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FITNESS: Erst schwitzen, dann schwätzen

In der Frauenriege Ruswil wird seit über 70 Jahren nicht nur Sport getrieben, sondern auch die Geselligkeit gepflegt. Dok-Filmerin Ursula Brunner hat sie beim Training zur Turnshow besucht.
Kein reines Plauschprogramm: die Frauenriege Ruswil beim wöchentlichen Training. (Bild: Dominik Wunderli)

Kein reines Plauschprogramm: die Frauenriege Ruswil beim wöchentlichen Training. (Bild: Dominik Wunderli)

Aus den Lautsprechern tönt Katy Perry, in der Turnhalle des Dorfschulhauses in Ruswil wärmen sich die Turnerinnen der Frauenriege auf. Es ist Dienstag, der Abend in der Woche, der für die rund 30 Frauen reserviert ist. Wie wichtig den Sportlerinnen ihr Verein ist, zeigt die Filmerin Ursula Brunner in ihrem Beitrag «Fliegen» in der Dokumentation «Ohni Pfuus kei Müüs». Die Doku, die auch vom grössten Fitnesscenter der Schweiz, dem Boxclub Bern, einer Yogaschule in Zürich und von Fitnessmodel Anja Zeidler erzählt, wird nächsten Mittwoch ausgestrahlt.

«Das SRF hat fünf Autoren für das Thema Fitness angefragt. Ich habe mir überlegt, was alles zu Fitness gehört, und habe recherchiert. Da ich selber mal in der Nähe von Ruswil gewohnt habe, fand ich so die Frauenriege des STV Ruswil, die gerade für ihre Turnershow trainierte. Frauen, deren sportlicher Ehrgeiz unterschätzt wird», erzählt Ursula Brunner. Im Gegensatz zum einsamen Gang in ein Fitnesscenter begleite so eine Turn-gruppe tatsächlich einige Menschen durch das ganze Leben. «Alle haben hier Platz. Und der gesellige Aspekt hilft auch, nach der Neujahrsvorsatzeuphorie weiterzutrainieren. Denn wenn man nicht mehr ins Training kommt, wird nachgefragt», so die Filmemacherin.

Besonders die Koordination ist gefordert

Entgegen dem Vorurteil, so eine Frauenriege sei eigentlich ein ­Kafikränzli, nehmen die Turnerinnen ihr Training sehr ernst. «Gerade auch wenn wir für einen Wettkampf wie etwa das Turnfest in Hochdorf im Juni trainieren, sind die Frauen sehr ehrgeizig. Wir wären enttäuscht, wenn wir im Schnitt nicht mindestes eine 8,5 als Wertung erhielten», betont Edith Roth, eine der Leiterinnen. Bereits seit 26 Jahren ist sie im Verein engagiert. Und das, obwohl sie damals als Zuzügerin in die Gemeinde kam und nicht etwa gebürtige Ruswilerin ist.

Ruswil hat knapp 7000 Einwohner und über 100 Vereine. Einer davon ist eben der STV, der in zahlreiche Untergruppen, wie die Frauenriege, unterteilt ist. In einer Zeit, in der Fitnesscenter 24 Stunden geöffnet sind und die gesellschaftliche Erwartung bezüglich Sportlichkeit hoch ist, funktioniert da so ein Sportverein noch? «Wir spüren schon auch einen leichten Rückgang. Vielleicht, weil Ruswil schon fast zur Agglomeration Luzern gehört. Aber der STV hat eine sehr solide Basis in der Gemeinde», betont die Turnleiterin. Das werde nicht zuletzt an der jährlichen Turnshow sichtbar, wenn nämlich der Saal voll sei, so Ursula Brunner.

Der Sport steht bei der Frauenriege im Vordergrund. «30-, 40-mal machen wir eine Sequenz in einem Training zu einem Wettkampf, analysieren sie per Video. Viele machen nebenher noch mehr Sport, weil ihnen das einmalige Training am Dienstag zu wenig wäre», so Edith Roth. Wie zum Beispiel Andrea Sager, die nebenbei noch joggt. Sie trat dem Verein vor acht Jahren bei, als sie nach Ruswil zog und Anschluss suchte. Vom Fussball kommend, unterlag sie erst dem Vorurteil, bei einer Frauenriege gehe es mehr ums Käfele als um den Sport. «Beim Gymnastiktraining kam ich aber an meine koordinativen Grenzen, da ich das Tänzerische gar nicht gewohnt war. Und sowieso: Wenn man alles gibt, ist auch so ein Postenlauf sehr streng», sagt sie. Die Frauenriege reagiert auch auf Sporttrends, die Leiterinnen bilden sich laufend weiter.

Das Recht, zu trainieren, musste man erkämpfen

Das Gesellige kommt aber natürlich nicht zu kurz – nach dem Training gehen die Frauen noch was trinken. «Als Teil einer Gruppe klemmt man sich eher mal in den Hintern, wenn man eigentlich keine Lust auf Sport hat, und wir stacheln uns auch gegenseitig an im Training. Man trägt einander auch durch schwere Zeiten, etwa wenn der Partner krank ist oder bei einem Todesfall», betont Edith Roth. Wie stark diese Verbindung ist, wird bei Jolanda Brun sichtbar. Die gebürtige Ruswilerin fing schon als Kind in der Mädchenriege an. 1995 zog sie ins Entlebuch, kommt aber trotzdem noch heute zu praktisch jedem Training nach Ruswil.

Wer den Frauen beim Training zusieht, sieht genau das: engagierte Turnerinnen, die zusammen Sport machen und Spass haben. Und dafür hat es sich vor 71 Jahren gelohnt zu kämpfen. «Die Gründerinnen mussten Vorschriften beachten: Die Vorhänge mussten geschlossen werden, wenn die Frauen trainierten. Einmal verliess sogar der Gemeinderat bei einer Turnshow den Saal, weil die Röcke der Frauen nur bis zu den Knien reichten», erzählt Edith Roth lachend aus der Geschichte. Der Erfolg der Frauenriege, mit Mitgliedern, die bis zu 80 Jahre alt sind, gibt den Turnerinnen heute aber Recht.

Natalie Ehrenzweig

redaktion@zentralschweizamsnntag.ch

Hinweis

Der Film wird am Mittwoch, 24. Januar, um 20.10 Uhr auf SRF zwei ausgestrahlt.

Kein reines Plauschprogramm: die Frauenriege Ruswil beim wöchentlichen Training. (Bild: Dominik Wunderli)

Kein reines Plauschprogramm: die Frauenriege Ruswil beim wöchentlichen Training. (Bild: Dominik Wunderli)

Kein reines Plauschprogramm: die Frauenriege Ruswil beim wöchentlichen Training. (Bild: Dominik Wunderli (Ruswil, 16. Januar 2018))

Kein reines Plauschprogramm: die Frauenriege Ruswil beim wöchentlichen Training. (Bild: Dominik Wunderli (Ruswil, 16. Januar 2018))

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