Die frisch renovierte Bibliothek kommt bei den Besuchern gut an

Zwei Tage nach der Eröffnung ist die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern wieder mit Leben gefüllt. Wir haben uns bei den Nutzern umgehört.

Beatrice Vogel
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Als wäre sie nie geschlossen gewesen: Besucher gehen in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) ein und aus, Bücher werden ausgeliehen, im Lesesaal sind Studenten über ihren Lernstoff gebeugt. Und doch ist das denkmalgeschützte Gebäude beim Vögeligärtli erst seit Mittwoch wieder offen, nachdem es zwei Jahre lang saniert wurde. Das merkt man vor allem an den Personen, die durch die neue Freihandbibliothek schlendern und weniger die Bücher, sondern vielmehr das Gebäude begutachten, wie ein Augenschein am Donnerstag zeigt.

Unter ihnen ist ein älterer Herr, der begeistert ist von der neuen Bibliothek, obwohl er sich erst seit fünf Minuten darin aufhält, wie er sagt. Er habe auf den Bus gewartet und sich entschlossen, aus «Gwunder» kurz herein zu schauen. «Es ist hell und freundlich, eine angenehme Arbeitsatmosphäre», meint er. Vor der Sanierung hätten die Räume eher beengt gewirkt, «die Renovation war dringend nötig». Seinen Namen wollte der Herr nicht nennen, aber er sei aus Luzern – und natürlich habe er 2014 für die Rettung der ZHB gestimmt. 

Lisbeth Schoch

Lisbeth Schoch

Eine weniger klare Meinung zur Sanierung hat Lisbeth Schoch. Die 71-Jährige sitzt im Katalogsaal und liest Zeitschriften. Hauptsache sei, dass Luzern Bibliotheken habe, sagt sie. «Von aussen finde ich das Gebäude allerdings nicht so sehenswert.» Lisbeth Schoch kenn die ZHB noch «von ganz früher», wie sie sagt, sie kann sich auch an die alten Zettelkästen im Katalogsaal erinnern. «Als Jugendliche – ich bin in Luzern aufgewachsen – habe ich hier viele Bücher ausgeliehen.» Heute leihe sie Bücher in der Bibliothek ihres Wohnorts Cham aus. Hierher komme sie, weil sie ihren Mann begleite.

Recherche wurde neu organisiert

Der Katalogsaal, findet Lisbeth Schoch, habe sich kaum verändert. Ihr sei lediglich aufgefallen, dass es keine Computer mehr für die Recherche gibt. Die Recherche-Computer vermisst auch Andrea Bachmann (49), die in einer Sitzecke im Freihandbereich ein Buch liest. Sie ist aus ihrem Tessiner Wohnort Osco angereist, um ein Buch zurückzubringen. 

Olivier Vogel, ZHB-Mitarbeiter

Olivier Vogel, ZHB-Mitarbeiter

Eine Antwort auf die Frage nach den Computern kann Olivier Vogel geben. Der 35-Jährige ist Mitarbeiter der ZHB und zuständig für die Verwaltung elektronischer Ressourcen, etwa die E-Medien, die man über die Bibliothekswebseite ausleihen kann. Gerade hat er einem Besucher die sogenannten Hublets erklärt. Das sind Tablets, die im Eingangsbereich des Katalogsaals mit der Bibliothekskarte bezogen werden können, und auf denen man unter anderem elektronische Zeitschriften vor Ort lesen kann:

Bilder: Beatrice Vogel, Luzern, 12. Dezember, 2019

«Es gibt noch Recherche-Stationen, sie sind auf die vier Stockwerke in der Freihandbibliothek verteilt», erklärt Olivier Vogel. Zudem gebe es im Katalogsaal auch noch einige Laptops. «Die meisten Besucher nutzen aber ihre eigenen Geräte für die Recherche.» 

Olivier Vogel hat während des Provisoriums bei der ZHB angefangen zu arbeiten, wie er erzählt. «Das ist für mich nun ein neuer Arbeitsort.» Für ihn ist die renovierte ZHB ein Gebäude von heute, so wie es die Nutzer sich wünschen. Vogel:

«Besonders schön finde ich, dass das ehemalige Magazin mit der Freihandbibliothek zu einem öffentlichen Ort geworden ist.»

Dies zeige den Wandel der Bibliotheken von abgeschlossenen Wissensspeichern zu öffentlichen Räumen.

