Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

FLÜCHTLINGE: Kanton Luzern setzt auf Asyl-Schulen

Die Zahl der minderjährigen Asylsuchenden nimmt stetig zu. Nach dem Luzerner Hirschpark eröffnet der Kanton nun in Kriens und Rothenburg weitere Schulen.
Alexander von Däniken
Kinder aus dem Asylzentrum Hirschpark besuchen eine Lektion im Schulhaus Hübeli in Emmenbrücke anlässlich der Asylwoche vom Juni 2014. Der Kanton setzt nun vermehrt auf Unterricht in den Asylzentren. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Kinder aus dem Asylzentrum Hirschpark besuchen eine Lektion im Schulhaus Hübeli in Emmenbrücke anlässlich der Asylwoche vom Juni 2014. Der Kanton setzt nun vermehrt auf Unterricht in den Asylzentren. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

UMA – das Kürzel für unbegleitete minderjährige Asylsuchende ist noch relativ neu. Es wird aber an Bedeutung zunehmen. Ein Grund: Immer mehr Asylsuchende unter 18 Jahren und ohne Begleitung kommen in die Schweiz und damit auch in den Kanton Luzern. 2013 waren es noch 16 Gesuche, dieses Jahr bis Ende September sind es bereits 91. Minderjährige Asylsuchende geniessen – und das ist der zweite Grund – einen besonderen Schutzstatus. Sie dürfen in der Regel hier bleiben. Darum ist im Kanton auch der Bestand an UMA während dieses Jahres von 49 auf über 142 gestiegen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Familiennachzüge. Allein dieses Jahr bis Ende Oktober sind unter dieser Prämisse 134 Personen in den Kanton gekommen; darunter viele Kinder.

Das wiederum stellt hohe Anforderungen an unsere Gesellschaft (siehe auch Box). Kinder haben gemäss Menschenrechtskonvention einen Anspruch auf Schulbildung, in der Schweiz gilt das Schulobligatorium. Doch Kinder in eine Regelklasse schicken, wenn sie noch kein Wort Deutsch sprechen, macht meistens keinen Sinn. Stattdessen will der Kanton die UMA und andere Flüchtlingskinder dort unterrichten, wo sie sind: in den Asylzentren.

In Kriens ist am Montag Schulstart

Wenn am Montag das UMA-Asylzentrum im ehemaligen Hotel Pilatusblick in Kriens eröffnet wird, beginnt für die Kinder schrittweise auch der Schulalltag. Charles Vincent, Leiter der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung, schätzt, dass in diesem Zentrum rund 20 UMA im obligatorischen Schulalter in zwei Gruppen unterrichtet werden. Das Zentrum hat zwar Platz für rund 70 Kinder und Jugendliche. Die Mehrheit ist allerdings bereits älter als 16-jährig – und muss deshalb neben dem Deutschunterricht vor allem für das Berufsleben vorbereitet werden. Die Herausforderungen an die Lehrer sind im Asylbereich besonders hoch: Laut Vincent sollen möglichst viele Lehrerinnen über die Zusatzausbildung «Deutsch als Zweitsprache» verfügen. Ausserdem wechselt die Klassenzusammensetzung öfter als in den Regelklassen. Denn die UMA und Kinder von Flüchtlingsfamilien sind nur für eine begrenzte Zeit in den Zentren und werden im Laufe des Asylverfahrens auf die Gemeinden verteilt. Immerhin: Bis jetzt konnten die Lehrerstellen relativ gut besetzt werden, wie Vincent erklärt. Notfalls müsse man sich damit begnügen, dass «nur» die jeweilige Schulleiterin über die Zusatzausbildung verfüge.

Deutschkurse reichen nicht aus

Eine Asylschule wird im Kanton Luzern bereits betrieben: Im Asylzentrum Hirschpark in der Stadt Luzern werden seit letztem Sommer durchschnittlich in vier Klassen unterrichtet. Dabei sind auch einige UMA, doch reicht die Kapazität der Schule aktuell nicht für alle. Vincent: «Noch immer werden deshalb UMA extern in Deutschkursen un-terrichtet. Doch die zwei bis drei Mal pro Woche à zwei Lektionen sind zu wenig, zumal sich die Jugendlichen in der übrigen Zeit häufig nicht in der deutschen Sprache verständigen.»

