FROHHEIM: Älteste Kinderkrippe wird 60

Die älteste Kinderkrippe der Stadt feiert Geburtstag. Für die Eröffnung musste 1953 viel gestrickt und genäht werden.

Stefan Roschi
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Diese Bilder sind um 1954/55 entstanden. Oben: Mutter mit Kind vor der Krippe. Unten: Schwestern, die sich um Kinder kümmern.

Diese Bilder sind um 1954/55 entstanden. Oben: Mutter mit Kind vor der Krippe. Unten: Schwestern, die sich um Kinder kümmern.

Heute gilt die externe Kinderbetreuung in Krippen als normalste Sache der Welt. In der Stadt Luzern besucht fast ein Drittel aller Kinder im Vorschulalter an einem oder mehreren Tagen pro Woche eine Kindertagesstätte. Die älteste von ihnen ist die Krippe Frohheim an der Horwerstrasse 20. Sie hat am 9. Juli 1953, also vor genau 60 Jahren, zum ersten Mal ihre Türen geöffnet – zu einer Zeit, als Wörter wie Betreuungsgutscheine noch in ferner Zukunft lagen.

Der evangelische Pfarrer Willy Brändly hatte damals die Idee eines gemischten Heim- und Krippenbetriebs, der Kinder aufnahm, die aus irgendwelchen Gründen nicht von ihren Eltern betreut werden konnten. Damit eine solche Institution aber finanziert werden konnte, brauchte es zuvor viel Arbeit von freiwilligen Helfern. Während dreier Jahre sammelten sie mittels diverser Aktionen Geld für die geplante Krippe. Film- und Dia-Abende wurden organisiert, und ein Herzliverkauf wurde lanciert. Letzteren gibt es übrigens auch heute noch. Zudem haben Frauen in einem Krippenkränzli zweimal pro Monat fürs Frohheim gestrickt und genäht.

Kirche finanziert Krippe mit

In den ersten Jahren ist die Frohheim-Krippe noch von Diakonieschwestern geführt worden. Danach übernahmen immer mehr weltliche Betreuerinnen die Arbeit. Kurse und spezielle Ausbildungen wurden nach und nach eingeführt. Heute sind «Fachpersonen Betreuung im Kleinkinderbereich» für das Wohl der Kinder zuständig. Geblieben ist das finanzielle Engagement der evangelisch-reformierten Kirche mit 20 000 Franken jährlich. Nur dank diesem und anderen Geldbeträgen von Gönnern und Spendern kann das Frohheim überhaupt kostendeckend betrieben werden. Zudem arbeitet der Vorstand des Trägervereins ehrenamtlich. Dieser ist für die Finanzierung und die strategische Ausrichtung des Betriebs zuständig.

Vizepräsidentin Evelyn Konrad sagt dazu: «Der soziale Gedanke ist im Frohheim auch heute noch stark verankert.» Wie zur Gründungszeit achte man darauf, dass der finanziellen und sozialen Situation der Familien Rechnung getragen werde. Zudem stehe nach wie vor das Wohl des Kindes im Mittelpunkt. Und doch hat sich einiges verändert – angefangen beim 1972 neu gebauten Haus. Heute arbeiten 26 Personen für die Krippe. Mehr als 80 Kinder werden pro Woche betreut. «Im Vergleich zu früher», sagt Evelyn Konrad, «wird heute viel mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingegangen.»

Tag der offenen Tür am Samstag

Um der Öffentlichkeit etwas von der Geschichte des Frohheims zu zeigen, wird am Samstag ein Tag der offenen Tür durchgeführt. Bilder vom heutigen und damaligen Alltag sind zu sehen und diverse Angebote für Kinder vorhanden.

Hinweis

Tag der offenen Tür in der Kinderkrippe Frohheim, Horwerstrasse 20, 10 bis 16 Uhr.