Kolumne

Glück im Unglück am Flohmarkt

Weshalb sich der Umtausch einer Schublade als Glücksfall herausstellte.

Luzia Mattmann, Journalistin
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Luzia Mattmann.

Luzia Mattmann.

Kürzlich war ich sehr aufgeregt, denn es war Flohmi. Sie wissen schon: Der Ort, an dem man verborgene Schätze fast gratis bekommt. Und vielleicht endlich die Kleider verkaufen kann, die einem verleidet sind. Na ja, so war’s dann nicht ganz. Ich stand zwar mit einem gut bestückten Kleiderständer auf dem Dorfplatz. Aber Käufer wollten sich kaum einstellen. Der Frau vom Stand gegenüber ging es ähnlich. Sie gehe mal kurz auf die Post, ob ich ein Auge auf ihren Stand halten könne? «Sicher», meinte ich.

Natürlich näherte sich genau in diesem Moment eine potenzielle Kundin. Sie steuerte systematisch auf die wenigen Glaswaren auf dem Stand der Frau zu, nahm eine Art Schublade in die Hände und betrachtete sie mit Kennerblick. Wie viel die denn koste, wollte sie wissen. «Ähm, keine Ahnung, ich hüte nur den Stand», sagte ich. Ausserdem wisse ich nicht einmal, was das für ein Objekt sei. Eine Schütte, liess mich die Frau wissen: Früher habe man darin in jedem Haushalt Mehl und Zucker aufbewahrt. Die Stand-Frau kam immer noch nicht. Ich wollte die Kundin nicht entwischen lassen und meinte geradeheraus, der Preis der Schublade sei fünf Franken. Die Käuferin schlug ein und rauschte ab.

Bald darauf nahte die Stand-Frau. Ich berichtete vom gemachten Geschäft. «Jesses», meinte die Frau. Das sei Hergiswiler Glas gewesen, sie verkaufe das Stück für achtzig Franken. Mir wurde heiss und kalt, ich entschuldigte mich bei ihr. Heimlich zählte ich das Geld in meinem Portemonnaie – natürlich viel zu wenig. Aber Wunder geschehen. Ein paar Stunden später kam die Käuferin zurück. Die Schublade passe nicht in ihr Möbel. Ob sie sie wohl ausnahmsweise zurückgeben könne? Zum Dank verschenkte ich ein paar meiner Kleider.

Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.