Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FLÜCHTLINGE: Asyl: Freiwillige sind skeptisch

Dass der Kanton die Freiwilligenarbeit von der Caritas übernimmt, löst Verunsicherung aus. Private wollen die Koordination selbst in die Hand nehmen.
Im Bild: Kathrin Becht, Koordinatorin in Meggen. «Es braucht keinen Riesenapparat mit hohen Kosten.» (Bild: David Avolio)

Im Bild: Kathrin Becht, Koordinatorin in Meggen. «Es braucht keinen Riesenapparat mit hohen Kosten.» (Bild: David Avolio)

Ab 2017 übernimmt der Kanton Luzern von der Caritas die Organisation der Freiwilligenarbeit im Asylbereich. Was ist der Vorteil? «So können sich Freiwillige direkt vor Ort melden. Dort werden dann Termine und Aufgaben koordiniert», sagt Arjen Faber, kantonaler Leiter Temporärunterkünfte. Die Stelle soll sich jedoch weitgehend auf die Koordination beschränken und eng mit andern Partnern wie Gemeinden und bereits bestehenden Freiwilligenorganisationen zusammenarbeiten. Doch nicht alle sind bereit, den gleichen Einsatz auch dem Kanton zu bieten.

Freiwillig im Auftrag des Kantons

Sepp Portmann aus Kriens ist seit Jahren als Freiwilliger im Einsatz. Dass nun der Kanton die Freiwilligenarbeit «kommandieren, kontrollieren und korrigieren» soll, goutiert er schlecht, wie er in einem Leserbrief schreibt (Ausgabe vom 8. Mai). Ähnlich empfindet es auch Urs Keel-Krüsi aus Emmenbrücke: «Als Bürger zahle ich meine Steuern, bin aber nicht bereit, ‹gewissermassen in staatlichem Auftrag› Freiwilligenarbeit zu leisten.» Zumal der gleiche Kanton Unternehmen mit Tiefsteuern locke, Mittel für Bildung und im Sozialbereich kürzen wolle, so Keel weiter.

Rita Überschlag kennt solche Argumente. Sie koordinierte die letzten 18 Jahre bei der Caritas die Freiwilligenarbeit und ging dieses Frühjahr in Pension. Was sind ihre Ansichten zur Übernahme? «Die Freiwilligen machen ihre Arbeit in erster Linie für die Flüchtlinge. Mit der Übernahme durch den Kanton wird sich diese Einstellung nicht gross ändern.» Überschlag hofft aber, dass sich der Kanton baldmöglichst mit den Freiwilligen austauscht. Damit sich die Freiwilligen nicht ausgenützt vorkommen, sei eine Anerkennung ihrer Arbeit enorm wichtig und dazu brauche es eine gute Kommunikation.

«Keine Berührungsängste»

Positive Erfahrungen mit Freiwilligenarbeit im Asylbereich macht die Gemeinde Meggen. Mit der Eröffnung der Zivilschutzanlage Huob im letzten Oktober wurde auch gleich Kathrin Becht zur Koordinatorin der Freiwilligenarbeit ernannt. «Es ist extrem wichtig, dass die Gemeinde selbst etwas unternimmt. Meggen hat die Koordinationsstelle als Notwendigkeit schnell erkannt.» Es bestehe ein gutes Netzwerk unter der Bevölkerung. «Die Megger haben keine Berührungsängste mehr mit diesen Menschen. Wo es geht, wird unkompliziert geholfen.»

So gab es im Winter eine Kleidersammlung. «Wir konnten warme Kleider im Pfarreisaal auf den Tischen ausbreiten und die Flüchtlinge konnten sich einkleiden», so Becht. Grosser Beliebtheit erfreuen sich die Deutschstunden. «Es ist erstaunlich, wie viel in den wenigen Monaten gelernt wurde.» Beliebt seien Schnuppertage beim örtlichen Gewerbe, Mittrainieren beim FC Meggen oder Begegnungsnachmittage. Becht: «Es gibt noch viel zu tun, doch was wir bereits jetzt immer erfahren, ist eine extreme Dankbarkeit. Das spornt an.»

