FRIEDHOF: Die Orgel muss wohl weichen

Das Instrument im Abdankungsraum Friedental ist veraltet. Eine Stiftung wollte eine neue Orgel mitfinanzieren. Doch ihr Angebot fand kein Gehör.

Simon Bordier
Drucken
Teilen
Die Orgel mit Baujahr 1987 in der Abdankungshalle im Friedental müsste ersetzt werden. Eine günstige Alternative könnte ein Klavier sein. (Bild Nadia Schärli)

Die Orgel mit Baujahr 1987 in der Abdankungshalle im Friedental müsste ersetzt werden. Eine günstige Alternative könnte ein Klavier sein. (Bild Nadia Schärli)

Simon Bordier

Für Aufregung sorgte der Entscheid des Stadtparlaments, die Friedhofshallen konfessionsneutral zu gestalten und christliche Symbole abzudecken (wir berichteten). Nun rückt die davon betroffene Abdankungshalle erneut in den Fokus der Öffentlichkeit: Betroffen ist die darin stehende Orgel.

Diese wird heute dann eingesetzt, wenn ein Kirchenmitglied stirbt und ein Organist für die Trauerfeier aufgeboten wird. Doch die Hausorgel mit Baujahr 1987 sei störungsanfällig und «qualitativ schlecht», erklärt Stephen Smith, Organist der reformierten Kirche Stadt Luzern. «Von den sieben Registern sind gerade mal drei bis vier brauchbar.» Er begleite auf dem Instrument jährlich rund 40 Trauerfeiern, auch sein Kollege Franz Schaffner von der katholischen Kirche spiele regelmässig.

Stiftung versprach 100 000 Franken

Vor rund zwei Jahren wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der katholischen und der reformierten Kirche und der Stadt Luzern einberufen, um eine Nachfolgelösung zu finden. Mittlerweile liegt laut Smith eine konkrete Offerte eines Orgelbauers vor. Und: «Eine private Stiftung zeigte sich bereit, einen Drittel der Kosten zwischen 250 000 und 300 000 Franken zu übernehmen.» Die Stiftung wolle ungenannt bleiben.

Doch in letzter Zeit sei es still geworden um die neue Orgel, konstatiert Smith: «Weder die Stadt noch die Kirchen haben ihr Einverständnis signalisiert.» Dabei habe die Stiftung ihr Angebot davon abhängig gemacht, dass zwei Drittel der Kosten durch die Kirchen und die Stadt gedeckt werden. Aus mangelndem Interesse habe die Stiftung ihr Angebot nun wieder zurückgezogen, erklärt er. Und der aktuelle Streit um christliche Symbole in den Friedhofshallen lasse Zweifel aufkommen, ob das Projekt überhaupt je realisiert werde.

In dem Kontext ist auch die Position der Orgel fraglich, handelt es sich doch um das christliche Instrument par excellence. Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei, erklärt, dass man nach wie vor eine «bedürfnisgerechte Nachfolgelösung» für die heutige Orgel suche. «Dieses Ziel ist im Bericht und Antrag zum Bestattungs- und Friedhofwesen enthalten und wurde vom Grossen Stadtrat am 25. Februar 2016 bestätigt», sagt er. Es sei klar, dass es in der Abdankungshalle für die Begleitung der Trauerfeiern und Rituale ein Instrument brauche. Doch es stehe noch offen, welches Instrument dafür in Frage komme. Darüber werde die Arbeitsgruppe befinden. «Es muss ein Instrument sein, welches die klanglichen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer abdeckt, einfach zu spielen ist, in den Raum passt und finanzierbar ist», so Suter.

Flügel statt Orgel?

Marlene Odermatt, Präsidentin der Reformierten Kirche Luzern und SP-Kantonsrätin, meint: «Die Kirche bildet den richtigen Rahmen für eine Trauerfeier mit Orgelbegleitung.» In Luzern stünden zahlreiche Kirchen mit prächtigen Orgeln zur Verfügung. Der Bedarf einer neuen Orgel im Abdankungsraum für mehrere hunderttausend Franken erscheine da nicht zwingend, zumal der Raum überkonfessionell genutzt werde. «Der Kirchenrat favorisiert eine günstigere und flexiblere Lösung, beispielsweise mit einem Flügel oder Klavier.»

Die reformierte wie auch die katholische Kirche zeigen sich bereit, sich an den Kosten für ein neues Instrument zu beteiligen. Doch sollte dieses nicht mehr als 100 000 Franken kosten, wird beiderseits betont. Urban Schwegler, Sprecher der Katholischen Kirche der Stadt Luzern, meint: «Anstelle einer Orgel könnte auch ein anderes Instrument, etwa ein Flügel, angeschafft werden.»