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FRITSCHI-UMZUG: Selbst der Knochenmann kam ins Schwitzen

Der Luzerner Fasnachtsumzug lockte bei fast tropischen Temperaturen 36'000 Zuschauer an. Es gab auch politische Sujets – etwas mehr Biss hätten sich die Antiregulatoren vom Maihof aber schon gewünscht.
Hugo Bischof
Die Rasselbandi Horw gestern am Fritschi-Umzug in Luzern mit ihrem Motto «Dia de los Muertos» und einem riesigen Skelett als Blickfang. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 23. Februar 2017))

Die Rasselbandi Horw gestern am Fritschi-Umzug in Luzern mit ihrem Motto «Dia de los Muertos» und einem riesigen Skelett als Blickfang. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 23. Februar 2017))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Das ist fast schon rekordverdächtig: Etwa 36'000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen sich am Donnerstagnachmittag gemäss Schätzung der Polizei den grossen Luzerner Fasnachtsumzug vor Ort an. Kein Wunder bei diesen Temperaturen. Sommerlich sonnig und fast schon tropisch warm war es entlang der Umzugsroute. T-Shirt-Wetter. Auch so manchem Umzugsteilnehmer wurde es gehörig heiss, etwa der Rasselbandi Horw, die einen riesigen Knochenmann durch die Strassen zog.

Höhepunkte gibt es einige im bunten Defilee der Wagen und Guugger mit total 39 Nummern. Auch Politisches ist drunter. Etwa das «Light Wars»-Sujet der hochwohllöblichen Zunft zu Safran. Da kommt das Hotel Schweizerhof angefahren mit hell erleuchteten, verschiedenfarbigen Fenstern. Davor kämpfen zwei Mönche à la «Star Wars» mit Lichtstäben gegen einen riesigen Kampfroboter. Da machts bei politisch interessierten Luzernern sofort klick: Der Lichterstreit der Stadt gegen die «Schweizerhof»-Direktion wird auf die Schippe genommen. Luzerns Stadt-Beamtenschaft als böser Roboter, der dem «Schweizerhof» die vielfarbige Lichterpracht abstellen will – die Pointe sitzt.

Politnummern sind an einer Hand abzuzählen

Allerdings, was Politsatire betrifft – in früheren Jahren lustvoll und ausgiebig zelebriert –, hätte sich unsere erstmals im Einsatz stehende Antiregulatoren-Truppe insgesamt schon etwas mehr Biss erhofft. Die Politnummern sind an einer Hand abzuzählen. Ansonsten gibts viel Düster-Apokalyptisches und Farbig-Buntes. Apropos Antiregulatoren: Sie dürfen sich – welche Ehre – als Erste noch vor dem Umzug mit ihrem vielrädrigen Velomobil den Weg durch die dicht gedrängten Zuschauerspaliere bahnen. «Fasnacht first!» Chaos ohne Regeln. Also, es geht doch!

Ganz schön viel – ökologischen, umweltschützerischen – Zündstoff bringen die Rotsee-Husaren Ebikon auf die Strasse. Die weltweite Klimaerwärmung wird bei ihnen in Luzern drastisch sichtbar. Wegen des gestiegenen Seepegels steht der Bahnhof-Torbogen zu mehr als der Hälfte unter Wasser. Luzern wird zur Lagunenstadt, mit rot-weiss gekleideten Gondolieri. Bruder Fritschi trägt ein blau-weisses Ruder auf der Schulter. Und wer sitzt in einer schwarzen Gondel? Natürlich: Donald Trump!

Auch die Gruppe Conversio thematisiert die Umweltzerstörung. Hier zapfen Furcht einflössende Gestalten mit grossen Spritzen den Menschen das Lebenselixier ab. Nur so können die letzten Pflanzen unserer Erde in Glassäulen am Leben erhalten werden. Für religiöse Toleranz plädieren die Monster-Guugger Bueri – schwarz gewandet, mit Kopfbedeckungen verschiedener Religionen.

Die Gruppe Nostradamos und die Rüüssgusler paradieren pfeifend und trommelnd als Basler «Waggis» und «alti Dante» durch Luzerns Strassen. Ein grosser Auftritt und eine bewusste Reverenz an die Basler Fasnacht, da vor 70 Jahren ein Basler, Sepp Ebinger, die erste Luzerner Guuggenmusig gründete (siehe Ausgabe vom Donnerstag).

Etwas mehr Begeisterung dürfte es schon sein

Das Publikum sieht und staunt und applaudiert – wenn auch nur verhalten. Nun ja, wir Luzerner geniessen still. Nein, im Ernst: Wir erwarten nicht gleich Jubelstürme, aber etwas mehr Begeisterung dürfte man schon zeigen. Da gibts nämlich noch ganz viel Schönes, Witziges, Überraschendes zu sehen: etwa die knurrenden Hunde der Fidelitas Lucernensis, die Eisbären samt Iglu der Fläckegosler Rothenburg, das überlebensgrosse behelmte Wildschein der Gruppe Dooq, die Brücken-Trolle der Pegasus Bueri, den Gotthard als durchlöcherten Schweizer Käse mit Fahnen schwingenden Älplern der Wey-Zunft, den Totenmögerli-Wagen von Schenkastiko, die Isländer-Grende der Borggeischter Rothenburg, den farbigen Rock-Circus der Chottlebotzer mit allerlei Tieren und einem wilden Gorilla im Käfig und, und, und.

Sehr viele wilde Gruppen machen diesmal mit: Etwa ein Kardinal, der dem Publikum den Segen erteilt, Pokémons, Globis, HD Läppli. Sie sind gut verteilt zwischen den offiziellen Nummern. Und dann noch das: Für unseren Geschmack hats diesmal insgesamt zu viele Totenköpfe. Sind wir denn tatsächlich schon so nah an der Apokalypse?

Der Umzug in Kürze

Anzahl Nummern: 39
Anzahl Zuschauern: 36'000
Stimmung: sommerlich-heiter
Dauer: 2 Stunden
Highlight: Luzerner Lichterstreit

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