FLÜHLI: «Landfrauenküche» mit Entlebucher Beteiligung

Irene Schmid ist eine von sieben Teilnehmerinnen bei der diesjährigen Staffel «Landfrauenküche» auf SRF. Dabei wurde die 54-Jährige von ihrem Ehemann Heinz unerwartet beschenkt.

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Tauscht gern Heugabel gegen Kochlöffel: Irene Schmid in ihrem Stall. (Bild: Pius Amrein (Flühli, 3. Oktober 2017))

Tauscht gern Heugabel gegen Kochlöffel: Irene Schmid in ihrem Stall. (Bild: Pius Amrein (Flühli, 3. Oktober 2017))

Schwarze Wolken hangen an diesem Morgen über dem Entlebuch. Es regnet. Und trotzdem: In Flühli, auf dem Hof Neuhus, scheint die Sonne. Irene Schmid hat soeben einen Kaffee zubereitet und nimmt am Küchentisch Platz. Die 54-jährige Mutter von vier erwachsenen Kindern strahlt. «Es war für mich eine super Erfahrung. Ich möchte keinen Moment missen.»

Die Bäuerin macht bei der diesjährigen Staffel von «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» mit. Die Sendung wird derzeit freitags ausgestrahlt. Dabei laden sieben Landfrauen ihre Konkurrentinnen auf den Hof zum Essen ein. Diese bewerten das Gericht mit Punkten. Das Resultat bleibt bis zum 11. November geheim. Dann wird die Siegerin live erkoren.

Über den Misthaufen kennen gelernt

Heute Abend ist Irene Schmid an der Reihe. Sie zeigt ihre Kochkünste dem Fernsehpublikum. «Ich schaue mir die Sendung zusammen mit meinem Mann Heinz an», sagt sie. Der Dreh ist bereits Mitte August erfolgt. Und zwar auf der familieneigenen Alp Guggenen. Sie liegt auf 1500 Metern über Meer, ist eine knappe halbe Autostunde entfernt vom Hof Neuhus. Dort verbringen Schmids seit nunmehr 30 Jahren ihren Alpsommer. Sie bewirtschaften – zusammen mit einem Nachbarn – eine Weide mit rund 200 Schafen. Zudem sömmern sie zirka 50 Rinder, davon 30 eigene. Vor einigen Tagen sind sie wieder auf dem Hof.

Kennengelernt hätten sie sich, sagt Irene Schmid, quasi über den Misthaufen. Sie sind auf benachbarten Höfen aufgewachsen. Für die Bäuerin war die Alp schon seit früher Kindheit ihr temporäres Zuhause. «Ich kenne nichts anderes», sagt sie. Zwar oft in der Abgeschiedenheit bei viel Arbeit lebend, fühlten sie sich trotzdem nicht einsam. Da gebe es auch Momente, «wo wir ein Glas Wein geniessen können». Und beide schätzen die Geselligkeit. Während Irene als langjähriges Aktivmitglied die Trachtengruppe Flühli präsidiert, steht Heinz (55) seinen Mann bei den dorfeigenen Jodlern.

Die Bäuerin hätte gerne Köchin gelernt. Es sollte nicht sein. Geblieben ist jedoch die grosse Leidenschaft für die Zubereitung von Gerichten. Und deshalb bewarb sie sich bei der «Landfrauenküche». Mitte Januar erhielt sie vom SRF Bescheid, beim Casting unter den letzten 20 Bewerbern zu sein. Zehn Tage später ging es mit den Verantwortlichen und Schneeschuhen hoch auf die Guggenen zum Rekognoszieren. Die vor drei Jahren neu gebaute Alphütte machte offenbar Eindruck. Nach der Zusage seien ihr sofort 1000 Sachen durch den Kopf gegangen. Schnell war für sie klar: Die Menükarte musste auf drei alten Trycheln präsentiert werden. Nur, bis sich ihr Mann Heinz bewegen liess, die Objekte bereitzustellen, verging für seine Frau «fast unendlich viel Zeit». Dieses Hinhalten hatte jedoch einen Grund. Ohne dass sie etwas ahnte, hatte ihr Mann drei neue Trycheln bestellt. «So ein Geschenk hätte ich mir nie erträumt», sagt Schmid.

Das Bereitstellen der Stube auf der Heubühne inmitten von Heu- und Strohballen war eine Herausforderung. Doch das Ambiente sei gewaltig schön gewesen, geht ihr Kompliment an Ehemann Heinz. Logistisch entwickelte sich das Servieren mit dem «Zwischenlagern» der Speisen auf halbem Weg zur Heubühne als weitere Challenge. Beim Kochen half ihr Tochter Christa. Überhaupt legte die ganze Familie Hand an. Ein kleiner Schreckmoment dann am Nachmittag vor dem abendlichen Essen: Plötzlich setzte Regen ein und schien die Apéropläne vor der Hütte im Wasser zu ertränken. Doch Petrus hatte ein Einsehen. So stand auch der Brennnesselsuppe, dem Lammrack von der eigenen Weide, dem Steinpilz-Kartoffelstock, abgerundet mit einem Heidelbeerkuchen, nichts mehr im Wege. Die ganze Woche mit all den Dreharbeiten empfand sie als stressig. «Doch es war ein schöner Stress.» Unter den sieben Landfrauen sei es zu Freundschaften gekommen, sagt Irene Schmid. «Das ist ein wunderbares Gefühl.» Da rückt für sie der Sieggedanke in den Hintergrund. Trotz «Landfrauenküche» will sie sich treu bleiben und auch weiter die Schinken-Lauch-Rollen – das Lieblingsgericht der Familie – kochen.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» ist freitags um 20.05 Uhr auf SRF 1 zu sehen.