Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FORSTWIRTSCHAFT: Nach Sturmschäden: Teilzeit-Waldarbeiter leben gefährlich

Die Januarstürme haben in den Luzerner Wäldern grosse Schäden hinterlassen. Auch private Waldbesitzer sind damit beschäftigt, Sturmholz wegzuräumen. Solche Forstarbeiten bergen aber grosse Gefahren.
Thomas Heer
Ein Wald-Arbeiter misst einen Baum aus. (Bild: Nadia Schärli (Geiss, 3. Februar 2018))

Ein Wald-Arbeiter misst einen Baum aus. (Bild: Nadia Schärli (Geiss, 3. Februar 2018))

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Eine Begegnung zwischen einem Jogger und einem privaten Waldbesitzer jüngst im Bireggwald: Letzterer hat die Mütze tief über die Stirne gezogen. Vom Kopfhaar ist lediglich der graue, wild wuchernde Backenbart zu sehen. Der Mann hantiert am Traktor. Es handelt sich um einen Bauer, der im Gespräch durchblicken lässt, dass er eigentlich Besseres zu tun hätte, als Sturmholz abzuschleppen. Denn, so führt er weiter aus: «Diese Arbeit lohnt sich nicht.» Folglich, so der Landwirt weiter, würden viele Waldbesitzer die Bäume einfach liegen lassen.

Da drängt sich die Frage auf: Ist das in einem Land wie der Schweiz, wo der Drang zur Ordentlichkeit mitunter zwanghafte Züge annimmt, überhaupt statthaft? Die Behörden jedenfalls haben das zu akzeptieren, wie Bruno Röösli, Leiter Abteilung Wald bei der entsprechenden kantonalen Dienststelle, bestätigt: «Ja, das stimmt. Waldbesitzer können nicht dazu gezwungen werden, Sturmholz wegzuräumen.» Dazu später mehr.

Der Januar war aus meteorologischer Sicht eine turbulente Zeit. Stürme, teils in Orkanstärke, fegten mit teils mehr als 150 Kilometern pro Stunde über die Schweiz und hinterliessen grosse Verwüstungen. Gemäss Meteo Schweiz reichen Windspitzen ab bereits etwa 90 Kilometern pro Stunde, um erste Bäume zu entwurzeln.

Gemäss Bruno Röösli knickten und entwurzelten die Januar­stürme im Kanton Luzern Bäume im Umfang von zirka 150 000 Kubikmetern. Das entspricht etwa drei Vierteln jener Menge, die durchschnittlich pro Jahr in den Luzerner Wäldern geerntet wird.

Bei dieser Ausgangslage bleibt an den Forstbesitzern viel Arbeit hängen. Aber wie bereits erwähnt, kann, wer nicht selber anpacken oder die Räumung in Auftrag geben will, das Holz einfach liegen lassen. Diese Regelung gilt aber nicht für sogenannte Schutzwälder. Diese dürfen aufgrund eines Ereignisses jedoch nicht derart geschwächt werden, dass sie ihrer Funktion – zum Beispiel darunter liegende Siedlungen vor Lawinenabgängen oder Steinschlägen schützen – beraubt werden.

Wird ein Bannwald durch einen Orkan nachhaltig in Mit­leidenschaft gezogen, greift die öffentliche Hand ein. Die Wiederinstandstellung des havarierten Forstes muss aber nicht vom privaten Besitzer berappt werden, sondern wird mit Kantons- und Bundesgeldern finanziert.

Das Problem der Wälder ohne Schutzfunktion: Regelmässig wie Grippewellen werden Teile der Schweiz von einer anderen Plage heimgesucht, der Massenvermehrung des Borkenkäfers. Diese Tiere fühlen sich in geschwächten Bäumen, in erster Linie den Rottannen, besonders wohl. Dazu gehören natürlich auch die von heftigen Winden gefällten Bäume. Seitens des Staates wird die Situation in den Wäldern genau beobachtet. Bruno Röösli sagt: «Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten und empfehlen Waldbesitzern, die herumliegenden Stämme rasch zu entfernen.»

Röösli geht davon aus, dass der Abtransport des Holzes bei einem Kubikmeterpreis für Fichten von 70 bis 100 Franken meist kostendeckend abgewickelt werden kann. Geht die Rechnung jedoch nicht auf, gibt’s Hilfe vom Fonds Suisse. Diese Stiftung kann Privaten finanziellen Support bei nicht versicherbaren Schäden leisten, die aufgrund von unvorhergesehenen Naturereignissen entstehen.

Als Laie mag man sich dar­über ärgern, dass es Waldbesitzern erlaubt ist, Sturmholz einfach liegen zu lassen. Möglicherweise ist es aber auch ein Segen, dass nicht jeder Ungeübte sich durchs Unterholz arbeiten muss. Denn die Tätigkeit im Wald ist gefährlich. Das zeigen auch die Zahlen der Suva (siehe Hinweis). Nach dem Orkan Lothar Ende 1999 kamen bis Mitte Dezember 2000 in der Schweiz insgesamt 17 Personen bei Aufräumarbeiten in den geschädigten Wäldern ums Leben. Die meisten davon waren Nichtprofis.

Hinweis

Unter www.suva.ch/44070.d finden Sie die Suva-Broschüre «Sturmholz sicher aufrüsten».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.