Studenten mussten ausweichen

Annika Meier

Annika Meier

Besonders wichtig ist die Bibliothek auch für Studenten, nämlich als Arbeitsort. Eine von ihnen ist Annika Meier aus Luzern. Die 23-Jährige studiert an der Hochschule Luzern – Wirtschaft im fünften Semester. Derzeit schreibt sie eine Semesterarbeit, an diesem Morgen zum ersten Mal an einem Arbeitsplatz in der ZHB. «Ich habe auch schon ein Buch aus dem Freihandbereich geholt», sagt sie – über die Premiere lachend. Während des Provisoriums habe sie oft am ZHB-Standort an der Frankenstrasse gelernt, «dort war es aber immer total voll». Viele Hochschul-Studierende seien deswegen auf die Uni ausgewichen, was dort aber nicht immer gut angekommen sei. «Jetzt haben wir unsere eigene Bibliothek, die noch viel schöner ist», meint sie.

Gregor Blank

Gregor Blank

Auch Gregor Blank schreibt an einer Arbeit. Der Adligenswiler studiert in Basel Medizin und hat im Moment ein Zeitfenster, um sich mit seiner Masterarbeit zu befassen. Am späten Vormittag gönnt er sich einen Cappuccino im Bistro. Der 26-Jährige hat früher schon oft in der ZHB gelernt. «Damals war es sehr heimelig, und ich hatte ein wenig befürchtet, dass es nach der Renovation nicht mehr so ist.» Zum Glück sei die Bibliothek aber immer noch «heimelig», vor allem dank dem vielen Holz. Allgemein, findet Gregor Blank, sei die Mischung aus alt und neu optisch gelungen. Der einzige Kritikpunkt: «Die Glastüren des Lesesaals dichten die Geräusche aus dem Katalogsaal nicht so gut ab. Und weil im ehemals zweiten Lesesaal jetzt die Sondersammlung untergebracht ist, fehlt ein richtig stiller Saal.»

Sibylle Anderegg, Leiterin Bistro Quai4

Sibylle Anderegg, Leiterin Bistro Quai4

Neben Gregor Blank sitzen noch viele andere Menschen im Bistro, das kurz vor dem Mittag gut gefüllt ist. «Es ist alles tadellos angelaufen, wir sind mit den ersten Tagen sehr zufrieden», sagt Bistro-Leiterin Sibylle Anderegg (24). Das Bistro ist ein Ableger des «Quai4», dem Gastro-Unternehmen der Wärchbrogg, die Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung anbietet. Die meisten Mitarbeiter haben laut Sibylle Anderegg vom Restaurant Quai4 ins ZHB-Bistro gewechselt – auch weil es hier ruhiger zu und her geht. «Für Menschen mit psychischen Problemen können Veränderungen zwar schwierig sein. Aber wir sind uns am einleben», sagt sie.

Bilder der sanierten ZHB Luzern:

Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) wurde während zwei Jahren saniert und ist ab 11. Dezember wieder geöffnet.
23 Bilder
Neu hat die Bibliothek beim Vögeligärtli einen barrierefreien Zugang über eine Rampe.
Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1951 wurde kaum verändert – eine Ausnahme ist das grosse Fenster in der Westfassade.
Und so sieht es im Innern aus.
Bei der Sanierung wurde vieles in den Originalzustand zurückversetzt, auch das Mobiliar stammt stilistisch aus den 1950er Jahren.
Der Katalogsaal: Wieder mit Linoleumboden statt Spanntepich ...
... und der Ausleihtheke, die wieder aus Holz gefertigt wurde.
Der Lesesaal sieht fast noch so aus wie vorher ...
... abgesehen von den Lampen, die jenen von 1951 nachempfunden sind.
Grosse Neuheit der sanierten Bibliothek ist der Freihandbereich, der sich im ehemaligen Magazin befindet.
Dank einer Galerie kommt viel Licht in die Bibliothek und man kann von unten bis in den vierten Stock sehen.
Rund 50'000 Bücher sind hier frei zugänglich ...
... und können per Self-Checkout ausgeliehen werden.
Neu hat die Bibliothek 140 Arbeitsplätze, die meisten davon im Freihandbereich.
Im Innern dieser Bücherregal-Würfel im 4. Stock befinden sich Gruppenarbeitsräume.
Die Treppe führt ins Untergeschoss der Freihandbibliothek, wo sich unter anderem eine Vitrine für Ausstellungen befindet.
Gleich beim Eingang der Bibliothek gibt es neu ein Bistro.
Die Sondersammlung wird ab Frühling 2020 im ehemaligen Vortragssaal unterkommen.
Der Saal verfügt über einen verspielten Parkettboden.
Regierungsrat Reto Wyss übergibt ein Bild an Regierungsrat Marcel Schwerzmann.
ZHB-Direktor Rudof Mumenthaler spricht anlässlich der Eröffnung.
Besucher strömen aus dem Lesesaal.
Musik anlässlich der Eröffnung

Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) wurde während zwei Jahren saniert und ist ab 11. Dezember wieder geöffnet.

Bilder: Pius Amrein, Luzern, 9. Dezember 2019
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