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FRANZISKANERPLATZ: Alter Friedhof kommt ans Licht

Die archäologischen Grabungen in der Kleinstadt fördern neben Überresten der alten Spital­kirche nun auch ein Gräberfeld zu Tage. Einige gefundene Schädel könnten über 500 Jahre alt sein.
Bei den Ausgrabungen kamen Schädel und Knochen zum Vorschein. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 14. August 2017))

Bei den Ausgrabungen kamen Schädel und Knochen zum Vorschein. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 14. August 2017))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Immer wieder stehen Touristen und Einheimische neugierig vor einer grossen, mit Zelten abgedeckten Baustelle auf dem nördlichen Franziskanerplatz, direkt hinter der Franziskanerkirche. Alte Fundamente und Mauer­reste sind hier freigelegt. Arbeiter säubern sie mit Kellen und Schaufeln. Es sind Archäologen mit einem Spezialauftrag.

Im Rahmen des Gesamtprojekts Sanierung Kleinstadt wird seit Frühling 2017 dieser Teil des Franziskanerplatzes etappenweise neu gestaltet. Die Kanalisation wird saniert, der Strassenbelag neu aufgebaut. Dafür muss der Boden 80 Zentimeter tief ab­getragen werden. Bevor dies ­geschieht, dokumentiert die Kantonsarchäologie nun Spuren der Vergangenheit.

«Selten, dass Mörtelböden so gut erhalten sind»

Die Archäologen sind schon fündig geworden. Entdeckt haben sie Reste der mittelalterlichen Spitalkirche (Ausgabe vom 17. März). Sie gehörte zum Heiliggeist-Spital, das sich im Bereich der heutigen Bahnhofstrasse 17 befand und an den Ritterschen Palast, das heutige Regierungsgebäude, angebaut war. Das Spital wurde 1656 abgerissen und an die heutige Obergrundstrasse 1 verlegt, wo sich heute Teile der Stadtverwaltung befinden.

Die Spitalkirche selber blieb länger stehen und wurde erst 1788 abgerissen – «der Bau scheint zunehmend baufällig ­geworden zu sein», erklärt ­Grabungsleiter Fabian Küng auf einem Gang durch die Ausgrabungsstätte. Die ursprüngliche Spitalkirche wurde im 13. oder 14. Jahrhundert gebaut. Aus dieser Zeit stammen die jetzt entdeckten ältesten Mauerfundamente. «Es ist selten, dass Mörtelböden aus dem Mittelalter so gut erhalten sind», sagt Küng. «Verputzfragmente mit Farbresten deuten zudem auf Wandmalereien hin. Was sie zeigten, lässt sich heute aber nicht mehr eruieren.» Gemäss noch erhaltenen Bauabrechnungen wurde die Spitalkirche später in zwei Etappen erneuert. 1580 wurde sie mit Ausnahme des erneuerten Chors abgerissen und erhielt ein neues, grösseres Kirchenschiff.

Die aktuelle Grabungsfläche reicht bis an die Franziskanerkirche. Hier wurden mehrere Mauerzüge freigelegt. Sie gehören zu verschiedenen Bauphasen der Klosterumfriedung des Franziskanerklosters (ab zirka 1270). «Der Bereich nördlich der Franziskanerkirche war zuerst Gartenareal der Franziskaner», erklärt Fabian Küng. Ab dem 16. Jahrhundert entstand hier ein Friedhof. «Der bestehende Friedhof südlich der Franziskanerkirche war vollständig belegt; die Obrigkeit verbat weitere Bestattungen dort, ausser in bestehenden Familiengräbern.»

Vielleicht werden Gebeine neu bestattet

Dass es hier einen Friedhof gab, hat man vermutet. Mit den jetzigen Grabungsarbeiten ist der ­Beweis dafür erbracht. Neben einzelnen Gräbern kamen auch zahlreiche Schädel und Langknochen zutage, die dicht gedrängt in eine Grube gelegt worden ­waren. Küng vermutet, «dass hier der Inhalt eines Beinhauses bestattet wurde». Wie alt die Gebeine sind, lässt sich nicht exakt sagen. «Einige von ihnen könnten aus dem Mittelalter stammen, also mehr als 500 Jahre alt sein.» Ob diese Schädel und Langknochen von der Kantonsarchäologie gesichert und eingelagert werden, ist noch nicht entschieden. «Falls wir dies nicht tun», so Küng, «werden wir sie auf einem Friedhof bestatten lassen.»

Die Neugestaltung des Franziskanerplatzes muss bis Mitte November abgeschlossen sein, weil er danach für den Weihnachtsmarkt benötigt wird. «Das heisst, dass wir mit den archäologischen Grabungen Mitte September fertig sein müssen», sagt Küng. Danach wird der Boden abgetragen. Nur die Bodenplatten des Chorbereichs der Kirche und die dortigen Mauerreste sollen unter der neuen Pflästerung des Franziskanerplatzes erhalten bleiben. «So bleibt dieses mittelalterliche Baudenkmal für zukünftige Generationen erhalten – wenn auch für Passanten unsichtbar», sagt Küng.

Hinweis

Die Bevölkerung ist eingeladen, die archäologische Ausgrabung am Franziskanerplatz zu be­sichtigen: Freitag, 18. August, 17–20 Uhr, und Samstag, 19. August, 9–16 Uhr.

Die Ausgrabungen finden beim Franziskanerplatz statt. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 11. August))

Die Ausgrabungen finden beim Franziskanerplatz statt. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 11. August))

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