FRIEDENTAL: Die Stadt nimmt Stellung zum Erdaustausch

In mehreren Artikeln der Gratiszeitung «20 Minuten» wurde die Baudirektion der Stadt Luzern im Zusammenhang mit dem Grabfeld für Muslime im Friedhof Friedental scharf kritisiert. Nun wehren sich die Angegriffenen – doch die Polemik geht weiter.

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Die eingezeichneten Grabfelder auf dem zukünftigen muslimischen Gräberfeld. (Archivbild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Die eingezeichneten Grabfelder auf dem zukünftigen muslimischen Gräberfeld. (Archivbild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Anfang 2007 hat der Stadtrat entschieden, dass im Zusammenhang mit der Erstellung des Grabfeldes für Muslime kein Erdaustausch stattfindet – dies sei auch so eingehalten worden, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Bei der gesamten Planungsphase habe die «Rücksichtsnahme auf die ehemalige Belegung des Grabfeldes» im Fokus gestanden.

Um bei einer Neubelegung nicht plötzlich auf Überreste längst Verstorbener zu stossen, sei die bestehende Erdschicht bis auf eine Tiefe von 140 Zentimetern abgetragen worden. Dabei zum Vorschein gekommene Überreste Verstorbener seien «sorgfältig» an gleicher Stelle etwas tiefer gelegt worden (Wiederbestattung).

Resterde wegen Kiesbeimischung
Eine zusätzlich eingebrachte Bettungsschicht aus Kies sollte die künftige Verwesung beschleunigen und den Verwesungsprozess bei bestehenden Überresten vervollständigen. Das für die Wiederbestattung entfernte Erdmaterial sei wiederverwendet und mit Kies angereichert worden, um den Luftaustausch im Boden zu verbessern, denn es sei festgestellt worden, dass ein Teil der Erde qualitativ schlecht ist.

Aufgrund dieses Vorgehens sei ein Teil des Aushubmaterials übrig geblieben. Diese ungefähr 450 Kubikmeter und damit rund zehn Prozent der gesamten bewegten Erde hätten abtransportiert werden müssen.

«Keine menschlichen Überreste»
Es habe sich dabei um Material ohne Überreste von Verstorbenen gehandelt. Diese geringe Menge an Materialabfuhr könne «keineswegs als Erdaustausch taxiert» werden, wie es weiter heisst.

Diese Vorgehensweise sei mit der Abteilung Umwelt des Kantons festgelegt und entsprechend kontrolliert worden. Ein bis zwei Mitarbeitende der Friedhofverwaltung seien während der Bauzeit dauernd im Einsatz gewesen, um die «Pietät und die sorgfältige Wiederbeisetzung allfälliger Überresten zu garantieren und sicherzustellen».

«Pietätvolles Vorgehen» angezweifelt
Die Gratiszeitung «20 Minuten» behauptet derweil, dass sich die Verwantwortlichen in der «Luzerner Friedhofaffäre in immer grössere Widersprüche» verstrickten: So habe die Erdabtragung schon viel früher als von Baudirektor Kurt Bieder angegeben festgestanden. Zudem wird Erich Aeschlimann, Geschäftsführer der auf Friedhofsanierungen spezialisierten Firma Tony Lindner & Partner in Altdorf, zitiert. Aeschlimann zufolge sei der von der Stadt zur Verfügung gestellte Betrag viel zu gering, um ein «pietätvolles Vorgehen» zu garantieren.

scd