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FRIEDENTAL: Bauarbeiter verpassen dem Landschaftspark den letzten Schliff

Wo früher die städtische Kehrichtdeponie war, entsteht zurzeit ein Park für die Bevölkerung. Die Bauarbeiten dürften im Frühling abgeschlossen sein – kleine Teiche und Kieswege lassen schon jetzt erahnen, wie der Park einst aussehen wird.
Gabriela Jordan
Links: Die Fundamente für die Gartenhäuschen sind bereits erstellt. Rechts: Ein Bauarbeiter macht Messungen mit einem GPS-Gerät. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. Januar 2018))

Links: Die Fundamente für die Gartenhäuschen sind bereits erstellt. Rechts: Ein Bauarbeiter macht Messungen mit einem GPS-Gerät. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. Januar 2018))

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Das Friedental ist ein Ort, den die meisten wohl nur vom Vorbeifahren auf der Sedelstrasse kennen. Kein Wunder, war das Land doch jahrzehntelang fast ausschliesslich für Hobbygärtner und ihre Schrebergärten reserviert. Das wird sich jetzt ändern: Am Landschaftspark Friedental, welcher auf der ehemaligen städtischen Kehrichtdeponie im Moment gebaut wird, kann sich schon bald die ganze Luzerner Bevölkerung erfreuen – und auch den Schrebergärten wird dabei wieder etwas Platz eingeräumt. Die seit Mai 2016 andauernde Bauzeit neigt sich nun dem Ende zu und dürfte in wenigen Monaten fertig sein. Vorgesehen ist, dass der Landschaftspark am 24. Juni eröffnet wird. Höchste Zeit also, einen Augenschein vor Ort zu nehmen.

Vor dem grellorangen Lötscher-Baucontainer erwartet uns bereits Stefan Herfort. Er ist der stellvertretende Leiter der städtischen Umweltschutzstelle und führt an diesem Morgen durch die Baustelle. «Die schweren Erdarbeiten haben wir bereits hinter uns, jetzt geht es wirklich noch um die Feinarbeit», sagt Herfort, der sich ungefähr dreimal die Woche auf die Baustelle begibt. Und tatsächlich: Lässt man den Blick schweifen, entdeckt man beispielsweise schon die Fundamente für Gartenhäuschen, Sitzsteine zum Verweilen, kleine Teiche sowie den verbreiterten Reuss-Rotseekanal, der jetzt wie ein natürlicher Bachlauf wirkt. «Im März fangen wir dann mit der Bepflanzung an», sagt Herfort weiter. Gepflanzt werden etwa Hecken, Eichen, Obstbäume und Schwarzerlen, ebenfalls geplant sind Sitzbänke, Spielwiesen sowie eine Grillstelle. Manches bleibt wie bisher bestehen, darunter die Fischzuchtanlage, einige Schrebergärten am Hang – und natürlich die Stadtgärtnerei (siehe Grafik).

Gartengemüse wuchs wenige Meter über Deponiematerial

Wie bereits angetönt, kann angesichts der früheren Nutzung des Friedentals nicht von einem gewöhnlichen Park die Rede sein: Denn bekanntlich befand sich dort bis etwa 1940 die Kehrichtdeponie der Stadt Luzern – die auch der Grund für die jetzige Sanierung ist. Abtransportiert wurde der verbrannte Kehricht nämlich nie, und als man vor etwa acht Jahren schliesslich Schadstoffe im Boden mass, sprach sich die Stadt Luzern für eine Sanierung samt einer Neugestaltung der Umgebung aus (siehe Kasten). «Gefunden hat man damals vor allem Schwermetalle wie Blei, Kupfer und Zink», erklärt Stefan Herfort. «Da eine Gefährdung für die dortigen Familiengärten nicht mehr auszuschliessen war, musste die Stadt Luzern handeln.»

