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FREIZEITSPORT: Neudorf: Situation um Biker ist verfahren

In den Wäldern rund um Neudorf gibt es immer wieder Konflikte zwischen Bikern und Waldbesitzern. Der Kanton sucht nun nach einer Lösung. Eine besondere Herausforderung ist die Finanzierung.
Roseline Troxler
Der Biker stürzte bei der Abfahrt (Symbolbild Neue LZ).

Der Biker stürzte bei der Abfahrt (Symbolbild Neue LZ).

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Die Wälder rund um Neudorf sind idyllisch gelegen und bei Freizeitsportlern und Erholungssuchenden äusserst beliebt. Doch die Konflikte mehren sich. Werner Hüsler, Geschäftsführer von Wald Luzern, dem Verband der Waldeigentümer, und Waldbesitzer in Neudorf, sagt: «Biker fahren vermehrt quer durch den Wald, ohne Rücksicht auf fremdes Eigentum und mit fehlender Sensibilität für den Lebensraum.» Das Nachsehen hätten die Wildtiere, die erhöhtem Stress ausgesetzt seien. Rehe sind zwar anpassungsfähig, doch ständige Störungen und schwindende Rückzugsgebiete machen ihnen zu schaffen. Verbisse an jungen Bäumen und damit die Schäden für die Waldbesitzer nehmen zu.

Das Problem hat auch die Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) erkannt. «Neben den befestigten Wegen werden auch viele unbefestigte Wege als Biketrails genutzt und neue Trails angelegt», heisst es bei der Dienststelle. Das kantonale Waldgesetz aber schreibt vor, dass Velofahren im Wald nur auf Strassen, befestigten Wegen oder speziell markierten Pisten erlaubt ist. Um den Konflikt zu entschärfen, hat das Lawa zwei Pilotprojekte lanciert – eines im Bireggwald in Luzern, das andere in Neudorf ( wir berichteten ).

Grosses Sonderwaldreservat entsteht

Sejana Amir ist beim Lawa zuständig für die Pilotprojekte. Sie sagt: «Die Situation in Neudorf ist vergleichbar mit anderen Gebieten. Es gibt dort aber viele Feuchtstandorte. Derzeit ist ein grosses Sonderwaldreservat im Entstehen, weshalb es wichtig ist, hier gleich auch mit den Bikern nach einer Lösung zu suchen.» Der Perimeter des Sonderwaldes umfasst 250 Hektaren, davon sind derzeit fünfzig Prozent unter Vertrag. Zum Reservat sollen Teile der Wälder nordöstlich und westlich von Neudorf gehören. Betreffend Bikerlenkung haben laut Sejana Amir bisher zwei Treffen stattgefunden. «Beim ersten Gespräch haben wir uns mit den Bikern ausgetauscht, beim zweiten waren Waldeigentümer, Jäger und Naturschützer anwesend.» Nun werde das weitere Vorgehen intern besprochen. Amir betont: «Es wird keine schnelle Lösung geben, die Herausforderung ist gross.» Auf der einen Seite sei das Bedürfnis der Leute nach Bewegung und Freiheit. Dieses steige mit vermehrten Arbeiten am Computer. Auf der anderen Seite würden die Tiere die häufige Unruhe spüren. «Das Ziel des Projekts ist es, für die Biker Möglichkeiten zu schaffen, ihrem Hobby zu frönen. Gleichzeitig sollen die Wildtiere genügend Raum erhalten, der störungsarm ist.»

Dario Resenterra ist Mitglieder der Freeride Connection, einem Verein von Luzerner Bikern. Seitens der Behörden sehe er eine gewisse Hilflosigkeit, wenn es um die Problematik im Wald gehe. Zum Pilotprojekt in Neudorf sagt er: «Wir versuchen nun Inputs zu geben. Ein handfestes Projekt liegt aber noch nicht vor.» Im Allgemeinen gehe es den Bikern darum, sich für Toleranz einzusetzen. Laut Resenterra brauchen die Biker nicht befestigte Bike-Trails, sondern Pfade, auf denen sie legal unterwegs sein können. «Im Wald haben wir Biker auf unbefestigten Wegen Fahrverbot, gleichzeitig werden wir vielerorts toleriert. Das Gesetz hinkt hinterher.»

Werner Hüsler begrüsst die Initiative des Kantons: «Die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend.» Die Wälder in Neudorf seien sehr gut erschlossen und daher stark frequentiert. «Viele Waldeigentümer haben betont, wie respektlos viele Biker mit ihrem Eigentum umgehen», erzählt er. Schlechte Erfahrungen hätten auch Jäger gemacht, weiss Hüsler, der selber auch auf die Jagd geht. «Während Bewegungsjagden sind schon Biker trotz gut sichtbaren Warnschildern ausserhalb der befestigten Strassen mitten in den Jagdbetrieb hineingefahren.»

Waldbesitzer verlangen eine Entschädigung

Viele Waldeigentümer und Jagdvertreter sind laut Hüsler an einem Konsens interessiert: «Es muss für Biker abseits befestigter Strassen ausgeschilderte, attraktive Pfade geben.» Für eine solche Nutzung verlangt er aber auch eine Entschädigung für die Waldbesitzer und von den Nutzern den Respekt, andere Gebiete zu meiden. Sejana Amir sieht in der Finanzierung eine besondere Herausforderung: «Wenn Wege für Biker ausgeschildert würden, müsste die Frage der Haftung geklärt werden. Diese kann nicht Sache der Waldeigentümer sein.»

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