Becht weiss aber von Gemeinden, die erst mal zuwarten. Was hält sie vom geplanten kantonalen Engagement? «Ich kann mir gar nicht vorstellen, was der Kanton da konkret machen will. Die Freiwilligenarbeit kommt von unten, aus der Bevölkerung, dafür braucht es keinen Riesenapparat mit hohen Kosten», sagt Becht. Aber: «Der Kanton könnte einzelne Gemeinden, bei denen diese Freiwilligenarbeit noch nicht so gut läuft, aus dem Busch klopfen und mit kleinem Budget unterstützen.» Das könnte die Finanzierung einer Koordinationsstelle im Dorf, Geld für Lehrmaterial, einfache Fussballausrüstung oder Vereinsbeiträge sein. Mehr kantonales Engagement in Sachen Koordination betrachtet sie als unnötig und schwer umsetzbar. Dafür fehlen dem Kanton Ressourcen mit der nötigen «Bodenhaftung».
Wie der Kanton die Freiwilligenarbeit organisieren will, ist noch offen. Ein Konzept müsse bis Ende Jahr noch erarbeitet werden, antwortet das zuständige Sozialdepartement schriftlich.

Kontakt bleibt bestehen

In der Megger Zivilschutzanlage Huob sind zurzeit noch die Hälfte der anfänglich 50 Flüchtlinge untergebracht. Viele wurden in andere Gemeinden umquartiert. Die Freiwilligen nehmen darum Kontakt mit den neuen Gemeinden oder den örtlichen Fussballklubs auf, um das anfängliche Fussfassen der Umquartierten etwas zu erleichtern. Becht: «Mit vielen Flüchtlingen besteht der Kontakt weiterhin. Sie kommen nach Meggen zum Hallenfussball oder ins Deutsch». Die Kerngruppe der Freiwilligen liebäugelt deshalb mit der Idee, einen Verein zu gründen «für ein Netzwerk von gemeindeübergreifender Freiwilligenarbeit im Asylbereich». Becht sieht darin Vorteile: «Wir hätten so mehr politisches Gehör und könnten für Projekte besser Geld beschaffen.»

Grenzen der Hilfe

Einsatz sam. Kann der Einsatz von Freiwilligen im Asylbereich zu weit gehen? «Ja, wenn auch selten», sagt Arjen Faber, kantonaler Leiter Temporärunterkünfte. Das sei etwa bei negativen Asylentscheiden der Fall. «Es gibt Freiwillige, denen wachsen Asylsuchende dermassen ans Herz, dass sie einen Wegweisungsentscheid nicht akzeptieren wollen und diesen dann in Frage stellen», führt Faber aus. Doch das wecke bei den Asylsuchenden nur unnötig Hoffnung. «Wenn einem Flüchtling versprochen wird, dass man sich für eine Aufenthaltsbewilligung einsetzen werde, dann verspricht man etwas, das man nicht erfüllen kann.»

Beschränken auf Alltagshilfe

Die Freiwilligenarbeit im Flüchtlingsbereich sollte sich auf Deutschunterricht, Animation oder etwa die Hilfe beim Einkaufen beschränken. Dazu nennt Faber Beispiele: So würde in Eschenbach ein Mann einmal wöchentlich mit Asylsuchenden zu einem Discounter fahren, da der örtliche Einkaufsladen für sie zu teuer sei. Ein Freiwilliger aus Meggen wandere regelmässig mit Asylsuchenden in der Bergwelt von Engelberg. Wieder ein anderer hat Asylsuchende nach Bern begleitet, um ihnen die Schweizer Hauptstadt zu zeigen.

Sandra Monika Ziegler

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.