FRAUENHAUS: Unterschlupf für Gewaltopfer seit 30 Jahren

Das Luzerner Frauenhaus feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Seit der Gründung bot es über 5000 gewaltbetroffenen Frauen und Kindern Unterschlupf, Schutz und Unterstützung. Jährlich suchen rund 80 Frauen Zuflucht. Die Zahl blieb in den letzten Jahren stabil.

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Das Frauenhaus bietet gewaltbetroffenen Frauen Zuflucht. (Bild: Archiv Neue LZ)

Das Frauenhaus bietet gewaltbetroffenen Frauen Zuflucht. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Tatsache, dass Frauenhäuser nötig seien, biete wenig Grund zur Freude, trotzdem sei das 30-Jahr-Jubiläum ein Anlass zum Feiern, heisst es in einer Mitteilung des Luzerner Frauenhauses vom Donnerstag. Erfreulich sei, dass die Institution heute selbstverständlich und die Notwendigkeit unbestritten sei.

Das Frauenhaus Luzern hat Platz für sieben Frauen mit oder ohne Kinder. Es steht physisch und psychisch misshandelten oder von Angehörigen stark kontrollierten Frauen ab 18 Jahren und deren Kindern offen.

Das Frauenhaus dient den Betroffenen als Zwischenstation, um zur Ruhe zu kommen und die nächsten Schritte zu planen. Betreut werden sie von Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagoginnen, Psychologinnen und Ärztinnen. Aus Sicherheitsgründen macht das Frauenhaus seine Adresse nicht publik.

Zu wenig Platz: 86 Frauen wurden weitergewiesen

Im vergangenen Jahr suchten 83 Frauen und 86 Kinder Schutz im Frauenhaus. 86 Frauen wurden wegen Überbesetzung an andere Frauenhäuser weitergewiesen.

Die Zufluchtsuchenden stammten aus Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Zug, dem Aargau, dem Baselbiet, Bern, Solothurn und Zürich. Im Schnitt blieben sie rund einen Monat im Haus.

Ein Drittel der Frauen ging nach dem Aufenthalt im Frauenhaus zurück zum Freund oder Ehemann, andere zogen selbständig an einen neuen Ort, gingen alleine nach Hause oder in eine andere Institution.

Am Anfang stand ein Mann

Am Anfang des Luzerner Frauenhauses stand ein Mann. 1978 forderte der damalige Kantonsparlamentarier Peter Mattmann (Progressive Organisation der Schweiz POCH) in einem Postulat Massnahmen zum Schutz von Frauen und Kindern vor innerfamiliärer Gewalt.

Mattmann berief sich auf die neue Frauenbewegung. Sie hatte die Gewalt gegen Frauen und Kinder in den 1970er Jahren öffentlich gemacht.

1983 wurde in Luzern der Verein zum Schutz misshandelter Frauen gegründet. Im Vorstand waren 25 Frauen verschiedenster politische Couleur vertreten. Ein Jahr später wurde das Frauenhaus offiziell eröffnet. Es ist mittlerweile eines von schweizweit 18 solchen Institutionen.

Frau bei Gartenfest erschossen

Das Luzerner Frauenhaus selber wurde von Gewalt nicht verschont. Im Juli 1994 erschoss ein 36-jähriger Italiener mit einer Schrotflinte seine 22-jährige Frau, die an einem Gartenfest des Frauenhauses teilnahm.

Vier weitere Frauen verletzte der Täter schwer. Danach richtete er sich selbst. Der Zwischenfall führte zur vorübergehenden Schliessung des Hauses und zu finanziellen Engpässen.

Finanziert wird das Frauenhaus zu einem Drittel durch Subventionen der Zentralschweizer Kantone und mehrere Gemeinden, zu einem Viertel über Kostgelder sowie mittels Spenden.

Stelle für Aufklärungsarbeit

Neben der Beratung und Begleitung misshandelter Frauen im Frauenhaus kümmert sich ein zweiter Betrieb unter dem Namen Bildungsstelle Häusliche Gewalt Luzern um Präventions- und Aufklärungsarbeit. Sie schult Personal unter anderem im Gesundheitsbereich, in Schulen und bei der Polizei.

Nach der Gründung mehrerer Frauenhäuser wurden auch auf gesetzlicher Ebene Massnahmen zugunsten von Opfern von häuslicher Gewalt getroffen. Seit 1993 existiert in der Schweiz ein Opferhilfegesetz. Es dient als Grundlage für das finanzielle und praktische Engagement des Staats für Opfer von häuslicher Gewalt.

Zudem werden seit 2004 in der Schweiz Gewalthandlungen in Ehe und Partnerschaft von Amtes wegen auch ohne Antrag der Gewaltbetroffenen als Delikt verfolgt und sanktioniert. (sda)