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FREIENHOF: Luzerner beharrten auf freien Blick zur Kirche

Die Wiese zwischen Jesuitenkirche und Luzerner Theater weckt Begehrlichkeiten. Früher war dort ein umstrittener Sekretär in spanischen Diensten zu Hause.
Der Freienhof versperrte den Blick auf die Jesuitenkirche- Ostfassade. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Der Freienhof versperrte den Blick auf die Jesuitenkirche- Ostfassade. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Nach dem Abriss geriet diese zur Sensation. (Bild: Dominik Wunderli)

Nach dem Abriss geriet diese zur Sensation. (Bild: Dominik Wunderli)

Mal hat ein Anwalt die Idee, die Grünfläche für eine Kombination aus Stadttheater und Salle Modulable zu nutzen. Mal möchte ein anderer Anwalt eine Miniatur-Ausgabe der Musikhalle auf der Wiese platzieren, und mal widmet ein Student seine Masterarbeit der Planung einer Salle Modulable auf dem Terrain des Luzerner Theaters und dessen benachbarten Grünfläche. Es scheint, als haben sich die Luzerner noch immer nicht recht an die freie Fläche zwischen der Kirche und dem Theater gewöhnt. Es gibt sie auch erst seit 65 Jahren – was aus städtebaulich-historischer Sicht einem Klacks gleichkommt.

Kirchenfassade faszinierte Luzerner

Bis 1949 stand dort der Freienhof. Eine früher einmal noble Stadtvilla, an der aber so viel um- und angebaut wurde, bis sie schliesslich zu einem Lotterkomplex verkam, und die Luzerner Kantonsregierung beschloss, den Häusermischmasch abzureissen und dort die Zentralbibliothek zu bauen.

Doch die Regierung hatte die Rechnung ohne die ästhetische Befindlichkeit der Stadteinwohner gemacht. Alt-Grossrat Roman Bussmann erinnert in seinem Beitrag zum aktuellen Bibliotheksknatsch daran, was nach den Abrissarbeiten geschah: «Die Entdeckung der nun frei stehenden Kirchen-Ostfassade löste eine eigentliche Volksbewegung aus.» Unterschriftensammlungen, Vorstösse in Parlamenten, Resolution und Zeitungskampagnen brachten schliesslich den liberalen Stadtpräsidenten Max Sigmund Wey und den konservativen Regierungsrat Vinzenz Winiker dazu, nach einem Weg zu suchen, der Anblick der Ostfassade frei zu halten. Besprochen wurde die delikate Angelegenheiten auf parteipolitisch neutralem Terrain in Bern, denn beide waren Nationalräte. Ergebnis: Stadt und Kanton tauschten Grundstücke, und die Zentralbibliothek kam auf dem Sempacherplatz zu stehen. Das Freienhof-Gelände geriet zu einer grünen Wiese.

Die Geschichte des Freienhofs reicht ins 15. Jahrhundert zurück. Ein Zeit lang lebte dort der spanische Gesandtschaftssekretär und Habsburger-Freund Franz Guillimann, der gemäss dem Historiker Theodor von Liebenau die Tell-Sage in Zweifel zog – und sich damit keine Freunde machte. Die Gebäudeanlage wechselte mehrmals unter Luzerner Patrizierfamilien den Besitzer.

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