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Luzerner Firmen halten an Bewerbungsbrief fest

Die Deutsche Bahn verlangt kein Motivationsschreiben mehr, wenn sich jemand auf eine Lehrstelle bewirbt. Luzerner Unternehmen dagegen wollen das Schreiben beibehalten. Trotzdem könnte es Änderungen geben.
Kilian Küttel
Von jungen Stellenanwärtern erwarten Luzerner Firmen nach wie vor ein Motivationsschreiben. (Symbolbild: Manuela Jans-Koch)

Von jungen Stellenanwärtern erwarten Luzerner Firmen nach wie vor ein Motivationsschreiben. (Symbolbild: Manuela Jans-Koch)

Wer in der Personalabteilung einer Firma arbeitet, muss wohl zwischendurch schmunzeln. Zum Beispiel wenn man eine Zuschrift erhält, wie sie jüngst bei einem Luzerner Unternehmen eingegangen ist: «Sehr geehrter Herr. Ich interessiere mich an ihrem Firma für frei Stelle. bitte kontaktieren Sie mich. Herzliche Grüsse.» Wenig überraschend hat der Bewerber die «frei Stelle» nicht bekommen.

Klar – das Schreiben ist nicht jedermanns Sache. Und weil das so ist, gibt die Deutsche Bahn Gegensteuer: Ab dem kommenden Herbst verlangt sie bei Bewerbungen auf Lehrstellen kein Motivationsschreiben mehr. Man wolle es den Jungen so einfach wie möglich machen, der Motivationsbrief sei für viele Schüler eine zu grosse Herausforderung, so die Begründung des Staatsbetriebs.

Schreiben zeigt Sprachkompetenz der Bewerber

Der Entscheid sorgte für ein grosses mediales Echo, mehrere Titel berichteten darüber. Hat die Deutsche Bahn mit ihrem Versuch die Zukunft eingeläutet und das Bewerbungsschreiben nachhaltig ausradiert? Eine Umfrage bei einigen grossen Arbeitgebern der Region liefert die Antwort: nein. «Das Motivationsschreiben gehört bei uns zu den Bewerbungsunterlagen dazu. Ein gutes und akkurates Anschreiben ist uns wichtig», sagt Florian Meier vom Lifthersteller Schindler mit Sitz in Ebikon. Mit dem Schreiben könne man die Sprachkompetenz der Lernenden erkennen und deren Motivation spüren.

Ähnlich klingt es bei der Migros Genossenschaft Luzern: «Wir beurteilen das Motivationsschreiben nach wie vor als wichtigen Bestandteil im Bewerbungsprozess», sagt Sprecherin Lisa Savenberg. Und: Auch die Luzerner Kantonalbank teilt auf Anfrage mit, dass sie Wert auf einen ansprechenden Begleitbrief zum Lebenslauf lege. Die genannten Unternehmen planen auch nicht, etwas am System zu verändern.

Für gewisse Berufe könnte Brief ausgedient haben

Wieso aber geht die Deutsche Bahn diesen Weg? Gaudenz Zemp, der Direktor des Luzerner Gewerbeverbandes, glaubt: «Offensichtlich hat das Unternehmen Schwierigkeiten, offene Lehrstellen zu besetzen. Deshalb senkt es die Anforderungen.» Zemp begrüsst diese Idee nicht, sie sei gar «mittelfristig eine ganz gefährliche Entwicklung: Das Vorgehen wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Leistung der Schule. Der Berufswahlprozess ist immerhin eine der Kernaufgabe der Sekundarstufe.»

Christof Spöring leitet die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung beim Kanton Luzern. Auch er glaubt, die Deutsche Bahn wolle sich mit ihrer Idee im Konkurrenzkampf um Lehrlinge besser positionieren. Was denkt er: Stellt es auch die Luzerner Jugend vor eine zu grosse Herausforderung, wenn sie einen sauber formulierten Brief schreiben muss? «Nein. Die Schreibfähigkeiten unserer Schüler sind gut, die Qualität steigt sogar leicht, wie die aktuellen Stellwerktests zeigen.»

Natürlich gebe es Unterschiede. Von einem Sek-C-Schüler sei nicht der gleich gute Brief wie von einem Sek-A-Schüler zu erwarten. Deshalb würde es Spöring nicht überraschen, wenn das Deutsche-Bahn-Modell doch Schule machen würde – jedenfalls in gewissen Berufen: «Ich glaube nicht, dass das Motivationsschreiben ausgedient hat, aber in einigen Branchen wäre es denkbar, dass die Arbeitgeber darauf verzichten.» Als Beispiele nennt er Attest-Ausbildungen oder handwerkliche Berufe.

Tipp vom Experten: Fünf Sätze reichen

Auch Michael Wey ist überzeugt, dass das Motivationsschreiben seinen festen Platz behalten soll. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung des Luzerner Personalvermittlers Personal Sigma: «Wichtig wird das Schreiben dann, wenn weitere Informationen gefragt sind, als man nur im Lebenslauf angeben kann.» Denn die Arbeitgeber interessieren sich auch für die Person hinter der Bewerbung: «Wenn jemand schreibt, er sei bereit für die neue Stelle umzuziehen oder dass er sich ein Spezialwissen angeeignet hat, kann das mitentscheidend für eine Anstellung sein.»

Und für die Schreibverdrossenen hat Wey einen Trost: «Man muss ja keinen Roman schreiben. Fünf, sechs Sätze können reichen, wenn der Inhalt treffend und zielgerichtet ist.»

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