FIRMENGRÜNDUNGEN: In Luzern wächst die Zahl der Firmen am stärksten

Nirgendwo in der Schweiz wächst die Zahl der Firmen so stark wie im Kanton Luzern. Schlusslicht ist Obwalden mit mehr Firmenschliessungen als -gründungen. Das hat einen speziellen Grund.

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Blick vom Dietschiberg auf das Luzerner Seebecken mit dem Pilatus im Hintergrund. (Bild: René Meier (Luzern, 22. Juli 2017))

Blick vom Dietschiberg auf das Luzerner Seebecken mit dem Pilatus im Hintergrund. (Bild: René Meier (Luzern, 22. Juli 2017))

Rainer Rickenbach

Die meisten neu gegründeten Betriebe finden sich zwar in den Handelsregistern der Kantone Zürich, Waadt, Genf und Bern. Das geht aus den Zahlen hervor, welche die Zürcher Unternehmensdienstleisterin Crif AG für die Zeit von Januar bis September zusammengetragen hat. Allerdings kam es in diesen bevölkerungsstarken Kantonen auch zu überdurchschnittlich vielen Firmenschliessungen.

Setzt man die Firmengründungen in das Verhältnis mit den Löschungen aus den Handelsregistern, schliesst Luzern so gut ab wie kein anderer Kanton. Von Januar bis September entstanden dort 1513 neue Firmen, 761 verschwanden von der Bildfläche. Gemessen an der gesamten Zahl der Unternehmen bedeutet das eine Nettozunahme von 2,4 Prozent. Auch die meisten anderen Zentralschweizer Kantone legten zu: Schwyz (plus 1,9 Prozent), Uri (plus 1,9 Prozent), Nidwalden (plus 1,3 Prozent) und Zug (plus 1 Prozent).

Arbeitsplatz-Auslagerungen spiegeln sich nicht wider

Als einziger Kanton schliesst Obwalden mit einem negativen Saldo ab. Er beläuft sich auf minus 1,4 Prozent. Der Grund: Die Obwaldner Regierung hat konsequent inaktive Domizilgesellschaften aus dem Handels­register gelöscht. Ohne diese Löschungen würde Obwalden gemäss Landstatthalter Niklaus Bleiker ebenfalls eine positive Bilanz vorweisen. Über die ganze Schweiz betrachtet, entstanden in den ersten drei Quartalen fast 32 000 neue Firmen. Gut 22 000 hingegen wurden aus den Handelsregistern gelöscht – sei es wegen Konkursen, Fusionen oder Schliessungen.

Über die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sagen die Gründungen und Schliessungen indes nichts aus. Vor allem die Auslagerung in lohngünstigere Länder finden in den Zahlen keinen Niederschlag. Kommt hinzu, dass zum Beispiel selbst Unternehmen ohne Personal in den entsprechenden Kantonen im Handelsregister aufgeführt sind. Für die neugegründeten Firmen sind die ersten fünf Jahre entscheidend, nur etwa die Hälfte hält sie durch. Stehen sie sie aber durch, stehen die Chancen für eine längerfristige Zukunft gut.

Immerhin: Wenn vergleichsweise viele neue Betriebe ent­stehen und wenige aufgegeben werden, lässt das auf ein unternehmensfreundliches Umfeld schliessen.

«Innovativ und gut erschlossen»

«Der Wirtschaftsraum Luzern ist ein innovativer, gut erschlossener und lebenswerter Standort, der Zugang zu sehr gut ausgebildeten Fachkräften bietet», sagt Thomas Buchmann, Departementssekretär des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. Als weiteren Standortvorteil im Vergleich zu anderen Regionen nennt er Kostenvorteile. «Sei es im Personalbereich, bei den Immobilien- und Grundstückspreisen oder steuerlich», so Buchmann. Ein Kränzchen windet er zudem der politisch zuweilen umstrittenen kantonalen Wirtschaftsförderung für ihre Arbeit bei Neuansiedlungen und Bestandspflege.

Detailhandel an Spitze der Neugründungen

Die Branchen mit den meisten Neugründungen sind auch die Berufszweige mit den meisten Schliessungen. Es handelt sich um die üblichen Verdächtigen: Bei den Neugründungen steht schweizweit der Detailhandel (2522) an der Spitze, gefolgt von Unternehmensberatungen, Bau- und Immobilienbranche, Grosshandel und Gastronomie. Bei den Firmenlöschungen liegt ebenfalls der Detailhandel vorne (2248).