FINANZLAGE: Wikon muss Steuern stark erhöhen

Wikon kämpft mit fehlenden Einnahmen. Deshalb ergreift der Gemeinderat jetzt die Flucht nach vorne – und präsentiert ein ganzes Massnahmenpaket.

Ernesto Piazza
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Wikon.

Wikon.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Der Verkauf der Spychermatte hätte Wikon 5,9 Millionen Franken in die Kasse spülen und für 2017 ein positives Ergebnis liefern sollen. Doch mit dem deutlichen Volks-Nein kommt jetzt alles anders. Der Gemeinde droht für das laufende Jahr statt eines Gewinns von 4,6 Millionen Franken ein Defizit von 1,3 Millionen. Damit wäre das noch vorhandene Eigenkapital von 1,9 Millionen schon in Bälde aufgebraucht. Mehr noch: Ein Blick auf den Finanzplan verheisst für die kommenden Jahre auch keine finanzielle Besserung. «Deshalb planen wir für 2018 mit einer Steuererhöhung von 2,1 auf 2,5 Einheiten», sagt Gemeindepräsident René Wiederkehr. Diese Massnahme würde Wikon jährlich Mehreinnahmen von rund 600 000 Franken bringen.

Das sei eine massive Anhebung und tue weh, ist sich der Gemeindepräsident bewusst. Trotzdem sieht er darin «im Moment den einzig gangbaren Weg für Wikon». Und er sagt auch: Wollte man das strukturelle Defizit eins zu eins wegbringen, «müssten wir sogar auf drei Einheiten erhöhen».

Wikon braucht also zusätzliche Steuereinnahmen. Dass dazu ein Steuerfuss auf einem vernünftigen Niveau eine Voraussetzung ist, weiss der Gemeinderat. Wiederkehr dazu: «Wir müssen alles daransetzen, dass wir in absehbarer Zeit die Steuern wieder senken können, oder uns die Option eines Steuerrabatts offenhalten.» Eine planlose Verschuldung auf Kosten der nächsten Generationen komme für ihn nicht in Frage.

Mit Zonenplanrevision zu qualitativem Wohnraum

Gleichzeitig muss Wikon den finanziellen Gürtel massiv enger schnallen. «Für 2018 planen wir nur mit den allernötigsten Investitionen von rund 60 000 Franken für das Siedlungsleitbild», erklärt Wiederkehr. Dazu kommen noch 150 000 Franken in Form eines Kredits für die Raumplanung. Hier will der Gemeinderat – und das hat auch mit dem Nein zur Spychermatte zu tun – mehr Gas geben als zuerst geplant. «Wir stossen nun das Siedlungsleitbild an und hoffen, dass dieses im 3. Quartal fertig ist. Weiter sollten wir bis Ende 2018 die Zonenplanrevision gestartet und 2019 abgeschlossen haben», so Wiederkehr.

Mit der Zonenplanrevision geht es dem Gemeinderat jetzt auch darum, in der Agglo­­me­ration Zofingen qualitativen Wohnraum zu schaffen und sich – wie in der neuen Gemeindestrategie nachzulesen ist– in der Region damit zu positionieren. Weil für die Wikoner Exekutive Landverkäufe zur Deckung von Defiziten kein Thema sind, heisst das geflügelte Wort «qualitativer Wohnungsbau». Über dessen Machbarkeit – beispielsweise entlang der Luzerner­strasse – soll das neue Siedlungsleitbild Aufschluss geben.

Mit der Idee einer zu gründenden Wikon Dorf AG – sie hätte ebenfalls zusätzliche Fiskaleinnahmen generieren sollen – will man vorerst aber wegen zu knappen Zeit- und Geldressourcen zuwarten.

Wikon wird sich verschulden müssen

Zudem plant der Gemeinderat, künftig die einzuschulenden Kinder vom Hintermoos (Gemeinde Wikon) in der eigenen Gemeinde und nicht im Reidermoos (Gemeinde Reiden) in den Kindergarten und die Primarschule zu schicken. Auch aktuellen Reidermoos-Schülern steht diese Möglichkeit offen. Weiter sollen die Elternbeiträge an die Musikschule erhöht und die Gelder an die Vereine erneut ausgesetzt werden. Bereits sistiert hat Wikon die Summe von jährlich 20 000 Franken an die Badi Reiden. Insgesamt dürften sich die Einsparungen bei rund 150 000 Franken bewegen. Ohne diese Massnahmen ab 2019 müsste der Steuerfuss sogar auf 2,6 Einheiten festgelegt werden, um die Bilanzfehlbeträge innerhalb der Vorgaben halten zu können. René Wiederkehr sagt: «Solche Defizite im normalen Budgetprozess wegzusparen, ist eine absolute Träumerei.» Umso mehr, da Wikon vom Kanton neu auch die AHV-Ergänzungsleistungen überwälzt bekomme. «Unsere Kosten für die soziale Wohlfahrt wachsen massiv an.» Und nicht zuletzt werden die Abschreibungen für Bilanzfehlbeträge die Rechnung belasten. Mindestens in den nächsten rund fünf Jahren wird die Gemeinde Defizite einfahren und sich verschulden müssen.

Düstere finanzielle Aussichten also für die Gemeinde Wikon. Am 28. November entscheiden die Stimmbürger an der Budget-Gemeindeversammlung über die geplante Steuererhöhung.