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FISCHEREI: Jetzt gibts wieder Haken

Ab Januar darf im Vierwaldstättersee und in anderen Seen neu mit Widerhaken geangelt werden. Nötig ist jedoch ein Ausweis. Tierschützer kritisieren die Regel.
Andreas Bättig
Karl Koch, hier beim Fischen im Vierwaldstättersee bei Horw, leitet Kurse für Fischer, die mit Widerhaken angeln wollen. (Bilder Boris Bürgisser)

Karl Koch, hier beim Fischen im Vierwaldstättersee bei Horw, leitet Kurse für Fischer, die mit Widerhaken angeln wollen. (Bilder Boris Bürgisser)

Lange war es verboten, im Vierwaldstättersee und anderen Seen mit Widerhaken zu angeln. Und wenn, dann nur in gewissen Situationen, mit speziellem Gerät. Zog beispielsweise ein Angler den Köder beim so genannten Schleppfischen mit seinem Boot fahrend hinter sich her, war eine Angel mit Widerhaken erlaubt. Fischte er dann bei einem geankerten Boot, war der Widerhaken wieder verboten. Und je nachdem, in welchem Kanton sich der Angler auf dem Vierwaldstättersee befand, waren die Regelungen wieder ganz anders.

«Es war ein absolutes Wirrwarr und für die Kontrollbehörden sowie für die Angler eine untragbare Situation», sagt Philipp Sicher, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbands. Deshalb habe sich der Verband immer stark gemacht, die Regelungen zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. Die Widerhaken waren seit 2009, seit der Einführung des neuen Tierschutzgesetzes, in der Schweiz verboten. Es existierte aber eine Unzahl von Ausnahmen.

Gleiche Regel in allen Kantonen

Anlässlich der Revision der Fischereiverordnung lockerte der Bund jedoch die Bestimmungen (siehe Kasten). Die Fischerei-Konkordatskantone des Vierwaldstättersees – Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden – konnten sich einigen und beschlossen, das Widerhakenverbot im gesamten Vierwaldstättersee aufzuheben.

Es dürfen jedoch nur Angler einen Widerhaken verwenden, welche im Besitz des Sachkunde-Nachweis-Anglerei (Sana) und eines Patents sind. «Die Regelung ist sinnvoll. Bei gewissen Fangmethoden ist das Fischen mit Widerhaken von Vorteil», sagt Sicher. «Werden Fische etwa aus grosser Tiefe mit der Angelrute heraufgeholt, dehnt sich aufgrund des Druckunterschieds die Schwimmblase aus, und der Fisch kann verletzt werden. Bei einer Angel ohne Widerhaken besteht die Gefahr, dass sich der Fisch dann vom Haken löst und verendet. Das will man als Angler vermeiden.»

Auch beim Kanton Luzern ist man überzeugt, dass die Aufhebung des Widerhakenverbots Sinn ergibt. «Der Fangerfolg wird dadurch verbessert. Insbesondere bei den Raubfischen wie dem Hecht und dem Egli. So kann man den Fisch waidgerecht anlanden, ohne dass er immer wieder entweichen kann», sagt Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Anglerei des Kantons Luzern. Wichtig sei bei der neuen Regelung, dass nur jene Angler mit Widerhaken angeln dürfen, die einen Fachkundeausweis und ein Patent besitzen. «Dort lernt man auch, wie der Haken bei einem untermassigen Fisch richtig gelöst werden kann», so Amrein.

In Bächen bleibt Widerhakenverbot

Trotz Patent und Anglerprüfung ist es im Kanton Luzern nicht bei allen Seen erlaubt, mit Widerhaken zu angeln. «Die Regelung gilt für den Vierwaldstättersee und den Sempachersee. Beim Baldegger- und dem Rotsee handelt es sich um private Anglereirechte. Die Anglereirechtsinhaber können eigenständig entscheiden, ob sie das Angeln mit dem Widerhaken zulassen oder nicht», so Amrein. Zudem gelte nach wie vor für alle Fliessgewässer ein Widerhakenverbot. «Bei einem Bach oder Fluss hat man fast immer Zug auf der Schnur. Die Wahrscheinlichkeit, dort einen Fisch zu verlieren, ist geringer als an einem See», sagt Amrein. Zudem sollen besonders die kleineren Forellen vor dem Widerhaken geschützt werden.

