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FISCHE: Nachtangelverbot soll bleiben

Der Fischereiverband will, dass Welse in der Nacht beangelt werden dürfen. Für die Berufsfischer ein gänzlich untauglicher Weg.
Niels Jost
Den Wels kriegt man kaum mehr aus dem Sempachersee, sagen die Berufsfischer. (Bild: Imago)

Den Wels kriegt man kaum mehr aus dem Sempachersee, sagen die Berufsfischer. (Bild: Imago)

Niels Jost

Zehnmal mehr Wels-Fänge innert zweier Jahre: Das veranlasst den Fischereiverband Kanton Luzern (FKL), eine Lockerung des Nachtangelverbots in Erwägung zu ziehen. Der nachtaktive Wels soll nicht nur eine, sondern zwei Stunden nach Sonnenuntergang geangelt werden dürfen (Ausgabe von Donnerstag).

Davon hält Berufsfischer Thomas Hofer nichts. Zusammen mit seinem Bruder, dem Grünen-Kantonsrat Andreas Hofer, führt er eine der beiden Fischereien im Kanton Luzern, am Sempachersee. «Auch wenn man Welse in der Nacht gezielt beangelt, kann man deren Population nicht reduzieren.» Das gelte auch für andere Fischarten. «Wenn es einer Fischart in einem Gewässer passt, kriegt man sie nicht wieder raus.» Laut Hofer lege ein ausgewachsener Wels bis zu 300 000 potenzielle Nachkömmlinge.

Hobbyangler als Gefahr

Zuspruch erhält Hofer von Reto Leuch. Er ist Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes und fischt selber am Bodensee, wo der Wels heimisch ist. «Einer Aufhebung des Nachtangelverbots stehe ich sehr skeptisch gegenüber.» Wenn man die Wels-Population mit Fängen regulieren möchte, dann sei dies nicht die Aufgabe von Anglern, sondern von Berufsfischern.

Mit einer Lockerung des Nachtangelverbots würden zudem die Aktivitäten auf den Seen zunehmen. Das würde die Wasservögel in ihrer Nachtruhe und bei der Brut stören. Mehr noch: Eine Lockerung der Fischereiverordnung wäre laut Hofer auch für ausserregionale Hobbyangler ein Anreiz dafür, am Sempachersee ihre Angelrute auszuwerfen. «Das könnte an den Uferzonen zu Problemen für die Tier- und Pflanzenwelt sowie für Anwohner führen.» Hinzu kommt, dass Angler beim nächtlichen Schleiken – wenn vom Boot aus die Schnur samt Haken hinterhergezogen wird – Hofers Netze nicht sehen, sich darin verheddern und sie beschädigen könnten.

«Dem Verband fehlt Fachwissen»

Die Idee einer Lockerung des Nachtangelverbotes wurde an der Delegiertenversammlung des Fischereiverbandes Ende März angeregt. Auch Thomas Hofer, der als Berufsfischer im Vorstand des FKL sitzt, hat seine Argumente vorgetragen, diese stiessen aber auf wenig Gehör. Dass sich der FKL überhaupt für die Lockerung aussprach, kritisiert er: «Die Forderung ist nicht durchdacht – eine Lockerung des Nachtangelverbots würde die Situation nicht lösen, sondern nur noch mehr Probleme schaffen. Beim Verband fehlt teilweise das Fachwissen, um die drohenden Folgen für den See als Ganzes abzuschätzen.»

Darauf angesprochen, sagt FKL-Präsident Markus Fischer: «Als Verband müssen wir Anregungen unserer Mitglieder aufnehmen.» Es sei aber noch nichts beschlossen. Vor den Delegierten habe er gesagt, dass der FKL zunächst mit allen Verantwortlichen und Betroffenen ein offenes Gespräch suchen und gemeinsam eine Lösung finden wolle. Er bevorzuge aber die Idee, das Nachtangelverbot während bestimmter Sommermonate geplant und strukturiert etwa während zweier Stunden versuchsweise zu erweitern.

«Nichts machen ist nicht unser Stil»

Weiter habe der Verband laut Hofer die Problematik mit fremden Fischarten ungeschickt kommuniziert. Denn neben den Welsen gebe es in den hiesigen Gewässern noch andere fremde Arten, wie amerikanische Kaul- und Sonnenbarsche, Galizierkrebse oder Dreikantmuscheln. «Da Welse 1,80 Meter gross werden können, stösst man damit schnell auf Resonanz in der Öffentlichkeit. Dies lockt aber Angler an, die nur auf einen Sensationsfang aus sind, den Fisch aus dem Wasser ziehen, ein Foto davon schiessen und ihn dann wieder frei lassen.» Dies verletze die Fische, sei unethisch und gesetzlich verboten. «Alle sind gegen fremde Fischarten – bisher hat aber niemand etwas dagegen unternommen», sagt Markus Fischer. «Nichts machen, die Probleme aussitzen, das ist nicht der Stil des Fischereiverbandes.» Der FKL setze sich für intakte Lebensräume im und am Wasser ein.

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