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FRAUENFÖRDERUNG: Uni Luzern immer noch ganz vorne

Fast jede vierte Professur an der Uni Luzern wird von einer Frau besetzt. Das ist Schweizer Rekord. Doch die anderen Unis holen immer mehr auf.
Robert Knobel
Monika Jakobs, Dekanin der Theologischen Fakultät, ist eine von 13 Professorinnen an der Uni Luzern.

Monika Jakobs, Dekanin der Theologischen Fakultät, ist eine von 13 Professorinnen an der Uni Luzern.

117 000 Franken: So viel Geld erhält die Universität Luzern dieses Jahr vom Bund, um die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern. Andere Schweizer Unis erhalten aus dem Topf des «Bundesprogramms Chancengleichheit» deutlich mehr – weil sie grösser sind. Aber sie haben das Geld auch viel dringender nötig, wie ein Blick auf die Statistik zeigt. Wenn es um die Chancengleichheit geht, steht die Uni Luzern nämlich klar an der Spitze. Seit Jahren weist sie den höchsten Frauenanteil unter den Professoren auf. 22,9 Prozent der 48 Professuren waren im letzten Jahr von Frauen besetzt – das Schlusslicht, die ETH Lausanne, bringt es auf gerade mal 6,9 Prozent (siehe Grafik).

Luzern hat keine «Männer-Fächer»

Wie sind diese Zahlen zu erklären? Ein zentraler Punkt ist wohl das Fächerangebot – in Luzern werden typisch männliche Studienrichtungen wie Naturwissenschaften oder Wirtschaft gar nicht angeboten. Die Uni Luzern hat hier einen klaren Strukturvorteil gegenüber der ETH oder der Universität St. Gallen. Ein Vorteil sei zudem, dass die Uni noch sehr jung sei, sagt Alessandro Lazzari, stellvertretender Leiter der Fachstelle für Chancengleichheit an der Uni Luzern. «Wenn man keine jahrhundertealten Strukturen hat, lassen sich viele Dinge leichter umsetzen.»

Nur wenige Frauen bewerben sich

Lazzari betont aber auch, dass die Uni Luzern viel für die Frauenförderung tue: «Wir sind eine der ersten Universitäten, in denen die Berufungsverfahren für Professoren unter dem Gesichtspunkt der Chancengleichheit von einer speziellen Kommission begleitet werden.» Die Herausforderung für diese Kommission beginnt oft schon bei den Bewerbungsdossiers. «Nur etwa 25 bis 30 Prozent der Bewerbungen kommen von Frauen», sagt Alessandro Lazzari. Dies ist erstaunlich, sind doch die Frauen bei den Studierenden an den meisten Schweizer Unis deutlich in der Mehrheit (in Luzern beträgt der Studentinnen-Anteil beispielsweise rund 58 Prozent). Dass dennoch nicht mehr Frauen den Schritt zur Professur schaffen, habe auch damit zu tun, dass deutlich weniger Frauen doktorieren, sagt Lazzari.

Dass die Uni Luzern bei der Frauenquote seit Jahren an der Spitze liegt, ist zwar erfreulich – es bleibt aber festzuhalten, dass die jetzige Quote weit von der Rekordmarke von 2007 entfernt ist. Damals lag der Anteil der Professorinnen bei 33,3 Prozent. Dies war damals einsame Spitze – die zweitplatzierte Uni Neuenburg hatte lediglich knapp 20 Prozent. Inzwischen ist Neuenburg mit 20,8 Prozent Luzern dicht auf den Fersen. Alessandro Lazzari erklärt diese starken Schwankungen mit der geringen Grösse der Uni Luzern: «Eine oder zwei Veränderungen wirken sich sofort auf die Statistik aus.» Tatsächlich ist der Frauenanteil aktuell bereits wieder höher als zum Zeitpunkt der Vergleichsstatistik Mitte 2012. Per Ende Dezember 2012 zählte die Uni Luzern nämlich genau 36 Professoren und 13 Professorinnen – ein Anteil von 26,5 Prozent.

«Die Frau gibt meistens nach»

Monika Jakobs, Dekanin der Theologischen Fakultät, ist eine der 13 Professorinnen an der Uni Luzern. Auch sie findet, dass das junge Alter der Uni für die Chancengleichheit ein Vorteil sei. «Man hat weniger traditionelle Vorurteile.» Wichtig sei, dass man Frauen dazu ermutige, ihre Qualitäten nicht zu verstecken. «Männliche Wissenschaftler trauen sich meist mehr zu als weibliche», sagt Jakobs. Das zeige sich bereits bei den Bewerbungen: Viele Männer würden sich auch dann bewerben, wenn sie nicht alle der geforderten Kriterien erfüllen. Frauen seien diesbezüglich viel zurückhaltender. Auch die viel zitierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei sehr oft eine Hemmschwelle für universitäre Karrieren. «Wenn beide Partner wissenschaftlich tätig sind, ist es unwahrscheinlich, dass beide am selben Ort arbeiten. Einer muss dann nachgeben – meistens eben die Frau», sagt Monika Jakobs.

Der Bund hat zum mittelfristigen Ziel gesetzt, dass an den Schweizer Universitäten eine durchschnittliche Frauenquote von 25 Prozent bei Professuren und 40 Prozent bei Assistenzprofessuren erreicht werden soll. Im Schnitt werden die Assistenzstellen zurzeit zu knapp 29 Prozent von Frauen besetzt – an der Uni Luzern sind es 28,6 Prozent. Etwas höhere Zahlen weist die Hochschule Luzern aus – 30 Prozent der Dozierenden sind Frauen. Allerdings sind dort sämtliche Lehraufträge, nicht nur Professuren, eingerechnet.

Bund subventioniert letztmals

Der Bund unterstützt Frauenförderungsprojekte an Schweizer Hochschulen seit 2000. Kürzlich wurde eine neue und vorläufig letzte Tranche von 9,8 Millionen Franken für die Jahre 2013–2016 gesprochen. Luzern erhält davon wie eingangs erwähnt 117 000 Franken fürs erste Jahr, danach sinkt der Betrag jährlich. Ziel ist keine permanente Unterstützung, vielmehr sind die Beiträge als Anschub gedacht, der seine Wirkung allmählich entfalten soll. In Luzern werden mit dem Geld diverse Fördermassnahmen realisiert, darunter auch Projekte für die Vereinbarkeit von Studium/Karriere und Familie.

Seit der Lancierung des Bundesprogramms ist der Frauenanteil an Schweizer Universitäten massiv gestiegen. So waren im Jahr 1998 erst 7 Prozent aller Professuren von Frauen besetzt. Ob die Bundesgelder dafür verantwortlich sind oder eher der allgemeine gesellschaftliche Wandel, bleibt offen. Für Alessandro Lazzari sind Gleichstellungsprojekte jedenfalls unverzichtbarer Bestandteil der universitätsinternen Politik. «Mit der Zeit sollte die Förderung der Chancengleichheit so normal sein, dass sie einfach zur Unternehmenskultur dazu gehört.»

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