Karl Koch, Leiter des Luzerner Sana-Kurses, begrüsst die Aufhebung eines Widerhakenverbots. «Damit verliert man weniger Fische. Wir Angler wollen die Fische ja nicht unnötig plagen, sondern sie fangen und verwerten», sagt Koch. Ginge es jedoch nach ihm, hätte die neue Regelung durchaus etwas differenzierter angepasst werden können. «Ich hätte es als sinnvoll erachtet, wenn der Widerhaken bei natürlichen Ködern verboten und bei künstlichen erlaubt wäre.» Laut Koch verschlucken nämlich die Fische natürliche Köder viel tiefer als künstliche. «Das Entfernen des Hakens ist deutlich schwieriger, wenn er tief im Maul des Fisches steckt.» Koch begrüsst es, dass nur jene ohne Widerhaken angeln dürfen, die den Sana-Ausweis besitzen. «Die wissen auch, was zu tun ist, wenn ein zu kleiner Fisch wieder zurückgesetzt werden muss.»

Angler sollen neue Technik lernen

Mir der Lockerung des Widerhaken-Verbots gar nicht zufrieden ist Billo Heinzpeter Studer, Co-Präsident des Vereins Fair-Fish. «Das Verletzungsrisiko für Fische ist bei einem Widerhaken viel grösser. Für uns ist es wichtiger, dass dem Fisch möglichst wenig Schmerz zugefügt wird, als dass der Angler seinen Fang machen kann», sagt Studer. Er könne nicht verstehen, dass der Bund die Regelung wieder gelockert hat. «Es geht doch darum, dass dem Fisch beim Fischen möglichst wenig Leid zugefügt wird. Und das ist bei einem Haken mit Widerhaken weniger gewährleistet.» Laut Studer gibt es durchaus neuartige Haken, die ohne Widerhaken auskommen und trotzdem verhindern, dass der Fisch vom Haken fällt. «Die Angler sollen sich lieber mal mit diesen neuen Techniken auseinandersetzen.»

Andreas Bättig

Das ändert sich für Angler ab 2016

Verordnungbat. Das Bundesamt für Umwelt hat anlässlich der Revision der Anglereiverordnung per 1. Januar 2014 beschlossen, dass bei stehenden Gewässern grundsätzlich wieder mit Widerhaken gefischt werden darf. Jedoch nur dann, wenn der Angler den Sachkunde-Nachweis-Anglerei und ein Anglerpatent besitzt. Bei der Freianglerei sind Widerhaken also verboten. Grundsätzlich ist es den einzelnen Kantonen überlassen, ob sie diese Lockerung übernehmen wollen oder nicht. In fliessenden Gewässern ist es weiterhin verboten, mit Widerhaken zu angeln.

Verbot auf dem Wägitalersee

In der Zentralschweiz darf auf folgenden Seen mit Widerhaken (mit Ausweis und Patent) geangelt werden:

  • Luzern: Vierwaldstättersee, Sempachersee
  • Schwyz: Vierwaldstättersee, Zugersee; beim Zürichsee, Lauerzersee und Sihlsee darf nur der einfache Haken einen Widerhaken haben. Beim Wägitalersee ist er ganz verboten.
  • Nidwalden: Vierwaldstättersee
  • Obwalden: Vierwaldstättersee und sonstige stehende Gewässer
  • Uri: Urnersee
  • Zug: Zugersee, Ägerisee.

In der Zentralschweiz wurden 2014 folgende Anzahl an Jahrespatenten für Angler ausgestellt: Luzern: 337; Schwyz: 1096 (inkl. Monatspatente); Nidwalden: 466; Obwalden: 647 (ohne Lungerersee); Uri: 904; Zug: 746 (Zugersee) 304 (Ägerisee).

Karl Koch, hier beim Fischen im Vierwaldstättersee bei Horw, leitet Kurse für Fischer, die mit Widerhaken angeln wollen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Karl Koch, hier beim Fischen im Vierwaldstättersee bei Horw, leitet Kurse für Fischer, die mit Widerhaken angeln wollen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

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