FINANZEN: So gut sind die Heime aufgestellt

Nach Luzern und Emmen will in der Region auch Kriens seine Heime auslagern. Doch bekommen diese von den Gemeinden für den Start auch genügend Eigenkapital?

Christian Glaus
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Nach Emmen und der Stadt Luzern will nun auch die Gemeinde Kriens ihre Heime auslagern. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Nach Emmen und der Stadt Luzern will nun auch die Gemeinde Kriens ihre Heime auslagern. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Unabhängigkeit von den Gemeindefinanzen, schnellere Reaktion auf neue Bedürfnisse: Dies sind die Hauptgründe, weshalb Gemeinden ihre Heime auslagern. In der Region Luzern haben dies bereits Emmen (2010) und die Stadt Luzern (2015) gemacht. Nun soll Kriens folgen. Am 19. Januar entscheidet der Einwohnerrat darüber. Die Volksabstimmung ist für Mai geplant. So könnten die Heime am 1. Juli dieses Jahres den Betrieb als gemeinnützige AG aufnehmen (Ausgabe vom 3. Januar).

Damit die AG arbeiten kann, muss sie von der Gemeinde mit genügend Startkapital ausgestattet werden. In Kriens sind dies gemäss Bericht und Antrag des Gemeinderats flüssige Mittel von knapp 6,4 Millionen Franken.

Startkapital ist an Auflagen geknüpft

Beim Startkapital der «Heim AG» handelt es sich ausschliesslich um Geld, welches die Heime erwirtschaftet haben. Der Betrag wird zum Zeitpunkt der Auslagerung aktualisiert. Allerdings gibt es zur Verwendung der Gelder einige Auflagen. So sind darin auch die Depots der Bewohner enthalten. Diese müssen bei einem Heimaustritt zurückerstattet werden. «Der wesentlichste Teil der flüssigen Mittel macht der Spezialfinanzierungsfonds mit 5 Millionen Franken aus», sagt der Krienser Sozialvorsteher Lothar Sidler. Dieses Geld darf zur Tilgung von laufenden Forderungen verwendet werden. Am Ende des Geschäftsjahrs muss der Fonds aber wieder durch Einnahmen gedeckt sein.

Die Krienser Heime stehen vor einer grossen Investition. Das Grossfeld soll durch einen über 50 Millionen Franken teuren Neubau ersetzt werden. Müsste die Gemeinde das Projekt finanzieren, wäre die Realisierung laut Sidler in zirka 20 Jahren möglich. Die AG könne schneller handeln: «Sie kann Hypotheken aufnehmen und das Projekt innert weniger Jahre realisieren, weil für sie nicht zwingend ist, dass der Spezialfinanzierungsfonds vollständig geäufnet ist.»

Durch die Auslagerung würden die Aufenthaltstaxen in den Heimen nicht erhöht, sagt Lothar Sidler. «Diese Forderung des Einwohnerrats kann eingehalten werden, wenn die Verselbstständigung so durchgeführt wird wie vom Gemeinderat beantragt.» Er schliesst aber nicht aus, dass die Taxen nach Realisierung des Projekts Grossfeld steigen werden.

Obwohl die Ausgangslage unterschiedlich ist, lassen sich die Heime von Kriens und Emmen gut vergleichen. Sie sind mit 272 Betten in Kriens und 283 in Emmen etwa gleich gross und beide Gemeinden finanziell in einer schwierigen Situation. Die Absicht war es, dass die Heime anstehende Grossinvestitionen unabhängig von den Gemeindefinanzen tätigen können.

Emmer Heime mussten Taxen erhöhen

Die Betagtenzentren Emmen AG hat ihren Betrieb am 1. Januar 2010 aufgenommen. Die flüssigen Mittel betrugen 1,7 Millionen Franken – verglichen mit Kriens eher wenig. «Unsere Liquidität war von Anfang an immer sichergestellt», sagt Marius Pfulg, Leiter Finanzen und Administration. Der Betrag wurde so berechnet, dass die Löhne und der monatliche Aufwand jederzeit bezahlt werden konnten – pro Monat rund 1 Million Franken.

