Flühli: Warum der Ex-Sheriff ins Spital musste

Der Hirsmändigsbote in Flühli kennt kein Pardon – weder mit Prominenten noch der eigenen Bevölkerung.

Stephan Santschi
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Hoch zu Ross: Hirsmändigsbote Guido Bucher nahm in Flühli kein Blatt vor den Mund.

Hoch zu Ross: Hirsmändigsbote Guido Bucher nahm in Flühli kein Blatt vor den Mund. 

Bild: Patrick Hürlimann, 24. Februar 2020)

Die Kirchenuhr schlägt elf, fünf Böller gehen in die Luft. Das sind untrügliche Zeichen dafür, dass der Hirsmändigsbote Guido Bucher traditionsgemäss auf den Dorfplatz von Flühli einkehrt und hoch zu Ross den Hirsmändigsbrief verliest. Rund 900 Menschen sind bei frühlingshaften Bedingungen gekommen, um zu vernehmen, wen Bucher in seinen Versen aufs Korn nimmt – stets in der Hoffnung, dass es einen nicht selber trifft.

Ihr Fett ab, bekommen internationale Grössen wie Papst Franziskus, Donald Trömp oder Greta Thunberg. Für die wirklich herzhaften Lacher sorgen aber die Geschichten aus der eigenen Gemeinde, welche die jeweils genannten Protagonisten am liebsten für immer verschwiegen hätten.

So erfährt der neugierige Fasnächtler von einem Reto, der in den Ferien im Meer vor einem Hai ans Ufer flüchtete und dort bemerkte, dass ihm nur sein eigener Schatten gefolgt war. Der ehemalige Dorf-Sheriff Edi Schäli musste im Spital behandelt werden, weil er einen Chriesistei nicht mehr aus dem Ohr herausbrachte. Was das gute Stück dort sollte? Schäli gibt Kindern vor, er könne den Stein nach dem Essen des Chriesis durch das Kopfinnere bis zum Ohr hinaus wandern lassen. «Nachemene halb Dotze mau hetter mit sim Wurstfinger z’vöu Druck gäh», berichtet Bucher. Auch auf den lokalen Gemeinderat wird eine Breitseite abgefeuert.

Arbeit am Hirsmändig fressen die Mäuse

Nach etwas mehr als einer halben Stunde steigt der Hirsmändigsbote vom Sattel und begeht mit seinen Opfern den Versöhnungstrunk. Anschliessend treffen sich die Leute im Kurhaus-Saal zum gemeinsamen Verzehr des Hirsemahls. Zur Arbeit geht in der 2000-Seelen-Gemeinde im Entlebuch danach niemand mehr, schliesslich heisst es: «Was am Hirsmändig erschaffisch, das frässä d’Müüs!»

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