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Frühere Leiterin des Sankturbanhofs Sursee: «Das Museum ist wie ein Kind für mich»

Bettina Staub (50) hat den Sankturbanhof in Sursee mit aufgebaut. Nach zwanzig Jahren bricht sie zu neuen Ufern auf.
Roseline Troxler
Bettina Staub hat den Sankturbanhof in Sursee Ende August verlassen. Im Hintergrund ist das Werk "Cloud l" von Carola Bürgi zu sehen. (Bild: Pius Amrein, Sursee, 11. September 2019)

Bettina Staub hat den Sankturbanhof in Sursee Ende August verlassen. Im Hintergrund ist das Werk "Cloud l" von Carola Bürgi zu sehen. (Bild: Pius Amrein, Sursee, 11. September 2019)

Bettina Staub öffnet die Pforte zum Sankturbanhof in Sursee – wie hunderte Male in den letzten Jahren. Sie hat das Museum mitaufgebaut und geprägt. Dabei zog es die studierte Kunsthistorikerin vor zwei Jahrzehnten eigentlich gar nicht hierher. «Das erste Vorstellungsgespräch hatte ich an einem nebligen Herbsttag. Das Städtli wirkte trist.» Als sie zum zweiten Gespräch eingeladen wurde, sei sie zunächst nicht mal erfreut gewesen. «Schliesslich aber packte ich die Chance, nahm die Stelle an und zog im Jahr 2000 nach Sursee», sagt Bettina Staub, die in Winterthur aufgewachsen ist.

Heute lebt die 50-Jährige mit ihrem Mann und den zwei schulpflichtigen Kindern in Sursee. «Die Surseer sind offen und neugierig. Ich fühle mich wohl, obwohl es in einer Kleinstadt auch mal eng werden kann.» Trotz schnellen Einlebens habe sich der Arbeitsbeginn harzig gestaltet. «Das seit Jahren unbewohnte Gebäude des Sankturbanhofs war in sehr schlechtem Zustand. Es ging nicht vorwärts und war deprimierend.» Sie wollte die Koffern packen und weiterziehen. «Zum Glück kam plötzlich Bewegung in die Sache. Der Bund wollte die Denkmalpflegesubventionen nicht mehr länger rückstellen und machte Druck, die Sanierung anzugehen. So wurde der politische Prozess gestartet.»

«Vor der Abstimmung wehte ein rauer Wind»

Das Jahr 2004 ist für das Museum besonders wichtig. Mit nur 108 Stimmen Unterschied sagten die Surseer Ja zum Sanierungskredit und zum regionalen Museumsbetrieb. Bettina Staub sagt:

«Wir haben damals gezittert. Den Museumsplänen wehte ein rauer Wind entgegen.»

Inzwischen spürt sie mehr Rückhalt bei den Einwohnern. «Viele sind stolz, dass wir in Sursee ein Museum haben. » Staub ist sich aber bewusst, dass sich kritische Stimmen kaum direkt an sie wenden.

Trotz viel Schönem musste das Museumsteam auch einen Schicksalsschlag verarbeiten, als die frühere Co-Leiterin Sibylle Gut infolge einer Krankheit verstarb. «Das war eine sehr schwierige und traurige Zeit.» Zuletzt führte Bettina Staub den Sankturbanhof zusammen mit Co-Leiterin Sibille Arnold.

Sie hat immer wieder Altes mit Neuem verbunden

Staub hat rund 20 Ausstellungen kuratiert. Wichtig war es ihr, alte Objekte aus den Sammlungen mit aktueller Kunst zu verbinden. «Die Objekte sollen in einem Dialog miteinander stehen.» Besonders gerne denkt sie an die erste Ausstellung zum Thema Hexen zurück – «ein eindrücklicher Start». Als sehr gelungen bezeichnet sie auch jene über Drachen. Es ist das Begleittier des heiligen Georg, der als Namenspatron des Sammlers Georg Staffelbach mit vielen Objekten in der Sammlung vertreten ist. In der Ausstellung wurden sie gemeinsam mit zeitgenössischer chinesischer Kunst - Leihgaben aus der Sigg Collection - gezeigt. Eine besondere Bedeutung hat für die Kunsthistorikerin die letzte Ausstellung. Staub sagt:

«Sie ist sehr ästhetisch und soll ein Abschiedsgeschenk an die Besucher sein.»

Letztes Jahr haben 5113 Personen den Sankturbanhof besucht. «Die Konkurrenz ist beim vielfältigen Freizeitangebot gross.» Das Publikum des Sankturbanhofs sei vor allem lokal-regional, gewisse Ausstellungen würden aber auch Auswärtige anziehen. Immer wieder versuche man durch Kooperationen, neue Publikumssegmente anzusprechen. «Ich sehe den Sankturbanhof aber in erster Linie als kulturellen Grundversorger.» Das Museum hat sich ausserdem zum Ziel gesetzt, die Zusammenarbeit mit Schulen zu verstärken, um künftige Besucher anzusprechen.

Grosse emotionale Bindung zum Sankturbanhof

Blickt Bettina Staub auf ihre Tätigkeit zurück, kommt Wehmut auf. «Es macht mich stolz, was ich mitprägen konnte.» Gross sei daher die emotionale Bindung zum Haus. «Es ist wie ein Kind für mich, das nun flügge wird.» Mit 50 Jahren will Bettina Staub «nochmals zu neuen Ufern aufzubrechen». Sie macht keinen Hehl daraus, dass auch der finanzielle Druck belastend war. «Die vielfältigen Aufgaben des Museums, die in der Leistungsvereinbarung mit der Stadt Sursee definiert sind, können nicht alle mit den zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen gedeckt werden». Derzeit sucht das Museum nach einer Nachfolgerin.

Weiterbildung und Vorstandstätigkeit

Die Ende August abgetretene Museumsleiterin freut sich auf neue Herausforderungen. Im November schliesst sie eine Weiterbildung im Bereich Management künstlerischer Nachlässe ab. Seit kurzem ist sie zudem im Vorstand von Visarte Zentralschweiz, dem Berufsverband für visuelle Kunst vertreten. «Ich geniesse den gewonnen Freiraum, langweilig wird es mir aber sicherlich nicht.» Auch mit dem Sankturbanhof bleibt Bettina Staub verbunden. Sie begleitet die aktuelle Ausstellung «Traces of Turner» noch bis im November und wird sehr wahrscheinlich als externe Kuratorin wieder für ein Projekt verantwortlich sein. «Ich werde immer wieder gerne zurückkehren.»

Hinweis
Infos zum Sankturbanhof finden Sie hier.

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