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Flugzeugabsturz in Hergiswil: 160 Quadratmeter grosses Trümmerfeld

Vom verunfallten Kleinflugzeug sind bloss noch Asche und Kleinteile übrig. Wie es am Samstag zur Tragödie kommen konnte, die das Leben von vier Personen aus der Region gefordert hat, ist unklar – und stellt auch Aviatikkenner vor Rätsel.
Philipp Unterschütz und Raphael Zemp
Die Absturzstelle beim Renggpass oberhalb von Hergiswil. (Bild: Kantonspolizei Nidwalden, 4. August 2018)

Die Absturzstelle beim Renggpass oberhalb von Hergiswil. (Bild: Kantonspolizei Nidwalden, 4. August 2018)

Der Start in die Ferien in Frankreich endet in einer Tragödie. Bei einem Flugzeugabsturz beim Renggpass oberhalb von Hergiswil ist es am Samstagvormittag eine vierköpfige Familie aus der Region ums Leben gekommen. Auf rund 160 Quadratmeter haben sich die Trümmer der total ausgebrannten Maschine verteilt. Übrig geblieben sind nur kleine Einzelteile, die grösstenteils bereits am Samstag geborgen werden konnten.

Warum sich die Tragödie ereignet hat, bleibt unklar. «Wir haben zwar etliche Zeugenaussagen erhalten. Zu neuen Erkenntnisse führen diese aber noch nicht», erklärt Lorenz Muhmenthaler, Leiter der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei auf Anfrage. Man suche deshalb weiterhin nach Zeugen. Auch Jost Vogler kann sich das Vorgefallene nicht erklären. Seit über sechs Jahren ist er Flugfeldleiter des Flugplatzes Kägiswil, wo die Unglücksmaschine am vergangenen Samstag um 9.45 Uhr gestartet war. Zwar liege das Rollfeld in den Voralpen und sei so von ansteigendem Gelände umgeben, was Aufmerksamkeit erfordere. Trotzdem gäbe es weitaus anspruchsvollere Flugplätze, sagt Vogler.

«Ein herausragender Pilot»

Zumal es sich beim Verunfallten um einen «herausragenden Piloten» gehandelt haben soll. Er soll Cheftestpilot der Stanser Pilatuswerke gewesen sein. Offiziell bestätigen wollen das aber weder die Flugzeugbauer, noch die Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Die Opfer seien noch nicht abschliessend identifiziert, begründen die Behörden ihren Entscheid. Muhmenthaler bestätigt immerhin, dass es sich beim Umglücksflugzeug um eine Socata TB-10 mit fünf Plätzen und der Immatrikulationsnummer HB-EZW handelte (siehe Kasten). Diese gehörte der Motofluggruppe Pilatus (MFGP), die in Kägiswil stationiert ist.

Das Unglücksflugzeug des Typs Socata TB-10, fotografiert am 30. März 2016 beim Start in Kägiswil. (Bild: Robert Hess)

Das Unglücksflugzeug des Typs Socata TB-10, fotografiert am 30. März 2016 beim Start in Kägiswil. (Bild: Robert Hess)

Absturz nach 35 Betriebsjahren

Beim abgestürzten Kleinflugzeug handelt es sich um eine Socata Tobago TB-10. Ein laut Jost Vogler, Flugfeldleiter des Flugplatzes Kägiswil, «unkritischer Flieger». Die Maschine wurde bereits seit 35 Jahren von der Motorfluggruppe Pilatus betrieben. Weil sie regelmässig überprüft und revidiert worden sei, habe sie sich in einem «einwandfreien Zustand» befunden, versichert Jost Vogler. Auch die Motorfluggruppe Pilatus schreibt in ihrer Vereinszeitschrift: «All unsere Flugzeuge sind heute in einem sehr guten Zustand – man könnte auch sagen: im besten Alter!» Allerdings datiert die Ausgabe vom Jahr 2011.

Französischer Flieger wird nicht mehr produziert

Einen ersten Prototypen dieses Flugzeugs hatte die französische Firma Socata (Société de Construction d’Avions de Tourisme et d’Affaires) 1977 produziert. Mit Jahrgang 1983 gehört das Unglücksflugzeug zu den älteren Maschinen dieses Typs, dessen Produktion im Jahr 2006 eingestellt wurde. Die Maschine ist als Fünfplätzer zugelassen und wird mit einem 180 PS starken Kolbenmotor angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 235 Kilometern pro Stunde. Das Leergewicht des Kleinflugzeug beträgt 730 Kilogramm, die maximale Reichweite knapp 1300 Kilometer. (zar)

Bereits vor fünf Jahren kam es zu einem tödlichen Absturz am Lopper. Ein F/A-18 der Schweizer Luftwaffe zerschellt unweit über dem Tunnelportal, beide Insassen starben. Als Unfallursache eruierte der zuständige militärische Untersuchungsrichter eine Fehleinschätzung durch den Piloten. Parallelen vom Jet-Crash zum jüngsten Vorfall kann man allerdings kaum ziehen. Nicht nur weil die beiden Unglücksmaschinen mit ganz anderen Tempi unterwegs gewesen sein dürften, auch die Wetterbedingungen waren völlig verschieden Vor fünf Jahren behinderten tiefhängende Regenwolken die Sicht. Am letzten Samstag hingegen schien die Sonne; es war windstill. «Es herrschte optimales Flugwetter», bestätigt auch Vogler.

