Frisches Blut und freche Mäuler bei den Schnitzelbänkler in Willisau

Ärztemangel beheben, das Parkplatzproblem lösen und mit Gettnau fusionieren: Die Willisauer Schnitzelbänkler haben die passende Rezeptur.

Hannes Bucher
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Sie war zum ersten Mal dabei: die Buttisholzer Gruppe «Alte Kafi». (Leserbild)

Sie war zum ersten Mal dabei: die Buttisholzer Gruppe «Alte Kafi». (Leserbild)

Trotz Sturmtief Bennet, das am Güdismontagabend draussen den fasnächtlichen Aufmachungen und Frisuren arg zusetzte, geht’s in den Willisauer Beizen am traditionellen Sprüchliabend hoch zu und her.

Insgesamt waren neun Schnitzelbankgruppen unterwegs – und können vor durchwegs vollen Lokalen ihre träfen Sprüche und frechen Reime zum Besten geben. Unter den Bänklern sind auch Auswärtige. Lokalgefärbtes reduziert sich entsprechend auf das «einheimische Schaffen».

Ausgewiesene Kenner der Willisauer-Szene sind etwa Cali und Vali. Sie beklagen das Aussterben der Arztpraxen im Städtli.

«Bibi-aua» – wohin damit – denn:

«Suechsch en Dokter, läck isch das en Eiertanz; Chasch nüm eifach über d’Stross zum Wicki Franz. Am beschte bstellsch bim Friedshofsgärtner grad de Chranz.»

Als fasnächtliche Alternativlösung der Problematik gründen die beiden eine Gemeinschaftspraxis mit dem Doktor Blinddarm aus Deutschland und dem alternativen Doktor «Globueli – für Mönsch und Chueli». Der Klimawandel kommt ihnen entgegen:

«Der kommt wie gerufen für uns und beschert uns viele neue Kunden, wenn die ganze Menschheit am Klimakterium leidet.»

Törscht und Sträggele fegen durchs Hinterland

Ja, die neuen Gruppen sind eine Bereicherung des Abends: Da sind etwa die beiden ortsansässigen Tony & Hanspeter. Als Törscht & Sträggele fegen sie durch die Fasnachtsnacht. Haben sie allenfalls Probleme mit dem Lesen oder der Aussprache? Der Schwingerkeller machen sie nämlich kurzerhand zu einem «Swinger-Chäller». Sie berichten auch vom hochkarätigen SVP-Besuch im Hinterland – mit gleich zwei Bundesräten:

«Die Manne und die Fraue vo de SVP sind cho
of Willisau zum BRACK und so mit em Ueli und em Parmelin hends gjasset wie ‘ne Depp gfählt het nur no Gottes Säge, mit Frau Demel und Fläsche-Sepp.»

Letzterer ist am Sprüchliabend wiederum selber als Bänkler unterwegs. In einem wortreichen Auftritt referiert er zusammen mit Frau Christine Park über die ganze Parkplatzbewirtschafterei in und um Willisau. Sie hirnen und hirnen, um der Problematik Herr und Frau zu werden. Wie wär’s etwa mit einem Tunnel von Gettnau, Willisaus Fusionsbraut, nach Willisau – mit einem Tiefbahnhof Käppelimatt? Apropos Käppelimatt: Nein, Bundesrat Schneider-Ammann sei nicht etwa wegen des Flaschenmuseum mit dem Heli in der Käppelimatt gelandet:

«In Bern gibt’s genug Flaschen.»

Viel lokal-regional Gefärbtes tischen auch Urs als «Päuli auf der Putztour» und die beiden «Rätschwyber» Lisbeth & Romy auf. Auf gewohnt tollem Bänkler-Niveau bewegen sich die «Näbufresser Malters» und die drei hohen «geistlichen Würdenträger» von «urbi@orbi». Zum ersten Mal mit dabei ist die Buttisholzer Gruppe «Alte Kafi». Für sie gilt im Besonderen: Singe, wem Gesang gegeben – und dichte, wer’s kann. Monika und die 5 Spröchler beherrschen beides.

Grosse Pläne auf kleinen Flächen in Willisau

Am 11. März befindet das Stimmvolk an der Gemeindeversammlung in Willisau über die Ortsplanungsrevision – und über drei Einsprachen, die nicht bereinigt werden konnten. Kopfzerbrechen bereitet dem Stadtrat aber anderes.
Alexander von Däniken