Freispruch im Tötungsdelikt von Root

Das Luzerner Obergericht hat einen Bauherren freigesprochen, der in Root im September 2007 einen Gipsermeister erstochen hatte. Das Kriminalgericht Luzern hatte den Täter wegen eventualvorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen.

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Bei diesem Haus in Root kam es im September 2007 zum Streit. (Bild: Archiv Neue LZ)

Bei diesem Haus in Root kam es im September 2007 zum Streit. (Bild: Archiv Neue LZ)

In dem am Mittwoch publizierten Urteil kommt das Obergericht zum Schluss, dass der heute 41-jährige Bauherr nicht in so genanntem Notwehrexzess gehandelt habe. Damit wird die von der Vorinstanz gesprochene Freiheitsstrafe von vier Jahren aufgehoben. Das Urteil des Obergerichts ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Anders als das Kriminalgericht im November 2010 kam das Obergericht zum Schluss, dass der Angeklagte bei der Auseinandersetzung mit dem 39-jährigen Gipsermeister die Grenzen der Notwehr nicht überschritten habe. Vor dem tödlichen Messerstich habe er versucht, den Gegner durch schonenderen Einsatz des Messers von sich abzubringen.

Täter fürchtete um sein Leben

Der tödliche Streit ereignete sich am 25. September 2007 in Root, wo der Angeklagte, ein Krankenpfleger, ein Einfamilienhaus erbauen liess. Weil er an den Arbeiten zweier Gipser etwas auszusetzen hatte, verlangte er nach deren Chef. Als dieser erschien, kam es zu einem verbalen, dann zu einem handgreiflichen Streit.

Die Kontrahenten stritten vorerst im Untergeschoss. Der Angeklagte flüchtete dann nach draussen, wurde aber eingeholt und erneut angegriffen. Nach eigenen Angaben fürchtete der Bauherr um sein Leben. Bei der Auseinandersetzung sei ihm das Messer aus der Tasche gefallen. Worauf er begonnen habe, «blind mit dem Messer» um sich zu schlagen.

Laut Obergericht war der Angeklagte berechtigt, den Angriff mit dem Messer abzuwehren. Es wertet dies als Warnungshandlung. Die Rechtsprechung setzt eine solche Warnung oder Drohung voraus, um bei einer Überschreitung der Notwehr von einer Schuld abzusehen.

Kein Tötungsvorsatz

Der tödliche Stich ins Herz des Opfers erfolgte dann in einer dem Angeklagten vom Gegner aufgezwungenen, gebückten Haltung. Er sei daher nicht zielgerichtet gewesen, weshalb auch kein direkter Tötungsvorsatz gegeben war, heisst es im Urteil. Im Übrigen liessen sich die massiven Angriffe des Gipsermeisters nicht rechtfertigen.

Mit dem Freispruch hat das Obergericht die in der Appellation erhobene Forderung des Verteidigers des Angeklagten erfüllt. Die Staatsanwaltschaft dagegen ist abgeblitzt. Sie verlangte zusätzlich eine Verurteilung wegen falscher Anschuldigung gegenüber den beiden Gipsern sowie eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf fünf Jahre.

Abgewiesen wurden ferner die Zivilforderungen der Witwe des Opfers. Diese hatte sechs Jahre Gefängnis sowie eine Genugtuung für sie und ihre beiden Kinder in der Höhe von 105'000 Franken verlangt.

sda