«Sofortmassnahmen drängen sich keine auf.»

Einzige Ausnahme: Die hohen Temperaturen. Diese wirken sich laut Vogler negativ auf die Leistung des Motors aus. «Ein erfahrener Pilot weiss das aber - und passt seinen Flugweg entsprechend an.» Auch wenn der Ausflugweg über den Lopper üblich sei: Bei zu geringer Höhe hätte der Pilot auch eine alternative Route wählen und den Hügelzug via Stansstad umfliegen können. Wie es zu dieser Tragödie kommen konnte, bleibt für Vogler deshalb ein Rätsel. Trotzdem: Verunsicherung habe sich auf dem Flugplatz Kägiswil nicht breit gemacht. «Der Flugbetrieb geht wie gewohnt weiter. Sofortmassnahmen drängen sich keine auf», sagt Vogler.

Aktiv wird man in Kägiswil allenfalls dann, wenn der Untersuchungsbericht der Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) Verbesserungspotenzial offenbart. Bis ein solcher vorliegt, dürfte es aber noch dauern. Auch wenn die Bundesbehörde bereits erste Aussagen prüft.

Nur knapp am verheerenden Waldbrand vorbei

Ein Helikopter transportiert Löschwasser, um den Brandherd nach dem Flugzeugabsturz am Lopper zu löschen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Hergiswil, 4. August 2018))

Ein Helikopter transportiert Löschwasser, um den Brandherd nach dem Flugzeugabsturz am Lopper zu löschen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Hergiswil, 4. August 2018))

Die Feuerwehr hatte den Brand bei der Absturzstelle bis am Samstagmittag relativ rasch unter Kontrolle gebracht. Das tragische Unglück hätte aber leicht zu einem verheerenden Grossbrand führen können. Unmittelbar bei der Absturzstelle, die in sehr stotzigem Gebiet liege, bestehe die Vegetation aus Laubbäumen, erzählt auf Anfrage Toni Käslin, Feuerwehrinspektor von Nid- und Obwalden. Zwar sei der Boden in Brand geraten und auch die unteren Äste der Laubbäume in etwa 7 bis 8 Metern Höhe. Weil das Laub aber nicht dürr war, konnte sich das Feuer nicht so schnell ausbreiten. «Nur rund 50 Meter daneben stehen Tannen mit dürren Ästen. Diese hätten wie Fackeln gelodert. Das wäre schwierig geworden», sagt Käslin. Glücklicherweise sei der Löschhelikopter schnell vor Ort gewesen. «Es hat sich bewährt, dass wir das Alarmdispositiv wegen des geltenden Feuerverbots erhöht haben», so der Feuerwehrinspektor weiter.

Feuerwehr rechnete mit «schlimmen Bilder»

Insgesamt waren rund 80 Angehörige der Feuerwehr Hergiswil und der Stützpunktfeuerwehr Stans im Einsatz. Zum Unglücksort habe man nur eine minimale Anzahl speziell ausgesuchter Leute geschickt. «Sie mussten geländetauglich sein und insbesondere mit den schlimmen Bildern umgehen können, die vor Ort zu erwarten waren», sagt Toni Käslin. Man habe deshalb insbesondere Leute von der Strassenrettung geschickt, die Erfahrung mit schlimmen Unfällen und ihren Folgen hätten.

Als erster sei der Pächter des nahen Landwirtschaftsbetriebes vor Ort gewesen, danach folgte bereits eine erste Einheit der Polizei. Die Feuerwehr habe mit Motorsägen den Weg zum Unfallort freigeschnitten und sofort die Zufahrtsstrassen weiträumig gesperrt. Schaulustige habe man hingegen kaum wegweisen müssen.

Flugzeugabstürze in Ob- und Nidwalden seit 2008

  • Am 23. Oktober 2013 zerschellt am Lopper eine F/A-18 der Schweizer Luftwaffe. Die zwei Insassen sterben. Unfallursache: Pilotenfehler.
  • 27. August 2013: Eine Piper PA-28 stürzt im Rütiwald ob Sarnen bei schlechter Sicht ab. Eine Person stirbt.
  • Am 23. Juli 2013 stürzt in der Nähe des Flugplatzes Kägiswil ein Kleinflugzeug beim Landeanflug ab. Drei Personen aus der Region sterben auf dem Schulungsflug. Der Befund der Untersuchungsbehörde: Der Pilot hatte die Heftigkeit des aufziehenden Unwetters unterschätzt.
  • Am 25. Juli 2008 stürzt ein Kleinflugzeug im Landeanflug auf den Flugplatz Kägiswil ab. Der deutsche Pilot stirbt – laut Sust aus eigenem Verschulden.

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