FREIZEITSPORT: Trampolin – viele unterschätzen Risiko

Der Trend des Trampolinspringens hält weiter an. Weil viele die Gefahren unterschätzen, haben die Spitäler alle Hände voll zu tun.

Yasmin Kunz
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Anna Zemp (11) aus Kriens liebt das Trampolinspringen im Garten. (Bild Nadia Schärli)

Anna Zemp (11) aus Kriens liebt das Trampolinspringen im Garten. (Bild Nadia Schärli)

Sommerferien, schönes Wetter: Viele Kinder nutzen die Gelegenheit, im eigenen Garten oder bei den Nachbarn Trampolin zu springen. Im Kanton Luzern steht – gemäss der kürzlich veröffentlichten Unfallstatistik «Status 2015» der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) – in jedem vierten Haushalt mit Kindern ein solches Turngerät. Laut BfU besitzen landesweit immer mehr Familien mit Kindern Trampoline. Insgesamt haben heuer 36 Prozent der Haushalte mit Kindern ein Trampolin. Dabei lassen sich grosse Unterschiede zwischen Stadt, Agglomeration und Land feststellen. Während in der Stadt die Zahl der Trampolinbesitzer zwischen 2010 bis 2015 mit 18 Prozent stabil bleibt, nimmt sie im selben Zeitraum in der Agglomeration von 13 auf 36 Prozent zu. Auch auf dem Land steigt die Anzahl Trampoline in Privathaushalten von 29 auf 46 Prozent.

Doppelt so viele Unfälle

So lustig und gesund diese Sportart ist – die Unfallzahlen des Inselspitals Bern lassen aufhorchen: 2013 wurden 31 Kinder unter 16 Jahren wegen Trampolinunfällen ins Spital eingeliefert. Ein Jahr später zählte das Spital bereits 66 Fälle. Auch bei den 15- bis 65-Jährigen steigt die Zahl der Unfälle auf Trampolinen deutlich an. Im vergangenen Jahr haben sich so 21 Personen verletzt und mussten ins Spital. Das sind 8 mehr als 2013.

Das Luzerner Kantonsspital (Luks) führt zwar keine Statistik, macht aber ähnliche Beobachtungen. Hermann Winiker, Co-Chefarzt des Kinderspitals des Luks, sagt: «Subjektiv lässt sich diese Zunahme der Unfälle beim Trampolinspringen eindeutig bestätigen.» Meistens, so Winiker, würden sich die Trampolinspringer Verletzungen beim Aufkommen auf der Sprungfläche des Trampolins, beim Aufprall auf dem Rahmen oder bei einem Sturz zuziehen.

Gemäss Winiker weisen die Verunfallten vorwiegend Verletzungen an Armen oder Beinen auf, aber auch am Kopf. Er kennt auch die Gründe: «Zu den meisten Unfällen mit Trampolinen kommt es, wenn mehrere Kinder gleichzeitig hüpfen. Es kann dann zu einem sogenannten Katapult-Mechanismus führen.» Dieser entstehe, wenn ein Kind abspringt und ein anderes Kind nun auf dieser nach oben schnellenden Fläche landet. «Das kann dann häufig zur typischen Unterschenkelfraktur führen.»

Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, hält allgemein fest, dass die Kinder heute weniger beweglicher sind als früher. «Eine Mehrheit der Kindergärtler hat ein schlechtes Körpergefühl, kann kaum noch balancieren und ist koordinativ weniger trainiert.» Diese Kinder können gemäss Kramis beim Aufspringen den Körper nicht in der richtigen Spannung halten, würden sich eher überschlagen oder unkontrolliert landen, was zu Zerrungen und Verstauchungen führen könne. In Hausarztpraxen, so Kramis, müsse man allerdings nur selten Trampolinunfälle behandeln.

Fitnesstrampoline boomen wie nie

Trotz der Beliebtheit der Gartentrampoline verzeichnet der Fachmarkt SportXX der Genossenschaft Migros rückläufige Verkaufszahlen. Grund: Es gibt viel mehr Anbieter auf dem Markt. Migros-Mediensprecher Claudius Bachmann: «Wir stellen fest, dass die Fitnesstrampoline an Beliebtheit gewinnen.» Fitnesstrampoline sind deutlich kleiner als jene, die im Garten stehen.

Die gleiche Feststellung macht Raphael Nick, Inhaber von Bellicon AG Schweiz. Die Firma in Bellikon (AG) ist seit zwölf Jahren im Trampolinmarkt tätig. Ihre Minitrampoline werden vorwiegend für medizinische, therapeutische und sportliche Zwecke eingesetzt. Nick sagt: «Seit zwei Jahren steigen die Verkaufszahlen massiv an. Und ich denke, dass dieser Trend ein langlebiger sein wird.» Pro Jahr verkaufen sie landesweit rund 7000 Geräte. Ein Trampolin kostet zwischen 500 und 600 Franken. Den anhaltenden Trend erklärt Nick so: «Diese Geräte sind für jedermann einfach einzusetzen, und das Trainieren darauf macht Spass. Ausserdem ist das Gesundheitsbewusstsein wieder mehr in den Vordergrund gerückt.»

Seit 2009 steht im aargauischen Siglistorf das grösste Trampolin-Testcenter Europas. Laut Geschäftsführerin Heidi Diethelm ist auch hier der Trend der Trampoline «ungebrochen.» Für Kinder und Jugendliche sei das eben ein guter Ausgleich zum Alltag, so Diethelm. Jährlich verkaufen sie über 1000 Gartentrampoline, die ab zirka 1000 Franken erhältlich sind.

Yasmin Kunz