FINANZKRISE: «Prüfen, ob Kunde Risiko verstanden hat»

Die Bankenkommission geht Reklamationen wegen schlechter Beratung nach – auch bei der Luzerner Kantonalbank. Welche Lehren zieht die Bank nun?

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Bernard Kobler, CEO der Luzerner Kantonalbank, während einer Pressekonferenz. (Bild Keystone)

Bernard Kobler, CEO der Luzerner Kantonalbank, während einer Pressekonferenz. (Bild Keystone)

Im Interview haben sie vor kurzem eingestanden, dass einige Ihrer Kunden einen zu grossen Anteil von Lehman-Produkten im Depot haben und der jeweilige Kundenberater dies hätte verhindern müssen.
Kobler
: Weshalb es in Einzelfällen dazu gekommen ist, analysieren wir zurzeit individuell. Es gibt auch Fälle, bei denen die Kunden dies ausdrücklich so gewünscht haben. Wir haben mit der 20 Prozent-Grenze bewusst einen relativ tiefen Wert kommuniziert. Ab dieser Grössenordnung gibt es gewisse Hinweise, dass ein Klumpenrisiko bestehen könnte. Auf diese Kunden werden wir aktiv zugehen.

Es gibt hartnäckige Gerüchte, Ihre Berater hätten die Anweisung gehabt, systematisch die lukrativen strukturierten Produkte zu verkaufen und Kunden mit höheren Spar- und Kontoguthaben in diese Anlageform gedrängt?
Kobler
: Nein, das trifft bei uns nicht zu. Unsere Zielsetzung ist, die Kunden mit guten Lösungen langfristig zufrieden zu stellen. Ausgangspunkt der Beratung sind die Bedürfnisse unserer Kunden. Unsere Berater werden an ihrer Gesamtleistung gemessen und nicht am Verkaufserfolg von einzelnen Produkten. Es gibt für unsere Berater auch keine Anreizstrukturen zum Verkauf einzelner Produkte.

Werden Sie aufgrund der Kundenreklamationen den Beratungsprozess in Ihrer Bank kritisch hinterfragen?
Kobler
: Wir überprüfen unseren Beratungsprozess regelmässig, das haben wir auch in der aktuellen Situation so gemacht. Grundsätzlich funktioniert dieser gut. Die eingetroffenen Kundenanfragen können uns aber punktuelle Hinweise für Verbesserungen liefern. Zum Beispiel, dass wir noch genauer prüfen, ob ein Kunde wirklich verstanden hat, was die Chancen und Risiken einer bestimmten Anlage sind. Ausserdem müssen wir vielleicht noch stärker an die Eigenverantwortung des Kunden appellieren. Das heisst vielleicht künftig auch, dass ein Kunde vielleicht eher auf eine Anlage verzichten sollte, wenn er trotz allem noch Zweifel hat.

Interview von Hans-Peter Hoeren

HINWEIS
* Bernard Kobler ist CEO der Luzerner Kantonalbank.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.