FLÜHLI: Naturschützer sind skeptisch

Die Skigebiete Sörenberg und Rothorn werden ausgebaut. Umweltverbände fragen sich, ob dies not­wendig ist, und bemängeln gewisse Punkte des Projekts.

Roseline Troxler
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Aussicht vom Brienzer Rothorn in Richtung Sörenberg. Im Hintergrund ist die Schrattenfluh zu sehen. (Bild: PD/Sörenberg Tourismus)

Aussicht vom Brienzer Rothorn in Richtung Sörenberg. Im Hintergrund ist die Schrattenfluh zu sehen. (Bild: PD/Sörenberg Tourismus)

Die Bergbahnen Sörenberg wollen 35 Millionen Franken in die Skigebiete Sörenberg Dorf und Rothorn investieren (Ausgabe vom Mittwoch). Läuft alles nach Plan, soll bereits Ende 2013 mit den Bauaktivitäten begonnen werden.

WWF findet Projekt fragwürdig

Die Ausbaupläne stossen nicht überall auf Begeisterung. Marc Germann, Projektleiter Raumplanung WWF Zentralschweiz, sagt: «Es ist fragwürdig, wie Skigebiete aufrüsten, obwohl es immer weniger Skifahrer gibt und viele Gebiete durch den Klimawandel in Schwierigkeiten geraten.» Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, sagt: «Wir stehen dem Ausbau skeptisch gegenüber.» Die Nachfrage nach zusätzlicher Infrastruktur sei durch die Abwärtstendenz bei der Anzahl Skifahrern nicht gegeben. «Es ist unschön, wenn sich nun jedes Skigebiet Andermatt zum Vorbild nimmt.» Rodewald kann jedoch nachvollziehen, dass die Bergbahnen Sörenberg eine Verbindung der Skigebiete planen. Laut Germann sind andere Ausrichtungen zu prüfen: «Die Bergbahnen Sörenberg sollten sich eine Aufgabe des Skigebiets Rothorn überlegen und beispielsweise auf Wandertourismus umstellen.» Germann findet es schade, dass der WWF seit Ende 2011 nicht mehr ins Projekt miteinbezogen wurde. Doch er zeigt sich zufrieden, dass die Bergbahnen Sörenberg Punkte aufgenommen haben, welche Umweltverbände bemängelten. Ursprünglich sei geplant gewesen, alte Gebäude stehen zu lassen. «Dies wurde angepasst: Die unbenutzten Bahnen werden laut aktuellem Projekt zurückgebaut.» Rodewald sagt: «Ich hätte erwartet, dass sich die Bergbahnen Sörenberg mit uns treffen.» Dies sei der übliche Weg.

Theo Schnider, Verwaltungsratsmitglied der Bergbahnen Sörenberg, sagt: «Zunächst diskutieren wir mit Bund und Kantonen die Machbarkeit des Projekts. Danach werden wir das Gespräch mit den Umweltverbänden suchen.»

Rodewald sieht beim Projekt einige kritische Punkte. Ob die Stiftung Landschaftsschutz eine Einsprache erheben wird, werde geprüft. «Das Projekt scheint noch nicht ausgegoren.» Der Schweizer Landschaftsschutz werde beim Ersatzlift Eisee ein Auge auf die detaillierte Ausarbeitung werfen: «Der Lift gehört zum Inventar der historischen Bergbahnen. Er ist gut in die Landschaft integriert.» Dadurch sei die Jungfräulichkeit des Eisees erhalten geblieben. «Dieses Bijou darf durch den Ersatz des Sessellifts nicht Schaden nehmen.» Die Frage des Ersatzes müsse man mit der Denkmalpflege frühzeitig abklären.

Dem neuen Sessellift Witenlauenen begegnet Rodewald kritisch. Durch den Bau werde eine neue Landschaftskammer touristisch erschlossen. Zum geplanten Restaurant auf dem Rothorn sagt er: «Die Mauern drohen die Flanken baulich zu verunstalten. Das Restaurant wirkt wie ein Fremdkörper.» Durch die Lage an dem erosionsgefährdeten Steilhang brauche es einen Nachweis, dass es mit dem Bau zu keinem Hangriss komme. Die Parkplatzsituation müsse genau analysiert werden. «Sörenberg wird bereits heute durch den Privatverkehr belastet.» Die vielen Talanbindungen seien ungünstig. «Ein Sammelparkplatz beim Talausgang mit ÖV-Verbindung zu den einzelnen Liften wäre eine mögliche Lösung», sagt Rodewald.

Für die Jäger unproblematisch

Für den Präsidenten des Jagdreviers Entlebuch, Markus Stalder, ist der Ausbau von grosser Wichtigkeit, um konkurrenzfähig zu bleiben. «Bei den geplanten Bahnen sehe ich keine Probleme.» Wichtig sei eine klare Signalisation, damit Variantenfahrer nicht durch Wildruhezonen fahren. «Durch den Ausbau rechne ich mit mehr Verstössen, wodurch eine konsequente Durchsetzung mit Bussen notwendig ist.» Die detaillierten Abfahrten seien noch unklar. «Ich hoffe, dass bei der Ausarbeitung Wildtierbiologen miteinbezogen werden.»

Simon Koller, Direktor der Brienz-Rothorn-Bahn, welche den Berg von der Berner Seite her erschliesst, sieht im Ausbau für den Winterbetrieb den richtigen Schritt. «Wir betrachten das Projekt konstruktiv kritisch.» Die Brienz-Rothorn-Bahn fährt während der Sommermonate. Die neue Bahn auf das Rothorn sei kaum eine Konkurrenz: «Wir haben Trümpfe in der Hand: Die Fahrt mit der Dampfbahn ist ein spezielles Erlebnis und spricht andere Kunden an.» Offen sei, was mit den Räumlichkeiten auf dem Rothorn geschehe. «Drei Restaurants sind wohl zu viel.» Das neue Restaurant könnte sich negativ auf das Hotel Kulm auswirken, welches zur Brienz-Rothorn-Bahn gehört.

Gemeinde ist erfreut

Sabine Wermelinger, Gemeindepräsidentin von Flühli, sagt: «Ich freue mich sehr. Es ist richtig, dass die Bergbahnen Sörenberg in die Zukunft blicken.» Die Verantwortlichen der Bergbahnen würden die Schwachpunkte des Gebiets kennen und präsentierten die optimale Lösung. «Die Verbindung der Skigebiete wertet das ganze Gebiet auf.» Auch die Bevölkerung sei sehr gespannt auf das Projekt. «Man hofft, dass es mit der Finanzierung klappt.» Sie sei zuversichtlich, dass das Projekt gut durchgerechnet wurde.»