FINANZEN: Kirchen setzen auf Immobilien

Rückläufige Einnahmen machen den Kirchgemeinden zu schaffen. Doch mit ihren Immobilien eröffnen sich neue Möglichkeiten.

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Pfarreileiter Paul Berger vor dem Pfarrhaus in Zell. (Bild Dominik Wunderli)

Pfarreileiter Paul Berger vor dem Pfarrhaus in Zell. (Bild Dominik Wunderli)

Ernesto Piazza

Die Tendenz ist bekannt. Viele Pfarreien sehen sich mit abnehmenden Kirchgängerzahlen konfrontiert. Dazu verlieren sich diese Gläubigen oft in den bisweilen grossen und stattlichen Gotteshäusern. Doch nicht nur das: Auch die rückläufigen Einnahmen machen den Kirchgemeinden zu schaffen. Andererseits stehen vielfach mehrere Zimmer umfassende Pfarrhäuser leer. Längst nicht mehr jedes Dorf verfügt über seinen eigenen Priester.

Allerdings gibt es auch Kirchgemeinden, die den Veränderungen aktiv begegnen. Zwar bauen auch sie künftig weiter auf ihre Immobilien – allerdings mit veränderten Vorzeichen.

Uffikon: Pragmatischer Entscheid

Die Kirchgemeinde Uffikon-Buchs beispielsweise verfügt bereits seit bald 25 Jahren über kein eigenes Pfarrhaus mehr. Das Gebäude musste einem Neubau weichen. Der damalige Entscheid sei pragmatischer Natur gewesen, sagt Kirchmeierin Sonja Peter. Beim Pfarrhaus standen Sanierungsarbeiten an. Zudem erwiesen sich die vorhandenen Räume für nur eine darin wohnende Person als zu umfangreich. Deshalb entschied man sich für einen Abriss.

Neben einer 5?-Zimmer-Pfarrwohnung werden auch sechs Alters- und Sozialwohnungen vermietet. Der Ertrag beträgt jährlich rund 80 000 Franken. Der Aufwand für Sanierungs- und Renovationsarbeiten beläuft sich im selben Zeitraum auf zirka 20 000 bis 30 000 Franken. Unter dem Strich bleibt der Kirchgemeinde jeweils ein Betrag, «der uns hilft, das Ergebnis positiv zu gestalten», sagt Sonja Peter. Die Steuereinnahmen bewegen sich jährlich bei rund 300 000 Franken. Seit 1. Januar 2013 bildet Uffikon-Buchs zusammen mit Dagmersellen den Pastoralraum Hürntal. Zudem ist die Pfarrei im Lastenausgleich.

Schötz: 16 Wohnungen

Bekannt ist auch, dass die Kirchgemeinde Schötz-Ohmstal mit einem 7,58-Millionen-Franken-Projekt anstelle eines Pfarreihauses 16 Wohnungen und zwei Kindergärten erstellen will. Die geplante Überbauung generiert jährlich rund 350 000 Franken Mieteinnahmen. Dadurch steht die Kirchgemeinde künftig auf einem neuen, finanziell äusserst sicheren Fundament. Die veränderte Situation verschafft ihr einerseits die Möglichkeit, die Steuern zu senken. Andererseits können auch Rückstellungen für eine Totalsanierung des Pfarreiheims gebildet werden.

Ufhusen: Attraktiv umbauen

In Ufhusen sind die Planungsarbeiten für den Umbau des Pfarrhauses in vollem Gange. Das Kernstück betrifft die beiden Begegnungsräume. Die 5?-Zimmer-Wohnung im ersten Stock soll «attraktiv ausgebaut werden», sagt Kirchgemeindepräsidentin Margrit Müller. Weil keine Verpflichtung besteht, die Räume für geistliche Personen freizuhalten, will man diese selbsttragend weitervermieten. Ufhusen verfügt über keinen eigenen Pfarrer. Diesbezüglich besteht jedoch eine Zusammenarbeit mit Luthern.

Zell: 1 Million für Pfarreizentrum

In Zell stand das Pfarrhaus im Zeitraum Herbst 2012 bis Frühling 2013 während eines halben Jahres leer. Der Grund: Pfarreileiter Paul Berger war nach Willisau umgezogen. Von Restauration und Umnutzung war zwar seit 2011 die Rede. Die Umsetzung liess allerdings auf sich warten. Mittlerweile ist das Pfarrhaus aber für knapp 1 Million Franken umgebaut. «Entstanden ist ein eigentliches Pfarreizentrum», sagt Paul Berger. Neu beinhaltet das Gebäude im Erdgeschoss einen Gartensaal. Während sich im ersten Obergeschoss das Pfarramt befindet, sind im zweiten Obergeschoss fünf weitere Räume entstanden. «Dadurch ging für die Pfarrei Zell ein langersehnter Wunsch in Erfüllung», so der Pfarreileiter. Und weiter weiss Berger: «Die Räume sind sehr gut besucht.»

Bistum gegen einen Verkauf

Dass es bei Pfarrhäusern vor allem in jüngster Zeit immer wieder zu baulichen Veränderungen kommt, sieht der Synodalverwalter der katholischen Landeskirche, Edi Wigger, vor allem darin begründet, «dass die Bauten früher anderen Bedürfnissen dienten». So waren im Pfarrhaus häufig Arbeits- und Wohnräume des Pfarrers vereint. Heute sucht man dagegen oft eine Form von Mehrfachnutzungen. Denn die Pfarrhäuser stehen vielfach an zentraler Lage. Daher kann eine intensivere Nutzung geprüft werden.

Edi Wigger sagt aber auch: «Für das Bistum ist es wichtig, dass die Residenzpflicht des Pfarrers oder der Gemeindeleitenden auch bei einer Umnutzung erfüllt wird.» Diese verlangt den Wohnsitz von Seelsorgenden in der Pfarrei oder im Pastoralraum. Deshalb ist zu diesen Zwecken in den umgenutzten Pfarrhäusern meistens auch eine grössere Wohnung vorgesehen. Zudem erklärt Wigger: «Aus Sicht der Landeskirche kann die Prüfung einer erweiterten Nutzung – gerade mit Blick auf die Finanzsituation der jeweiligen Kirchgemeinden – durchaus Sinn machen.» Umso mehr, da ein Verkauf solcher Immobilien nicht in Frage kommt. Das zeigt das Beispiel Schötz: Der dafür benötigte Segen der zuständigen Obrigkeit für einen Verkauf blieb nämlich aus. Dies hatten entsprechende Vorabklärungen mit dem Bistum Basel ergeben.