FINANZEN: Stadt soll Casino-Aktien verkaufen

Die Stadt hält 11 Prozent der Aktien des Casinos Luzern. Deren Wert ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Die SVP will, dass sie diese nun verkauft.

Florian Weingartner
Drucken
Teilen
Die Stadt braucht derzeit jeden Franken und soll die Aktien verkaufen, findet die SVP. (Bild: Pius Amrein)

Die Stadt braucht derzeit jeden Franken und soll die Aktien verkaufen, findet die SVP. (Bild: Pius Amrein)

Für 260 Franken werden die Aktien der Kursaal Casino AG, dem Dachunternehmen der Grand-Casino-Luzern-Gruppe, derzeit gehandelt. Das ist sehr viel weniger als noch vor wenigen Jahren. Damals waren die Aktien noch über 400 Franken wert (siehe Grafik).

Weil sowohl der Kanton als auch die Stadt Luzern bedeutende Aktienpakete halten, wird der sinkende Aktienkurs nun zum Politikum. Die SVP verlangt, dass diese Beteiligungen verkauft werden. Im Kantonsrat hat Fraktionschef Guido Müller (Ebikon) einen entsprechenden Vorstoss bereits eingereicht (Ausgabe vom 19. Juli). Der Kanton hält 3,7 Prozent der Aktien des Casinos.

SVP: «Nicht Aufgabe der Stadt»

Der grösste bekannte Aktionär der Kursaal Casino AG ist die Stadt Luzern. Sie hält 11 Prozent der 64 000 ausgegebenen Aktien, mehr als doppelt so viele wie die nächstgrössten Aktionäre, Freddy Burger und die Luzerner Kantonalbank mit je 5 Prozent. Das ist Peter With, SVP-Grossstadtrat und Präsident der SVP-Stadtpartei ein Dorn im Auge. «Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, sich an einem Casino zu beteiligen», so With. Dies sei die einzige finanzielle Beteiligung der Stadt, die nicht dem Service public zugerechnet werden könne.

Derzeit befindet sich ein Vorstoss SVP-parteiintern in der Vernehmlassung, der den Stadtrat zum Verkauf des Aktienpakets auffordert, das derzeit einen Wert von rund 1,8 Millionen Franken hat. Der Vorstoss wird gemäss With voraussichtlich heute eingereicht. Der Verkauf der Anteilscheine solle mithelfen, die Finanzlage der Stadt etwas zu verbessern: «Derzeit braucht die Stadt jeden Franken, den sie kriegen kann.»

Dass die Aktien künftig wieder an Wert zulegen könnten und ein Verkauf auf dem jetzigen Tiefpunkt ungünstig wäre, glaubt With nicht. «Es ist unwahrscheinlich, dass der Aktienkurs der Schweizer Casinos in Zukunft wieder erheblich steigen wird.»

85 000 Franken Dividende

Für das Geschäftsjahr 2013 schüttete das Casino seinen Aktionären 12 Franken Dividende pro Aktie aus. Dies, obwohl die Casino-Gruppe bei 51,75 Millionen Franken Umsatz (7,3 Millionen weniger als im Vorjahr) nur 790 000 Franken Gewinn erwirtschaftete (480 000 Franken weniger als im Vorjahr). Die Stadt Luzern erhielt so knapp 85 000 Franken. Der Kanton kassierte für seine 2380 Aktien gegen 29 000 Franken.

In der Buchhaltung des Kantons werden die Casino-Aktien per Ende 2013 mit einem Wert von 275 Franken pro Stück aufgeführt. Ein Jahr vorher waren es noch 310 Franken pro Aktie. Innert eines Jahres verringerte sich der Wert des kantonalen Aktienpakets so um rund 83 000 Franken oder etwas über 11 Prozent. Die Stadt Luzern weist ihre Beteiligung in der Jahresrechnung nicht mit Buchwert aus. Würde sie dies analog mit dem Kanton tun, hätte sie mit ihrem Aktienpaket innert Jahresfrist einen Buchverlust von gegen einer Viertelmillion Franken eingefahren.

Bei der Stadt kann derzeit wegen Ferienabwesenheiten niemand zur Beteiligung am Casino Stellung beziehen. So bleiben Fragen nach dem Beweggrund für die doch beträchtliche Beteiligung an einem privaten Unternehmen ebenso offen wie jene danach, wie die Stadt auf den fortschreitenden Kurszerfall reagiert. In der Jahresrechnung 2013 wird die Beteiligung am Casino jedenfalls als «Beteiligung von hoher Bedeutung für die Stadt Luzern» bezeichnet. In derselben Kategorie befinden sich die Hallenbad Luzern AG, die Strandbad Lido AG und Luzern Tourismus. Noch wichtiger sind unter den Unternehmungen nur noch die 100-Prozent-Beteiligungen an EWL und VBL eingestuft. Weniger bedeutend ist unter anderem die Luzerner Messe AG.

«Gute Erträge»

Rudolf Widmer, Finanzchef der Grand Casino Luzern-Gruppe, sagt: «Die Partnerschaften mit Stadt und Kanton Luzern sind historisch gewachsen. Wir sind ein seit weit über 100 Jahren regional stark verankertes Unternehmen.» Widmer weist weiter darauf hin, dass die Aktie der Kursaal-Casino AG Luzern mit einer Dividendenrendite von über 4 Prozent überzeuge und Stadt und Kanton in den vergangenen Jahren «gute Dividendenerträge» erhalten hätten.

Der sinkende Kurswert der Casino-Aktien hat vor allem mit den allgemeinen Schwierigkeiten zu tun, mit denen die gesamte Branche zu kämpfen hat (Ausgabe vom 9. Juli). So nahmen die Bruttospielerträge gesamtschweizerisch seit 2007 kontinuierlich ab. Der Konkurrenzdruck aus dem grenznahen Ausland, wo meist lockerere Regeln gelten, und Online-Spielportalen im Internet spielen dabei eine wesentliche Rolle.