Das Ziel ist es, die Jugendlichen zumindest in der deutschen Sprache so weit zu bringen, dass sie eine Lehre starten oder mindestens ein Brückenangebot wahrnehmen können. Je nach Klassengrösse belaufen sich die Kosten für den Kanton auf rund 100 000 Franken pro Schuljahr und Klasse. «Eine möglichst lückenlose Nachmittagsbeschäftigung mit Fachunterricht und Betreuung ist hier schon inklusive», sagt Vincent.

Silvia Rüttimann ist Leiterin der Asylschulen. Sie bestätigt den Schulablauf: «In einer Schulwoche unterrichten wir vormittags 10 Lektionen Deutsch und nachmittags jeweils 2 Lektionen Mathe, Turnen und Gestalten.» Diese Struktur sei wichtig: «Die Kinder kommen zum ersten Mal mit dem Schweizer Schulsystem in Kontakt.» Viele Kinder seien traumatisiert. Darauf gehen die Lehrkräfte sehr individuell ein, wie Rüttimann erklärt. Ist eine psychologische Beratung nötig, werde der kantonale Fachdienst aufgeboten.

4,5 Vollzeitstellen vorgesehen

Der Kanton dürfte die Asylschulstrategie in den nächsten Jahren noch intensivieren. Erstens führt der Kanton ab nächstem Jahr das Asylwesen in Eigenregie und zweitens sollen möglichst alle Asylsuchenden bis zum Ende ihres Verfahrens in kantonalen Zentren untergebracht werden. Gemäss aktuellem Finanzplan wird der Stellenetat für den Unterricht in Asylschulen von derzeit 3 auf 4,5 Vollzeitstellen im Jahr 2017 steigen. Zum Vergleich: Der gesamte Personalbestand der Dienststelle Volksschulbildung soll von 556 Vollzeitstellen in diesem Jahr auf 512,4 ab 2017 sinken.

Nach dem Asylzentrum Hirschpark und jenem in Kriens werden ab dem 1. Januar 2016 auch Asylkinder in Rothenburg unterrichtet. Vorgesehen sind drei bis vier Klassen. Es ist gut möglich, dass auch noch regionale Aufnahmeklassen errichtet werden, wenn in einer Region viele Kinder zu schulen sind. Wo und wann, sei aber noch nicht definiert. Vincent: «Die Flüchtlingsströme sind für alle eine grosse Herausforderung – bis hin zur Bildung. Hier wird eine hohe Flexibilität vorausgesetzt.»

Alexander von Däniken

Mehr Plätze in Pflegefamilien

Asyl gus. Noch immer steigt die Zahl der Flüchtlinge, die bei uns ankommen, stark an. «Von Italien her, also auch über die Balkanroute, ist keine Abnahme in Sicht», sagt der kantonale Asylkoordinator Ruedi Fahrni auf Anfrage. «Die Lage ist schlimm.» Dies, obwohl der Flüchtlingsstrom in der kalten Jahreszeit eigentlich eher abnimmt, weil dann weniger Flüchtlinge über das Mittelmeer aus Afrika ankommen.

Kaum eröffnet und schon voll

Besonders stark steigt auch die Zahl unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender, sogenannter UMA (siehe Haupttext). Deshalb öffnet am Montag in Kriens ein Zentrum nur für UMA. Eine kurze Rechnung zeigt, dass dies aber kaum reichen wird: Von den insgesamt 142 UMA im Kanton Luzern sind derzeit 99 im Asylzentrum Sonnenhof in Emmenbrücke einquartiert. 70 davon werden nach Kriens wechseln. Künftig sollen nicht mehr als 40 im Sonnenhof wohnen. Weitere 29 UMA sind auf andere Asylzentren oder vereinzelt auf Wohngemeinschaften verteilt, da sie laut Fahrni ohnehin bald die Volljährigkeit erreichen. 14 Kinder sind bei Pflegefamilien platziert. Das betrifft vor allem die Jüngsten, also Kinder unter 14 Jahren.

Weil die Zahl der UMA indessen laufend steigt, müssen künftig auch mehr Flüchtlingskinder in Pflegefamilien untergebracht werden. «Die Zahl wird steigen», bestätigt auch Fahrni. Die platzierten Kinder bleiben bis zur Volljährigkeit in den Pflegefamilien. Sie werden in den jeweiligen Wohngemeinden in der Regelklasse unterrichtet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.