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FREIWILLIGENARBEIT: Eine neue Stiftung will benachteiligten Familien helfen

Seit wenigen Monaten gibt es die Stiftung «Fokus Familie», die benachteiligte Familien unterstützen soll. Die Gründer haben in ihrer Kindheit teils selbst erlebt, wie es ist, wenn das Geld fehlt.
Natalie Ehrenzweig
Aaron Petermann (links) und Christian Bernet im Büro ihrer neuen Stiftung «Fokus Familie». (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 2. Februar 2018))

Aaron Petermann (links) und Christian Bernet im Büro ihrer neuen Stiftung «Fokus Familie». (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 2. Februar 2018))

An einem schönen Abend im letzten Sommer diskutieren Christian Bernet (30) und sein Kollege Aaron Petermann (24) darüber, wie gut sie es doch haben – und beschliessen deshalb, dass sie anderen helfen wollen. Namentlich Familien, die das Leben weniger begünstigt hat. Kennen gelernt haben sich die beiden beruflich, Petermann ist IT-Fachmann und Bernet Versicherungsexperte. Kurz nach ihrem Entschluss holen sie noch jemand Drittes an Bord: Mit Thomas Huber überzeugen die beiden einen Anwalt von ihrer Idee – und gründen im November schliesslich die Stiftung «Fokus Familie».

Die Organisationsform der Stiftung haben die drei bewusst gewählt: «Die Stiftung ist unser Baby, unser Lebensprojekt. Uns war es deshalb sehr wichtig, eine seriöse Form mit Auflagen und Kontrollmöglichkeiten zu wählen, und nicht einen Verein, der viel schneller aufgelöst ist», betont Aaron Petermann, der nun Stiftungsrat ist. So wollen die drei Männer Vertrauen für ihr Projekt schaffen, mit dem sie viel vorhaben. Das Ziel der Stiftung, benachteiligte Familien zu unterstützen, wollen sie nämlich nicht in erster Linie mit finanzieller Hilfe erreichen: «Wir möchten die Familien vernetzen. Es gibt viele Stiftungen, die Betroffenen finanziell unter die Arme greifen. Wir wollen unseren Schwerpunkt stattdessen auf Aktivitäten legen», sagt Stiftungsratspräsident Christian Bernet. Es soll Einzelprojekte, Freizeitaktivitäten und Programme geben. Das Motto: «Nicht den Fisch geben, sondern das Fischen lehren.» Der erste Kurs – Familienkochen – soll diesen Sommer starten. «Dabei lernen Familien, wie sie gesund und günstig kochen können, und knüpfen neue Kontakte mit anderen Familien», so Petermann. Das Ziel ist, dass die Angebote für die Familien immer kostenlos sind.

In Familie aufgewachsen, «die knapp bei Kasse» war

Doch was treibt sie dazu, sich in ihrer Freizeit zu engagieren? Ehrenamtlichkeit sei ihnen generell sehr wichtig, so die Antwort der drei Männer, die sich schon vor dieser Stiftung sozial engagiert hätten. «Ich war zum Beispiel bei der Feuerwehr und in verschiedenen Vereinen», sagt Christian Bernet. «Ausserdem weiss ich selber, wie es ist, in einer Familie aufzuwachsen, die knapp bei Kasse ist. Als mein Vater starb, war ich erst drei Jahre alt. Meine Mutter musste daraufhin wahnsinnig viel Energie in unsere Familie stecken. So war es für sie schwierig, soziale Kontakte zu halten», erinnert er sich. Für die Stiftung arbeiten die drei im Moment ungefähr einen halben bis einen ganzen Tag pro Woche.

Neben vielen Gesprächen mit Institutionen und Organisationen sind die drei Gründer daran, eine «Werkstatt» aufzubauen. Christian Bernet erklärt: «Als wir im Dezember unsere Broschüre verschickten, bekamen wir viele Rückmeldungen von Leuten, die zwar kein Geld haben, dafür aber Zeit und Lust, uns anderweitig zu unterstützen. So entstand die Idee von einer Werkstatt, in der sich Leute, die zum Beispiel eine Freizeitaktivität organisieren wollen, treffen und austauschen können.» Denn es gebe viele Leute, die helfen wollten, aber oft nicht wüssten, wie. «Wir bieten dann sozusagen die Strukturen und allenfalls auch die Finanzen, während Enthusiasten die Events organisieren und durchführen.» Zurzeit seien sie noch auf der Suche nach einer geeigneten Lokalität in der Stadt Luzern.

Eigenes Vermögen und Spenden

Finanzieren tut sich die Stiftung in erster Linie durch das eingebrachte Stiftungsvermögen der Gründer sowie durch Spenden. «Uns werden zudem viele Türen geöffnet. Alle, mit denen wir reden, sind sehr interessiert an unserer Arbeit», freut sich Petermann. So soll auch eine rege Zusammenarbeit mit anderen Organisationen angestrebt werden.

Doch wer gilt überhaupt als benachteiligt? «Fokus Familie», erklärt Petermann, stütze sich auf die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, wenn es um die Definition von «benachteiligt» geht. «Doch bei kleineren Projekten führen wir einfach ein Gespräch mit Interessierten», ergänzt er. Gerade Familien, deren Einkommen leicht über der Grenze liege, unter welcher Sozialhilfe bezogen werden könne, könnten von Programmen wie dem Familienkochen ebenfalls profitieren.

Obwohl die Stiftung noch nicht Position zu familienpolitischen Themen beziehen will, haben die Stiftungsräte in diesem Bereich eine ähnliche Meinung. «Wir finden es wichtig, dass man in einer Familie füreinander da ist und sich füreinander interessiert – und deshalb auch mal das Handy während des Essens weglegt», sagt Bernet. Den dreien liege es deshalb am Herzen, betroffenen Familien auf den Weg geben zu können, dass gemeinsame Erlebnisse nicht viel kosten müssen.

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Mehr Informationen gibt es unter: www.fokusfamilie.ch

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