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FREIZEIT: Unterschätztes Risiko: Häufig endet der Schlittelspass im Spital

Schlitteln ist so einfach wie gefährlich: Nicht weniger als 7000 Unfälle ereignen sich jedes Jahr auf den entsprechenden Strecken. Ein Wintersportort aus der Region plant nun einen «Crashkurs».
Roger Rüegger
Riesenspass mit Risiko: Schlittler auf der Melchsee-Frutt. (Bild: Philipp Schmidli (Kerns, 20. Januar 2018))

Riesenspass mit Risiko: Schlittler auf der Melchsee-Frutt. (Bild: Philipp Schmidli (Kerns, 20. Januar 2018))

Der Spassfaktor beim Schlitteln ist riesig. Kein Wunder also, erfreut sich das Schlitteln grosser Beliebtheit: Rund 20 Gebiete locken in der Zentralschweiz mit Schlittelbahnen. «Unser Publikum setzt sich zu einem grossen Teil aus Familien zusammen. Sehr oft wird eine Schlittelfahrt auch von Wintersportlern als Schlechtwetterangebot genutzt», sagt Silvio Schmid, CEO der Andermatt-Sedrun Sport AG.

Helme setzten sich beim Schlitteln noch nicht durch

Bei aller Freude und Unbeschwertheit beim Schlitteln – ungefährlich ist die Sache nicht, wie Nicolas Kessler, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfall­verhütung (BfU), betont: «Es ist nicht ein Spiel, sondern eine typische Sportart für alle. Jeder kann Schlitten fahren. Doch so einfach ist es nicht. Man erreicht relativ hohe Geschwindigkeiten und wird schnell zu schnell.» Nicht selten werde das fahrerische Können überschätzt. Die Schlittenfahrer seien dann überrascht, dass sie ihr Gerät nicht mehr unter Kontrolle haben.

So ereignen sich in der Schweiz rund 7000 Schlittelunfälle. Die meisten durch Stürze und Zusammenstösse mit Steinen, Bäumen, Personen oder Fahrzeugen. Insbesondere Kinder bis zirka acht Jahre würden Gefahren erst erkennen, wenn es für eine Reaktion zu spät sei. Schädel- und Hirnverletzungen, Knochenbrüche oder andere Verletzungen an Beinen, Füssen und Rumpf seien bei Schlittelunfällen häufig.

Die Wahl der Piste ist mitentscheidend für eine gelungene Schlittenfahrt. Kessler: «Ungeübte sollten keine steilen und langen Pisten befahren. Längere Fahrten sind anspruchsvoll und werden es umso mehr, wenn die Kräfte nachlassen.» Wer seine Fähigkeiten testen will, kann zum Beispiel auf der Fräkmüntegg am Pilatus eine leichte grüne Piste von 200 Metern Länge beim Stehlift nutzen. Auch die blaue Piste von der Fräkmüntegg zur Krienseregg gilt als leichte Passage. Die beiden Strecken sind derzeit allerdings wegen Schneemangels zu.

Anders sieht es auf der Melchsee-Frutt aus: Gestern gönnten sich hier bei Topbedingungen viele Besucher einen ­ausgiebigen Schlittelspass. Der Schlittelweg zur Stöckalp ist mit acht Kilometern der längste der Zentralschweiz und entsprechend anspruchsvoll. Daniel Dommann, Geschäftsführer der Sportbahnen Melchsee-Frutt: «Die Unterschiede sind zum Teil enorm. Wir haben ambitionierte Schlittler, die ihren Rennschlitten mitbringen, wie auch Familien oder Gruppen, die den Plausch am Schlitteln haben.»

Ähnlich unterschiedlich seien die Ausrüstungen: Von Touristen mit Jeans und Halbschuhen bis zu Wintersportlern mit Spikes-Schuhen und Rennhelmen gebe es alles. «Nicht viele Leute sind vertraut mit den Techniken des Lenkens und Bremsens eines Schlittens, daher gibt es auch mal Schürfungen und Prellungen bei Stürzen. Um das Unfallrisiko zu reduzieren, planen wir, zusammen mit Skischulen Crashkurse fürs Schlitteln anzubieten», erklärt Dommann.

Auch auf dem Pilatus müssen Gäste mitunter instruiert werden. To­bias Thut, Leiter Marketing und Verkauf der Pilatus-Bahnen AG: «Wenn etwa Leute aus Übersee, die noch nie Schnee gesehen haben, mit Turnschuhen Schlitten mieten wollen, raten wir ihnen, mit der Bahn ins Tal zu fahren.»

Männer zwischen 30 und 49 Jahren verunfallen häufig

Neben gutem Schuhwerk und passender Kleidung sollte man beim Schlitteln auch einen Helm tragen. Doch da besteht Nachholbedarf: Denn so richtig durchgesetzt haben sich die Helme beim Schlitteln noch nicht. Gemäss Zahlen der BfU sind Kinder von sieben bis zwölf Jahren die vorbildlichsten. Fast 80 Prozent dieser Altersklasse ist mit Helmen unterwegs. Weniger klug sind diesbezüglich Erwachsene zwischen 26 und 45 Jahre: Von ihnen tragen weniger als 40 Prozent ­einen Helm. Bei den noch älteren ist sogar nur jeder Vierte ein Helmträger.

Nimmt man die Unfallstatistik der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), sollten sich aber gerade reifere Personen besonders gut schützen. Die Versicherung verzeichnet jährlich rund 3000 bis 4000 Schlittelunfälle. Männer zwischen 30 und 49 verunfallen am häufigsten. Die Zahlen wurden nicht auf der gleichen Grundlage erhoben wie jene der BfU. Suva-Mediensprecherin Barbara Senn betont: «Die Angaben gelten nur für das Kollektiv der obligatorisch nach Unfallversicherungsgesetz versicherten Arbeitnehmer in der Schweiz und der Arbeitslosen.»

Viele beim Schlitteln geholte Blessuren sind relativ harmlos. Rund ein Drittel der Unfälle führt jedoch zu schweren Verletzungen. In den letzten zehn Jahren verunfallten in der Schweiz neun Personen beim Schlitteln tödlich. So auch eine 64-jährige Frau, die vor einigen Tagen vom offiziellen Schlittelweg abkam und über eine Felswand stürzte (wir berichteten).

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


Hinweis:
Schlitteln I: Die Verhaltensregeln

Schlitteln II: Sicher in Fahrt

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