Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FREIZEIT: Biker werden in Luzern mehr toleriert als umworben

Immer wieder gibt es Konflikte zwischen Velo­fahrern und Wanderern. In Kriens wird das Thema nun erneut zum Politikum.
Für manche Wanderer gelten Mountainbiker als Ärgernis. Doch für den Tourismus sind sie auch ein Wirtschaftsfaktor. (Bild: Getty)

Für manche Wanderer gelten Mountainbiker als Ärgernis. Doch für den Tourismus sind sie auch ein Wirtschaftsfaktor. (Bild: Getty)

Wer sich vom stressigen Alltag erholen will, flüchtet am Wochenende oftmals in die Natur. Doch gerade in den Bergen können sich die Gemüter auch mal erhitzen. So schimpfen etwa Wanderer gerne über Mountainbiker. Diese seien zu schnell, zu gefährlich und verhielten sich rücksichtslos. Biker wiederum klagen, dass Wanderer sie unnötig oder gar absichtlich an ihrer Fahrt behinderten. Das ewige Pingpong ist auch den Bergbahnen bestens bekannt – und wird besonders im Herbst wieder aktuell, wenn nach der heissen Jahreszeit mehr Velofahrer ihren Weg in die Berge finden.

Den Bikern wird zudem angelastet, den Lebensraum von Wildtieren zu bedrohen sowie Wanderwege zu beschädigen. Aus diesen Gründen ist der Breitensport unterdessen längst zu einem Politikum geworden. Aktuelles Beispiel ist die kürzlich eingereichte Interpellation des Krienser SVP-Einwohnerrats Alfons Graf: «Wildes Biken auf dem Sonnenberg?» (Ausgabe vom Montag). In seiner Anfrage will er unter anderem wissen, ob der Gemeinderat einen von der Firma Stöckli ausgeschilderten Bike-Parcours bewilligt habe und ob dabei andere Nutzungsgruppen wie etwa die Jagdgesellschaft angehört worden seien.

Anlass nimmt tragisches Ende

Ein Gesuch für einen Bike-Parcours ist beim neu zusammengelegten Krienser Bau- und Umweltdepartement nicht eingegangen, wie dessen Leiter Matthias Senn auf Anfrage sagt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob überhaupt eines notwendig war. Biker-Anlagen müssen zwar bewilligt werden – diesen Bike-Parcours schilderte die Firma Stöckli aber nur temporär für ihren zweitägigen Firmenevent Mitte August aus. «Wir haben lediglich eine bestehende Bike-Strecke genutzt», sagt dazu David Kistler von der Firma Stöckli. Mitarbeiter der Firma hätten dabei einige Mountainbikes im Wald ausprobiert. Für einen der Mitarbeiter nahm der Firmenanlass allerdings ein tragisches Ende. Der Mann stürzte im Gebiet der Wolfsschlucht in die Tiefe und konnte von der Rega nur noch tot geborgen werden (Ausgabe vom 20. August). Der Anlass wurde daraufhin abgebrochen. Unter dem Sicherheitsaspekt ist die Frage nach einer Bewilligung also nicht unberechtigt. Das Krienser Bau- und Umwelt­departement prüft nun, ob und wie der Kanton sowie die Gemeinde für den Bike-Parcours im Wald hätten einbezogen werden müssen. Obwohl es auf dem Sonnenberg keinen offiziellen Bike-Pfad gibt, ist die Sportart freilich nicht verboten: Der Berg wird rege befahren. Ab und zu sei dies ein Problem, sagt der Wagenführer der Sonnenberg-Bahn, Paul Braun. So würden Mountainbiker häufig auch auf dem engen Weg in der Nähe der Bergstation – und somit in der Nähe von Fussgängern – «unvernünftig den Berg hinabrasen». Dennoch würde Kathrin Graber, die Präsidentin des Vereins Pro Sonnenberg, nicht von einem grundsätzlichen Problem mit Bikern sprechen. «Uns ist kein Konflikt bekannt», sagt sie. Gleichwohl werden Biker auf der Homepage der Sonnenberg-Bahn Kriens zu rücksichtsvollem Verhalten ermahnt.

Rigi will nur Wanderer anlocken

Trotz Sonnenberg, Rigi und Pilatus: Ein Anziehungspunkt für Biker ist die Region nicht. Die Bergbahnen konzentrieren sich traditionell auf Wanderer oder Touristen. «Wir promoten die Rigi nicht proaktiv als Bike-Paradies», sagt Roger Joss, Marketingleiter der Rigi-Bahnen. Der Berg sei aber weitläufig, weshalb Wanderer und Biker gut aneinander vorbeikämen. Die Bahnen auf die Rigi und den Pilatus verzichten denn auch völlig auf den Transport von Fahrrädern, während die Sonnenberg-Bahn Bikes immerhin dann mitnimmt, «wenn genügend Platz ist».

Andere Tourismusgebiete dagegen haben Biker als zusätzliche Einnahmequelle im Sommer entdeckt. Auf dem Zugerberg etwa bringt ein neuer Bike-Trail der dortigen Bergbahn zusätzliche Einnahmen. Auch Engelberg setzt auf Mountainbiker und will das Angebot weiter ausbauen. Marco Zemp, Sprecher von Engelberg-Titlis Tourismus, sagt: «Wir wollen das Potenzial in der Zentralschweiz nutzen.»

Schwenktore für Biker und Bauern

Investition.Nicht nur Wanderer, sondern auch Bauern haben manchmal ihre liebe Mühe mit Bikern. Grund dafür sind offen gelassene Zauntore bei Kuhweiden. Während die Tore für Wanderer kein Hindernis darstellen, sind sie für Biker eher mühsam: Dann heisst es anhalten, absteigen, mit dem Velo durchs Tor gehen und es auch wieder schliessen. Offenbar lassen einige aber den letzten Schritt häufig aus und schwingen sich lieber gleich wieder aufs Velo.

An einigen Orten in der Schweiz hat man dieses Problem nun am Schopf gepackt: Wie der «Bund» berichtete, wurden etwa im Berner Oberland gewöhnliche Tore durch schwenkbare ersetzt. Ein solches Tor kann von Velofahrern angestossen werden, schliesst sich daraufhin aber von alleine. Kostenpunkt: zwischen 450 und 500 Franken.

Auf der Rigi und dem Pilatus sind solche Investitionen nicht vorgesehen, da Biker nicht zur Hauptzielgruppe gehören. Anders ist die Situation in Engelberg: «In Zukunft wird das sicher ein Thema», sagt Marco Zemp, Sprecher von Engelberg-Titlis Tourismus. Dort setzt man vermehrt auf Biker – als weiteres Standbein im Sommergeschäft.

Gabriela Jordan

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.