Fritschitagwache: Die Stadt Luzern ist eine Frühaufsteherin

Als Neuling an der Luzerner Fasnacht erlebte unsere Autorin das erste Mal die Fritschitagwache. 15'000 Menschen tanzten auf dem Schwanen- und dem Kapellplatz im Fötzeliräge – und das um fünf Uhr in der Früh! Das Fazit: Rüüdig verreckt, ihr Lozärner!

Linda Leuenberger (Text) und Pius Amrein (Bilder)
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Der Urknall ist nicht ein blosser Knall, nein! Er wird von Feuerwerk begleitet.

Der Urknall ist nicht ein blosser Knall, nein! Er wird von Feuerwerk begleitet. 

Die Luzerner Fasnacht ist nun also definitiv eingeläutet, oder besser: eingeknallt. Der Urknall erschallte am Schmudo pünktlich um fünf Uhr morgens über dem Luzerner Seebecken. Ein kollektives «Oohh!» ging durch die Menge eingefleischter Fasnächtler, eine Guuggenmusig schlug einen Rhythmus an, weiter hinten schränzten bereits Trompeten. Der Schwanenplatz begann zu vibrieren. Man spürte sie förmlich, die Vorfreude, die Aufregung und den Feierwillen: Luzern ist wach!

Bruder Fritschi mit seiner Fritschene und dem restlichen Gefolge.

Bruder Fritschi mit seiner Fritschene und dem restlichen Gefolge.

Als Langenthaler Fasnächtlerin, die ich die Luzerner Fasnacht zum ersten Mal erlebte, verfolgte ich das bunte Treiben auf dem Schwanen- und dem Kapellplatz mit grossen Augen. Der Morgen war mild und die Stimmung ausgelassen und friedlich: Hier ein paar Ghost Busters, da eine Gruppe Waldgeister, eine Zwergenfamilie, daneben Chömifäger und Popcorn-Mädchen und weiter drüben ein Igelpapa mit seinem Igelsohn auf den Schultern. Um seine Aussicht habe ich diesen Igeljungen ganz schön benieden.

Fritschivater Reto Schriber und Fritschimutter Monika Tschopp auf dem Weg zum Kapellplatz.

Fritschivater Reto Schriber und Fritschimutter Monika Tschopp auf dem Weg zum Kapellplatz.

Dann war es endlich so weit: Fritschivater Reto Schriber hiess den Bruder Fritschi und sein Gefolge am Landungssteg am Schweizerhofquai willkommen. Obwohl ich mich in Vorbereitung auf diesen Artikel tief in Luzerner Fasnachtsfakten gekniet habe (und jetzt so manches über Zünfte, Huerenaffen und Grende weiss), stellte sich mir die erste Frage: Wo kommen diese Fritschis auf ihrer Naue eigentlich her? Meine kleine nicht-repräsentative Umfrage ergab: Man weiss es nicht so genau, wahrscheinlich aus dem Nirvana.

«Brüüele! Brüüüeleee!»

Dieses Bild kann man beinahe hören.

Dieses Bild kann man beinahe hören.

Bruder Fritschi und der Fritschivater machten sich dann mit Anhang und Umschwung durch die feiernde Menge auf den Weg zum Fritschibrunnen. Auf der Brunnenbühne angekommen, wurde sogleich der Fötzelirääge gezündet. 6,3 Millionen Papierfötzeli wirbelten durch die Luft – und genau so wirbelten die Fasnächtler auf dem Kapellplatz. 300 Telefonbücher mussten für diesen Spass ihre Seiten lassen, wobei sich mir die zweite Frage stellte: Ist Datenschutz ein Thema, hier in Luzern?

Der Rummel um den Fritschibrunnen: Lauter ausgestreckte Arme.

Der Rummel um den Fritschibrunnen: Lauter ausgestreckte Arme.

Unter lautem «Brüüüeleee!» streckten die Fasnächtler ihre Hände gen Fritschibrunnen. Alle hofften, eine Orange ergattern zu können, oder wenigstens eins der 13'600 Willisauer-Ringli. Nach getaner Arbeit beim Orangengewitter zog es die Safran-Zünftler und ihre Gäste zum Fritschi-Zmorge in die Kornschütte. 

Beim Urknall «pöpperlet» des Fritschivaters Herz

Das Orangenverteilen ist eine alte Tradition. Auch der Fritschivater hilft mit.

Das Orangenverteilen ist eine alte Tradition. Auch der Fritschivater hilft mit.

Fritschivater Reto Schriber war guter Laune und stimmte, nachdem sich die Gäste verköstigt hatten, das Fritschilied an. Dass er heuer den Urknall das erste Mal von Vorne miterleben durfte, sei «e super Sach, perfekt!» gewesen: «Do hed mer s Härz rechtig pöpperlet.» Das Highlight seiner Fasnacht sei der Fritschiumzug: Als Zunftmeister darf er die drei Ehrenrunden um den Brunnen auf dem Fritschiwagen mitfahren. Die Zunft zu Safran hat wie jedes Jahr Ehrengäste geladen. Mike Oswald, Präsident der Maskenliebhaber-Gesellschaft, durfte im Rahmen des 200-jährigen Jubiläums der MLG beim Orangengewitter auf dem Fritschibrunnen dabei sein: 

«Das ist ein Privileg, welches Maskenbrüder sonst nicht kriegen.»

Ein weiterer Ehrengast war Ulrich Vischer, Zunftmeister zum Schlüssel aus Basel. Genau wie ich feierte er an der diesjährigen Tagwache seine Premiere an der Luzerner Fasnacht. «Sympathisches Chaos» nannte er die rüüdig verreckte fünfte Jahreszeit. Für ihn war klar: Luzerner Guuggenmusigen haben musikalisch mehr zu bieten als die Basler Cliquen. Tagwache und Morgenstraich seien aber zu grundlegend verschieden, um einen Vergleich zuzulassen.

Die spinnen, die Luzerner

Die Langenthaler Guggemusig (ganz recht, mit nur einem «u») hätte dem Basler Zunftmeister sicher auch zugesagt. In unseren Reihen spielen nebst Bässen, Posaunen und Trompeten auch Saxophone. Wir brüelen und schränzen zwar nicht, aber spielen in den einzelnen Registern mehrstimmig, worauf wir mächtig stolz sind. Wer sich für Fasnachtsmusik begeistert, dem empfiehlt sich ein Abstecher ins Herzen des Oberaargaus und ein Besuch am Monsterkonzert nächstes Wochenende! Was hingegen in Luzern imponiert, ist allem voran die Grende-Tradition. Da können die Langenthaler Masken, welche nur am Umzug getragen werden, bei Weitem nicht mithalten. Und: Das Engagement für die Tradition ist in Luzern nicht zu übertreffen. Um rechtzeitig für die Tagwache geschminkt und verkleidet auf dem Schwanenplatz bereitzustehen, hat mich mein Wecker um halb vier morgens aus dem Bett gejagt! «Die spinne, die Luzärner», würde ein Langenthaler sagen. Aber eigentlich ist das auch ziemlich cool. In euren Worten kann's wohl am Besten ausgedrückt werden: Rüüdig verreckte Sache, diese Luzerner Fasnacht.