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Frau vom Luzerner Kriminalgericht wegen Kindstötung verurteilt

Das Luzerner Kriminalgericht verhängt eine Freiheitsstrafe von knapp drei Jahren. Der Verteidiger legt Berufung ein.
Sandra Monika Ziegler
Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte eine Frau zu drei Jahren Freiheitsstrafe wegen Kindstötung. (Pius Amrein, Luzern, 6. November 2014)

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte eine Frau zu drei Jahren Freiheitsstrafe wegen Kindstötung. (Pius Amrein, Luzern, 6. November 2014)

Im Dezember 2015 gebar ein Frau in der Badewanne ein Kind. Sie nahm das Neugeborene in den Keller und wendete massive Gewalt an. Die Obduktion ergab, dass der Säugling nach der Geburt gelebt hatte und aufgrund der durch die Gewalttaten erlittenen Verletzungen verstarb. Nach der Tat wickelte die Frau das Kind in ein T-Shirt und versteckte es in einem grossen rosa Teddybären, den sie im Kellerabteil deponierte. Danach begab sie sich zurück in die Wohnung.

In der folgenden Nacht gebar sie den Zwillingsbruder – wieder allein, wieder in der Badewanne. Diesen Säugling legte sie in einem Wäschekorb ab. Das Institut für Rechtsmedizin Universität Zürich hält dazu fest: «Durch die erste Geburt kam es zu einer Trennung des mütterlichen Kreislaufes vom Kreislauf des zweiten, dies zog eine Sauerstoffunterversorgung und mithin den Tod des Zwilling nach sich. Er starb kurz vor seiner Entbindung.»

12 Monate sind unbedingt zu vollziehen

Nun liegt das Urteil des Luzerner Kriminalgerichts vor. Es verurteilt die Frau wegen Kindstötung und Kindstötung durch Unterlassung beim Zweitgeborenen. Das Strafmass setzt das Gericht auf 2 Jahre 10 Monate fest. Davon sind 12 Monate unbedingt zu vollziehen. Für die restlichen 22 Monate wird der Beschuldigten bei einer Probezeit von 2 Jahren der bedingte Vollzug gewährt. Die Verfahrenskosten belaufen sich auf knapp 70'000 Franken, die die Angeklagte dem Kriminalgericht bezahlen muss. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Für den Verteidiger ist das Strafmass zu hoch, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. Zuwenig sei die tragische Lebensgeschichte der Frau berücksichtigt worden. Es bestehe eine schwer verminderte Schuldfähigkeit. Er plädiert auf eine vollumfänglich bedingte Freiheitsstrafe. Dies ist jedoch nur möglich, wenn das Strafmass maximal 24 Monate beträgt. Der Verteidiger hat Berufung eingelegt.

Die Schwangerschaft verheimlicht

Die 20-jährige Serbin war bei den Geburten allein auf sich gestellt. Rat holte sie sich via Handy mit einem Video. Immer wieder schaute sie drauf und versuchte so, «alles richtig» zu machen, wie dem Urteil zu entnehmen ist. Obwohl sie zur Tatzeit mit ihren Eltern und ihrer Schwester in einer 3,5-Zimmer-Wohnung lebte, will niemand etwas von den Schwangerschaft und den Geburten mitbekommen haben. Dazu sagte die Beschuldigte, dass sie Angst vor der Reaktion der Eltern gehabt habe. Sie habe «sieben Monate gekämpft» und die zwei Kinder unbedingt haben wollen. Eine Abtreibung habe sie nicht gewollt, egal, was die Familie gesagt hätte. Ihr Wissen über Schwangerschaft und Geburt stamme aus dem Internet. Recherchiert habe sie mit dem Handy und nicht dem Computer, damit niemand es bemerkt.

Der Vater der Zwillinge, ein damals 22-jähriger Landsmann, wusste, dass sie schwanger war. Er begleitete sie auch zu einem Arztbesuch in ihrer Heimat, wollte aber keine Verantwortung übernehmen, sondern die Abtreibung. Als sie ihm sagte, sie hätte abgetrieben, schien er erleichtert, wie die Frau aussagt. Er brach jedoch den Kontakt zu ihr ab. Die junge Frau fühlte sich erneut allein und ohne Vertrauensperson.

Staatsanwalt: Aussagen sind widersprüchlich

Die Frau, die heute versuche, ein normales Leben zu führen, nimmt die Schuld auf sich und gibt zu Protokoll: «Hätte ich nur jemandem davon erzählen können, wäre vielleicht alles ganz anders abgelaufen». Gemäss Staatsanwaltschaft seien ihre Aussagen aber widersprüchlich. So sei die Erklärung, sie habe die Kinder unbedingt lebend zur Welt bringen und grossziehen wollen, eine reine Schutzbehauptung. Zudem sei eine Zwillingsschwangerschaft immer auch eine Risikoschwangerschaft, hält das Gericht fest. Die Unwissenheit der Beschuldigten lässt es nicht gelten. Dies auch, weil sich die Angeklagte wie erwähnt über das Internet und auch bei einem Arztbesuch informiert habe.

Zu ihren Gunsten sei jedoch anzunehmen, dass sie ab Einsetzen der Wehen am 10. Dezember 2015 spontan handelte und die Tat nicht vorher plante. Das forensisch-psychiatrische Gutachten attestiert der Frau keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit.

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