Freude hatten die meisten Hobbygärtner, die dort teils jahrzehntelang Rüben und Kartoffeln angepflanzt haben, an diesen Plänen nicht: So konnten manche nicht nachvollziehen, weshalb sie ihre Gartenparzelle, die sie so lange gepflegt und gehegt hatten, aufgeben mussten, obwohl sie bei sich keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden feststellen konnten. Andere wiederum warfen den Behörden vor, dass man sie auf dem mit Schadstoffen belasteten Boden so lange gärtnern gelassen habe (wir berichteten). Stefan Herfort bestätigt: «Insgesamt war die Sanierung ein sehr emotionales Thema.»

Erstaunlich ist deswegen, dass das Deponiematerial auch jetzt nicht ausgehoben wird. Stattdessen sorgt eine neue Abdeckung aus Geovlies und einer rund ein Meter tiefen Schicht aus Erde und Kies, dass die Wirkung der Schadstoffe isoliert bleibt. Herfort erklärt: «Da weder im Grundwasser noch in den angrenzenden Gewässern wie dem Rotsee erhöhte Schadstoffgehalte gemessen wurden, konnte auf den aufwendigen und sehr kostenintensiven Aushub verzichtet werden.» Der Hügel in der Mitte des Tals, auf dem die Gartenhäuschen zu stehen kommen, besteht folglich noch heute aus einer bis zu fünf Meter hohen Deponieschicht. Weil eine gute Bodenqualität bei den Gärten aus logischen Gründen besonders wichtig ist, misst die Trennschicht zum Deponiematerial dort etwa 1,5 Meter. An «weniger sensiblen Orten» wie der geplanten Wiese misst sie etwa die Hälfte.

Schlachtabfälle und Keramikscherben

Entgegengekommen ist der Stadt Luzern bei der Sanierung die Tatsache, dass der Kehricht aus dem frühen 20. Jahrhundert noch keine Kunststoffe enthielt, auch wurden keine Ölfässer oder Chemikalien entsorgt. «In diesem Fall hätte eine tief greifendere Sanierung, möglicherweise sogar ein Aushub gedroht», so Herfort. Auf der Kehrichtdeponie landeten damals Alltagsgegenstände wie Glasflaschen, Keramik, Papier oder Kleider – sowie Schlachtabfälle. Beim Verbrennen der Abfälle muss es oftmals «fürchterlich gestunken» haben, weiss Herfort aus alten Dokumenten. Die gefundenen Schadstoffe stammen vor allem aus sogenannten Schlacken, die bei der Metallverarbeitung entstehen.

Als einfach erwiesen sich die Bauarbeiten im Friedental, das einst ein Moor war, übrigens nicht. Denn während der Boden über dem Deponiehügel relativ stabil ist, sinkt er in Richtung Rotsee bei grosser Belastung ein. «Mehr als einmal mussten wir einen Bagger aus dem weichen Untergrund ziehen lassen», erinnert sich Herfort. Er blickt der Eröffnung nun sehr gespannt entgegen. Da er das rund 6 Millionen Franken teure Projekt seit fast zehn Jahren begleitet, freut er sich zudem, dass er ab Sommer wieder mehr Zeit für andere Aufgaben hat.

Die Sanierung ist also schon bald Geschichte. Nicht aber die Tradition der Schrebergärten, die auch im neuen Park weiter bestehen wird. Statt wie vorher 165 wird es zwar nur noch 100 Gärten geben, die darüber hinaus etwas kleiner sein werden. Dafür kommt eine neue Besonderheit hinzu: ein Gemeinschaftsgarten, bei dem man auf ein paar Beeten «umkompliziert das Gärtnern ausprobieren kann». Stefan Herfort: «Urban Gardening hat sich in anderen Städten schon etabliert. Wir glauben, dass das Modell auch hier gut ankommen wird.»

Hinweis

Die Eröffnung des Landschaftsparks findet am 24. Juni statt. Interessierte an einer Gartenparzelle melden sich bitte beim Pflanzland-Pächterverein-Luzern unter: huwimark@hispeed.ch .

Die Fundamente für die Gartenhäuschen sind bereits erstellt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. Januar 2018))

Die Fundamente für die Gartenhäuschen sind bereits erstellt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. Januar 2018))

Quelle: Stadt Luzern (Bild: Grafik: Oliver Mark)

Quelle: Stadt Luzern (Bild: Grafik: Oliver Mark)

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