FLÜHLI: Spott und Versöhnung

Hirsmändigbote Guido Bucher gab seine gefürchteten Verse zum Besten. Verschont wird dabei niemand.

Monika Van De Giessen
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Guido Bucher. (Bild: Pius Amrein  /  Neue LZ)

Guido Bucher. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

In Flühli wird statt dem Güdismontag der Hirsmändig gefeiert. «Wir haben den ältesten Fasnachtsbrauch in Luzern», betont Gregor Schnider, Präsident der Hirsmändig-Gesellschaft. Dieser sei auf das Jahr 1375 zurückzuführen und gehe auf die Schlacht bei Buttisholz zurück. Es ist so Tradition, dass am Hirsmändig die jeweilige Gemeindepräsidentin (aktuell Sabine Wermelinger) für einen Tag die Herrschaft über die Gemeinde in der Hände der Hirsmändig-Gesellschaft legt, und dieser den Schüssel des Gemeindehauses überlässt.

Böllerschüsse künden den Boten an

Kernstück des traditionellen Anlasses ist indes der Auftritt des Boten auf dem Dorfplatz. Böllerschüsse verkündigen um Punkt elf Uhr das Spektakel, das gestern gegen 500 Besuchern anzog. Hirsmändigbote ist Guido Bucher, Flühli. Der FDP-Kantonsrat reitet hoch zu Ross auf dem Dorfplatz ein, begleitet von der Hirsmändigchöchi Vreni Emmenegger und dem Hirsmändigbuur Christian Schnider sowie Trychlern.

Der Hirsmändigbote legt dabei alles schonungslos offen. Privatpersonen, Wirtschaftsvertreter, Gemeinde-, Regierungs-, Stände- und Nationalräte, niemandem wird Hirsmändig-Amnestie gewährt. Alle bekommen ihr Fett ab. Damit all das, was der Hirsmändigbote ausplauderte, niemanden im falschen Hals stecken blieb, wird nach dem Verlesen des Briefes mit einem Versöhnungstrunk angestossen. Dann gings zum gemeinsamen Hirsenmahl im Kurhaus Flühli. Am Nachmittag sorgten dann die Botschafter aus anderen Entlebucher Gemeinden mit ihren Auftritten für Lachsalven. Die Chrutacherbrücke, die Nationalratswahlen, die Biosphäre und die Rothorn-Bahn – alle Themen, die Entlebucher bewegen, wurden aufgedeckt. Die SVP-Nationalratskandidatin und Gemeinderätin Vroni Thalmann aus Flühli bot einigen Botschaftern, die für den Hirsmändig aus dem ganzen Entlebuch nach Flühli kamen, viel Zündstoff und Angriffsfläche.

Der Bischof von Hasle

Unter anderem auch dem Kabarettisten Thomas Lötscher (Veri), der als Bischof von Hasle in Erscheinung trat. «Grenzen setzen», lautete nämlich Thalmanns Wahlkampfmotto anlässlich der Nationalratswahlen. Dazu Thomas Lötscher: «Grenzen setzen», wie chunnscht uf d’Idee? Und de hani mau s’Vronis Heimetli gseh. Der Garten isch unten am Sockel betoniert, der Zuun us Stacheldraht, nüt verziert. D’Strass isch ä Sackgass, chaschs symbolisch näh, und d’Liegeschaft vonere Panzersperri umgäh. D’Chüe, Holsteiner, sig ursprünglich eine deutsche Rasse. Uusländer! Chasch Buess tue, Vroni, mit äme Nötli i d’Kasse. Und statt zuune, dass die Chüe nid abschwänze, setzt s’Vroni dene tierische Uusländer haut Gränze.

Monika van de Giessen