«Um den Neubau Emmenfeld realisieren zu können, sind wir bis heute auf einen Rein­gewinn angewiesen», sagt Pfulg. Dies gelang: Seit der Gründung bis Ende 2015 realisierte sie einen Reingewinn von 7,8 Millionen. Möglich war dies dank einer sehr hohen Auslastung und der Optimierung der Betriebsabläufe. Aufgrund des Neubaus Emmenfeld und auf Basis einer mehrjährigen Finanzplanung wurde die Aufenthaltstaxe angepasst. Sie stieg seit 2010 für Komfortzimmer um 46 Franken und für Standardzimmer um 31 Franken.

Inzwischen betragen die flüssigen Mittel 10,5 Millionen Franken (Stand Ende 2015). Das Fremdkapital beträgt 44,5 Millionen Franken. «Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten wir viel liquide Mittel zur Verfügung. Dieses Geld wird jedoch in den nächsten Jahren insbesondere für die Amortisation der Schulden und den Anbau Alp benötigt», sagt Pfulg. Das Eigenkapital wird wieder abnehmen. Diese Entwicklung ist geplant, denn eine gemeinnützige AG muss das Geld, das sie einnimmt, reinvestieren. «Für die nächsten Jahre sind wir gut aufgestellt», sagt Marius Pfulg. Die Aufenthaltstaxen sollen nur noch auf Basis einer allfälligen Teuerung steigen.

Heime Viva Luzern starteten mit Darlehen

Die Stadtluzerner Heime Viva Luzern starteten am 1. Januar 2015 in die Eigenständigkeit. Ihnen standen flüssige Mittel von 44 Millionen Franken in Form eines städtischen Darlehens zur Verfügung. Anders als in Kriens und Emmen wies die Gründungsbilanz Fremdkapital auf, nämlich 58 Millionen Franken. Ein Nachteil sei das nicht, sagt Geschäftsführer Beat Demarmels: «Dass Emmen und Kriens am Anfang kein Fremdkapital benötigten, dürfte daran liegen, dass ihre bevorstehenden Investitionen anteilsmässig am Gesamtkapital viel höher ausfallen als unsere.» In Emmen ist die Verschuldung denn auch schnell gestiegen.

Die Bewohnertaxen für ein Einbettzimmer bei Viva Luzern sind seit 2014 um 8 auf 176 Franken pro Tag im Jahr 2017 gestiegen. Ein Zweibettzimmer kostet unverändert 153 Franken. Beat Demarmels: «Damit kann dem Leistungsunterschied zwischen Ein- und Zweibettzimmern besser Rechnung getragen und die Finanzierung weiterhin gesichert werden.»

Auch Rothenburg will auslagern

Auch die Gemeinde Rothenburg beabsichtigt, ihr Heim auszulagern. Das Alters- und Pflegeheim Fläckematte, das Platz für rund 55 Senioren bietet, soll in eine Aktiengesellschaft ausgelagert werden. Darüber stimmen die Rothenburger am 12. Februar ab. Vorgesehen ist, dass das Fläckematte von einem fünfköpfigen Verwaltungsrat geführt wird. Die Gemeinde bleibt im vollständigen Besitz der neuen AG. Allerdings besteht die Option, später einen Teil der Aktien zu verkaufen. Dazu müsste die Gemeindeversammlung ihren Segen geben. Das gemeindeeigene Grundstück, auf dem sich das Alterszentrum befindet, soll im Besitz der Gemeinde bleiben, aber im Baurecht an die Aktiengesellschaft abgegeben werden.
Der Gemeinderat verspricht sich von der Auslagerung, dass die neue AG flexibler und effizienter wirtschaften kann, als wenn das Alterszentrum Teil der Gemeindeverwaltung bleibt. (rk)

Hinweis:
Orientierungsversammlung am Montag, 23. Januar, um 20 Uhr in der Chärnshalle Rothenburg.

Die Bilanz zur Heimauslagerung. (Bild: Grafik mlu)

Die Bilanz zur Heimauslagerung. (Bild: Grafik mlu)