigen konventionellen Dreispartenbetrieb hält er für «überholt».

Projekt ist noch zu wenig fassbar

Die zur Verfügung stehenden 80 Millionen Franken seien für den Bau eines neuen Konzerthauses wohl unrealistisch, sagt auch Hans-Rudolf Schurter, Verwaltungsratspräsident der Luzerner Schurter Holding AG. Schurter war beim KKL führend beim Aufbau der Betriebsgesellschaft. Auch für ihn ist das Projekt Salle Modulable zurzeit noch zu wenig klar fassbar: «Deren Notwendigkeit muss zuerst nachgewiesen werden, dann kann es gelingen, die Leute zu begeistern, wie das damals beim KKL der Fall war.»

«Goldene Zeiten sind vorbei»

Einer von vielen privaten Geldgebern beim Bau des KKL war Christoph M. Müller. Der 66-Jährige ist Verwaltungsratspräsident der Warteck Invest AG und der Bieler Immobiliengesellschaft Espace Real Estate Holding AG. Seine Rolle beim KKL-Bau will er nicht zu hoch gewichten: «Meine Ehefrau und ich leisteten als Privatpersonen einen finanziellen Beitrag, wie viele andere auch.» Was die Salle Modulable betreffe, sei es für ihn noch zu früh, jetzt schon über ein konkretes finanzielles Engagement zu sprechen: «Man weiss noch zu wenig über den Stand des Projekts.» Müller hat grundsätzlich grosse Sympathien für die Projektinitianten. Ob eine ähnliche Geldsammlungsaktion bei Privaten und bei Unternehmen wie beim KKL nochmals gelingen würde, dazu könne er aber keine Prognose abgeben. Er gibt zu bedenken: «Die goldenen Zeiten mit viel Geld in der Wirtschaft sind vorbei. Damals, beim Bau des KKL, konnte der Chef einer Grossbank noch in eigener Kompetenz über eine grössere Geldspende entscheiden. Heute muss das zuerst von breit abgestützten Komitees und Gremien abgesegnet und bewilligt werden. Es braucht vermehrte Rechtfertigungen für solche Donationen», gibt Christoph M. Müller zu bedenken.

Für 5 Franken ins KKL

Wenn schon, müsse das Geld heute eher von Privaten als von Firmen kommen, glaubt Müller. Aber auch Private würden sich genau überlegen, was sie mit wie viel unterstützen. Christoph M. Müller und seine Ehefrau unterstützen als Kunstmäzene unter anderem die Fondation Beyeler, das Kunstmuseum Basel und seit mehreren Jahren auch das Lucerne Festival. 2013 übernahm Christoph Müller zudem das Patronat für einen Auftritt des Perkussionisten Martin Grubinger mit dem Luzerner Sinfonieorchester im KKL und sorgte dafür, dass die Zuschauer für nur gerade 5 Franken ein Konzert der Extraklasse geniessen konnten. «Wir wollten den Leuten damit die Schwellenangst vor dem Gang ins KKL nehmen.» Was ihn dieses Patronat genau kostete, will Müller nicht sagen. «Aber wenn man die KKL-Miete, die Verpflichtung des Luzerner Sinfonieorchesters und alles weitere dazurechnet, ist man bei einem solchen Event auf jeden Fall bei einem sechsstelligen Betrag.»

Landschaftsschützer finden: FDP-Idee soll geprüft werden

«Das ist eine gute Alternative zum Standort Inseli; sie muss eingehend geprüft werden.» Dies sagt Urs Steiger, Präsident des Landschaftsschutzverbands Vierwaldstättersee, zur neuen Idee, die geplante Salle Modulable auf der Landzunge Alpenquai zu realisieren. Sie wurde von der FDP Stadt Luzern und den Luzerner Architekten Frieder Hiss und Markus Heggli lanciert (wir berichteten).
Offiziell evaluiert werden von den Projektverantwortlichen (Stiftung Salle Modulable, Stadt und Kanton Luzern) nur der Theaterplatz, der Inseli-Carparkplatz und der Schotterplatz Alpenquai. Die Standort-Variante Landzunge Alpenquai würde eine Überbauung des Inselis unnötig machen, sagt Steiger: «Das ist ganz in unserem Sinn.»

Widerstand gegen Bau auf Wasser

Der Vorteil sei, dass sich auf dieser Landzunge bereits heute Gebäude befinden, etwa die Anlagen der SNG Lake Lucerne, der Bucher + Schmid Bootswerft AG und der Seepolizei. Diese könnten nach Ansicht der FDP und der beiden Architekten auf den Schotterplatz Alpenquai verlegt werden. Vor allem gegen die vom ehemaligen Luzerner kantonalen Denkmalpfleger André Meyer angeregte Idee, das neue (Musik-)Theatergebäude im Bereich Inseli-Süd in den See hinaus zu bauen, erhob der Landschaftsschutzverband Einspruch. Mit der neuen Standortvariante entstünde die Möglichkeit, die ganze Meile vom Inseli zum Alpenquai aufzuwerten, sagt Urs Steiger. Zudem fügt er hinzu: «Der Standort nicht direkt neben dem KKL gibt die Möglichkeit, in Luzern auch Freiräume zu gestalten und nicht nur in Bauobjekten zu denken.»