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FOTOGRAFIE: «E.T.» im Entlebuch

Das Mondbild des Luzerner Fotografen Philipp Schmidli ging im Frühling um die Welt. Um es zu toppen, musste er vollen Einsatz zeigen. Wir waren dabei.
Stefan Roschi
Parallelen zu Steven Spielberg Meisterwerk E.T. sind unverkennbar. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Parallelen zu Steven Spielberg Meisterwerk E.T. sind unverkennbar. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Es ist der perfekte Sommerabend. Von weitem hört man Hundegebell und Kuhglocken, der Duft von frisch geschnittenem Gras liegt in der Luft. Aber Philipp Schmidli kann das jetzt nicht geniessen. Der Luzerner Fotograf ist angespannt. Bald ist Mondaufgang. Dann wird sich in wenigen Sekunden entscheiden, ob das geplante Bild zu Stande kommt. Schmidli will das berühmte Bild des E.T.-Films nachstellen: Ein Velofahrer, der durch die Luft fliegt, während im Hintergrund gross der Vollmond leuchtet. «In meinem Kopf habe ich das Bild schon mehrfach geschossen», sagte Schmidli, als wir am vergangenen Dienstagabend mit dem Auto die schmale Strasse zur Bildlocation hochgefahren sind.

Bild: Philipp Schmidli
Bild: Philipp Schmidli
Bild: Philipp Schmidli
Bild: Philipp Schmidli
Das Originalbild aus dem Steven-Spielberg-Film « E.T. - Der Außerirdische». (Bild: Cinetext Bildarchiv)
5 Bilder

E.T. im Entlebuch

Schmidli hat diesen Frühling bereits mit einem Mondbild international für Aufsehen gesorgt. Es zeigte den Vollmond, und auf dem Grat davor einen Velofahrer. Viele hielten es für eine Manipulation, ein Photoshop-Produkt, weil der Mond im Vergleich zur Person davor so gross schien. Das Geheimnis: Schmidli stand rund 1,3 Kilometer entfernt und benutzte ein Teleobjektiv. Gleichzeitig gab er mittels Walkie-Talkie Anweisungen an das Model, einen Fotografenkollegen. Das Bild machte schnell im Internet die Runde, wurde unter anderem von der englischen Daily Mail und dem deutschen Stern-View-Magazin publiziert, aber auch im arabischen oder chinesischen Raum auf Online-Portalen gezeigt. Und weil rasch der Vergleich mit dem berühmten ET-Coverbild herbeigezogen wurde, nahm sich Schmidli vor, beim zweiten Versuch wirklich auf das Vorbild einzugehen.

Mit Plüschtier im Körbchen

Es ist kurz vor halb neun, der Himmel immer noch leicht bläulich. Auf dem weit entfernten Grat steht die Holzschanze, daneben die zwei Velofahrer Matthias von Rotz und Pascal Röthlin aus Obwalden. Die angefressenen Biker haben sich bei Schmidli gemeldet, nachdem sein erstes Mondbild in der Presse erschienen ist. Sie wollen unbedingt mithelfen, damit das E.T.-Bild gelingt. Statt eines Ausserirdischen haben sie im Körbchen ein Plüschtier platziert. Jetzt springen sie nacheinander über die Schanze, während unten im Tal der Fotograf die ersten Testbilder schiesst. Er hat zwar einigermassen berechnet, wo der Mond hinter dem Grat hervorkommen wird, genau weiss er es aber nicht. Keine leichte Aufgabe. Jeden Tag erscheint der Mond an einer anderen Stelle, stetig ist er am Wandern. Und Schmidli weiss: Dieses Mal ist es wegen der Rampe nicht möglich, die Protagonisten zu verschieben. Er wird sich selber dem Mond anpassen müssen. Was das heisst, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Vollmond beschäftig Schmidli, der auch regelmässig für unsere Zeitung im Einsatz ist, schon seit mehreren Monaten. Lange hat er geeignete Standorte gesucht, zuerst mit dem Computerprogramm daheim, danach vor Ort mit dem Auto. Im Januar hat er dann zum ersten Mal einen Versuch gewagt. «Ich konnte dabei wichtige Erfahrungen sammeln.» Später machte das Wetter mehrmals einen Strich durch die Rechnung. Ungeachtet dessen ist die richtige Vorbereitung das A und O. Die richtige Ausrüstung natürlich auch. Allein die Kamera und das Teleobjektiv mit 1600 Millimetern Brennweite, welches er für das Mondbild benötigt, haben einen Wert von rund 23 000 Franken.

Gerade noch geschafft

Was für ein Schock! Der Vollmond erscheint nicht dort, wo er von uns erwartet worden ist, sondern viel zu weit links. Es bleiben nur Minuten. Nun muss es blitzschnell gehen. Schmidli packt seine Ausrüstung und rennt los, 100 Meter über die Wiese. Jetzt geht’s darum, den Winkel auszugleichen, damit der Mond perfekt hinter der Rampe steht. Wir hetzen hin und her, rauf und runter, immer wieder der hektische Kontrollblick hoch. Noch ein Stück; fast; zurück; ja, jetzt. Schmidli gibt den Fahrern das Zeichen. Sie fahren los, über die Schanze und wieder hoch. Vier-, fünfmal hintereinander.

Dann ist es vorbei, der Mond steht am Himmel. Philipp Schmidli zappt durch die geschossenen Bilder. «Perfekt». Das Wunschbild ist im Kasten, die Erleichterung spürbar. Noch Minuten später, beim Aufräumen des Materials, fühlt er die Nachwirkungen des Adrenalinschubes in seinem Körper. Und jetzt? Was soll mit dem Bild passieren? «Ich weiss es selber noch nicht genau», so Schmidli. Das Projekt Mond aber, das ist für ihn jetzt abgeschlossen.

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