Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Generaloberin des Klosters Baldegg: «Frieden fängt bei jedem Einzelnen an»

Wie feiern die Baldegger Ordensschwestern Weihnachten, was wünschen sie sich fürs neue Jahr? Generaloberin Zita Estermann gewährt einen Einblick in den Alltag und erzählt von einem grausamen Phänomen.
Stephan Santschi
Schwester Nadja und Generaloberin Zita (von links ) in der Kapelle des Klosters Baldegg. (Bild: Corinne Glanzmann (26. Dezember 2018))

Schwester Nadja und Generaloberin Zita (von links ) in der Kapelle des Klosters Baldegg. (Bild: Corinne Glanzmann (26. Dezember 2018))

Die Kapelle am Vormittag des Stephanstages ist leer, als die Baldegger Ordensschwestern Zita und Nadja neben der Krippe für unser Fotoshooting posieren. Vier Tage zuvor präsentierte sich dem Besucher noch ein ganz anderes Bild. Am traditionellen Taizé-Nachtgebet, das mit Ausnahme des Julis jeweils am 22. des Monats durchgeführt wird, waren über 150 Menschen bei Kerzenlicht zugegen. «Die Kapelle war voll, vor Weihnachten ist das immer so», berichtet Generaloberin Zita Estermann.

Die Leute kommen aus der Region, aber auch von weiter her, um sich in besinnlicher Atmosphäre auf die Feiertage einzustimmen. «Das Taizé-Nachtgebet ist ein Wechsel aus sich wiederholendem Gesang, Stille, Bibeltexten und Fürbitten», erklärt Schwester Nadja. «In religiösen Kreisen ist es wohl bekannt.»

Baldegger Schwester kämpft gegen die Hexenjagd

Es sind spezielle Tage im Kloster Baldegg, welches sich in der Gemeinde Hochdorf nahe dem Baldeggersee in etwas erhöhter Lage befindet. Neben den Gottesdiensten mit Weihnachtsliturgie feierten die Franziskanerinnen bei einem Abendessen im Speisesaal den Heiligen Abend. Davor hatte Schwester Zita mit den Aussenstationen telefonisch Kontakt aufgenommen, um die guten Wünsche aus dem Mutterhaus zu überbringen.

Dazu zählen neben den Betrieben in der Schweiz auch die Posten in Papua-Neuguinea, Tansania, Äthiopien und Bosnien. «Papua-Neuguinea hat acht Stunden Zeitunterschied, da muss ich aufpassen, dass ich niemanden wecke. Und Tansania schwitzt, dort ist es derzeit sehr heiss», berichtet Schwester Zita und schmunzelt. Welche Aufgaben haben die Schwestern im Ausland? «Sie bauen beispielsweise eine Montessori-Schule auf, leiten Kinderheime, unterrichten Englisch oder führen eine Ordensgemeinschaft, wie ich es hier in Baldegg tue.»

Schwester Nadja: «Es ist einfach nur furchtbar»

Grosse Sorgen bereitet ihnen die Entwicklung in Papua-Neuguinea. «Dort kommt die Hexenverfolgung wieder auf», erzählt Schwester Nadja. «Warum das so ist, können wir nicht genau erklären. Wer als Hexe gebrandmarkt wird, ist zum Töten freigegeben. Menschen werden erhängt und verbrannt. Es ist einfach nur furchtbar.» Vor kurzem wurde die vor Ort gegen diese Missstände ankämpfende Baldegger Schwester Lorena von der deutschen Stadt Weimar mit dem Menschenrechtspreis 2018 ausgezeichnet.

In einer Mitteilung des Stadtrats von Anfang Dezember heisst es, dass Lorena Jenal bei ihren Hilfsaktionen für Frauen vielfach ihr Leben riskiere. Inzwischen werde sie auch von einem hochrangigen Polizisten bedroht, weil sie mit der Dokumentation des Hexenprozesses die massiven Menschenrechtsverletzungen und die Tatenlosigkeit der Behörden anprangert. «Laut einer Studie kommt weltweit in 29 Ländern das Phänomen der Hexenjagd wieder auf. Dank der Auszeichnung der Stadt Weimar können wir darauf aufmerksam machen», sagt Schwester Nadja.

Hilfe für Frauen: Aus diesem Anlass ist der Franziskanerorden in Baldegg im Jahr 1830 denn auch entstanden. «Es ging darum, Frauen eine Ausbildung zu geben. Das war für sie damals nämlich nicht möglich», erzählt Schwester Nadja. Viele der Aufgaben, für welche die Schwestern verantwortlich zeichneten, würden heute aber vom Staat übernommen. Deshalb und wegen der generellen Entwicklung ist die Anzahl der Schwestern auch im Kloster Baldegg rückläufig. «Anfang der Sechzigerjahre waren es über 1000, heute sind es noch 223. Unser Durchschnittsalter beträgt 78 Jahre.»

Schwestern suchen auswärts nach Unterstützung

Einige von ihnen sind pflegebedürftig und in der angrenzenden Pflegeabteilung untergebracht. Auch dort machten die Schwestern Zita und Nadja während den Weihnachtstagen ihre Aufwartung, um Gespräche zu führen und die Botschaft zu verlesen. «Mein Thema war der Friede», sagt Generaloberin Zita Estermann. «Dafür sollen nicht nur die Anderen sorgen. Frieden fängt bei jedem Einzelnen an.»

Das alte Jahr wird im Kloster Baldegg mit einer Lichtfeier abgeschlossen. «Auch im neuen Jahr werden uns Fragen zur Zukunft herausfordern. Wir überlegen uns, wo und wie Menschen ausserhalb des Klosters in die Verantwortung miteinbezogen werden können», sagt Schwester Nadja. Welchen Wunsch hat sie für 2019? «Trotz des fordernden Alltags genug Zeit für unsere Schwestern zu haben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.