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FORSCHUNGSPROJEKT: «Gras» gibt’s in der Apotheke

Die Stadt Luzern soll sich an einem Versuch für Cannabisverkauf beteiligen. Kaufen darf aber nur, wer bereits regelmässig konsumiert.
Hugo Bischof
Über 18 Jahre alt sein, in der Stadt Bern wohnen und bereits Cannabis konsumieren: Das sind die Anforderungen an die gesuchten Testpersonen. (Bild: Keystone)

Über 18 Jahre alt sein, in der Stadt Bern wohnen und bereits Cannabis konsumieren: Das sind die Anforderungen an die gesuchten Testpersonen. (Bild: Keystone)

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Ein Forschungsprojekt zum regulierten Cannabisverkauf soll auf die Stadt Luzern ausgeweitet werden. Das gab Martin Merki (FDP), Sozialdirektor der Stadt Luzern, gestern bekannt. Im ­April 2016 hatte das Stadtparlament ein Postulat der GLP überwiesen, das einen Cannabis-Testversuch verlangte. Nun erklärt der Stadtrat, wie er das Postulat umsetzen will. So soll sich die Stadt Luzern einem Forschungsprojekt der Universität Bern anschliessen, bei dem auch die Stadt Bern beteiligt ist.

Sobald das Bundesamt für Gesundheit seine Zustimmung erteilt, soll das drei Jahre dauernde Forschungsprojekt starten. In der Stadt Bern rechnet man mit einem Start Anfang 2018, in Luzern spätestens im Juli 2018. «Ziel ist es, die Auswirkungen eines regulierten Cannabisverkaufs in Apotheken zu überprüfen, insbesondere auf das Konsumverhalten, die Gesundheit und das Befinden der Teilnehmenden», sagt Sven Trelle, Co-Direktor des Studienkoordinationszentrums der Medizinischen Fakultät der Universität Bern. Präventive Gespräche sowie ein medizinisches und psychosoziales Beratungsangebot sind ebenfalls Teil der Studie.

Teilnehmer müssen über 18-jährig sein

An der Studie beteiligen kann sich, wer in Luzern wohnt, bereits Cannabis konsumiert, mindestens 18 Jahre alt, nicht in psych­iatrischer Behandlung und nicht schwanger ist. Die Anmeldung erfolgt übers Internet oder telefonisch. Die Teilnehmenden werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. «Wir wollen keine Neukonsumenten schaffen», betont Paolo Hendry, Leiter Abteilung Alter und Gesundheit der Stadt Luzern. Die Studienteilnehmer werden registriert. Der Kontakt mit ihnen soll auf regelmässiger Basis stattfinden. Dabei gelten aber alle bestehenden gesetzlichen Restriktionen, wie zum Beispiel, dass der Konsum in der ­Öffentlichkeit verboten ist. Insgesamt werden rund 700 Studienteilnehmer erwartet. Wie viele es in Luzern sein werden, wird sich zeigen.

Die Teilnehmer können in ausgewählten Luzerner Apo­theken pro Monat maximal 24 Gramm Cannabis mit einem THC-Gehalt von 12 Prozent erwerben. Der Konsum ist nur im Privaten erlaubt. Die Kosten des Cannabis müssen die Teilnehmenden selber tragen. Das Produkt soll gleich viel kosten wie die gleiche Menge Cannabis mit ähnlichem THC-Gehalt auf dem Schwarzmarkt. «Ein Weiterverkauf ist damit finanziell nicht attraktiv», betont Sven Trelle. Bei dem im Test verwendeten Cannabis soll es sich um qualitativ gutes Cannabis aus Schweizer Produktion handeln.

Die Finanzierung der Studie ist durch einen Forschungsbeitrag des Schweizerischen Na­tionalfonds in der Höhe von 720 000 Franken sowie Projektbeiträgen der Universität und der Stadt Bern in der Höhe von je 100 000 Franken sichergestellt. Der Stadt Luzern entstehen Kosten von insgesamt schätzungsweise 140 000 Franken.

Stadtparlament muss noch einmal entscheiden

Fast ein Drittel der Schweizer Bevölkerung über 15 hat schon Cannabis konsumiert. Und über 220 000 Schweizerinnen und Schweizer konsumieren regelmässig Cannabis – obwohl dies noch immer strafbar ist. Das ergab eine Untersuchung von Suchtmonotoring Schweiz. «Deshalb drängt sich die Frage auf, ob die heutige gesetzliche Handhabung des Cannabiskonsums noch der gesellschaftlichen Realität entspricht oder andere Modelle besser geeignet sind», sagt Stadtrat Martin Merki. Weil das GLP-Postulat im April 2016 nur äusserst knapp überwiesen wurde, legt der Stadtrat dem Parlament nun einen Bericht vor, «damit dieses seinen politischen Willen bekräftigen kann», so Merki. Inzwischen seien zudem zusätzliche Informationen verfügbar, «welche einen besser abgestützten Entscheid ermöglichen».Deshalb muss das Luzerner Stadtparlament über den stadträtlichen Bericht befinden und damit den Cannabisversuch nochmals definitiv absegnen.

Eine Umfrage unter den Parteien ergab, dass die SVP den Versuch vehement ablehnen wird. SP, Grüne und GLP werden dem Testversuch zustimmen. Die CVP bleibt gemäss Grossstadtrat Albert Schwarzenbach skeptisch: «Wir sehen nicht ein, weshalb Luzern hier eine Vorreiterrolle spielen soll.» Offen ist, wie sich die FDP verhalten wird. Ihr Präsident Fabian Reinhard sagt: «2016 war ich eher kritisch. Heute begrüsse ich die Studie.»

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