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FÜHRUNG: Ehemalige Randständige zeigen Luzern aus ihrer Perspektive

Nun können die Stadtführungen mit Menschen, die einst am Rand der Gesellschaft standen, gebucht werden. Dabei stehen soziale Themen und die besonderen Lebensgeschichten der Führer im Mittelpunkt.
Sandra Monika Ziegler
Die andere Luzerner Stadttour führt unter anderem in die Steinenstrasse ... (Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. März 2017))

Die andere Luzerner Stadttour führt unter anderem in die Steinenstrasse ... (Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. März 2017))

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Die Stadt Luzern aus einer anderen Perspektive entdecken, so lautet das Credo von «Abseits Luzern – die andere Stadtführung». Initiiert hat das Projekt der Sozialarbeiter und Grünen-Politiker Marco Müller mit einem Crowd­funding und der Unterstützung von Stiftungen und der Stadt Luzern. Dazu gründete er 2016 ­einen gemeinnützigen Verein, den er ehrenamtlich führt. Im Angebot sind sieben Touren mit diversen Themenschwerpunkten. Sie führen zu sozialen Einrichtungen, in Pärke, zum Quai4-Markt, in die Gassenküche oder zum Verein Windrad. Mehr als 30 soziale Organisationen sind Teil der diversen Stadtführungen.

Im Einsatz stehen sechs ­Guides. Es sind Obdachlose, ­Armutsbetroffene, Drogensüchtige, Stadtoriginale und sozial ­Benachteiligte. Menschen die – wie sie betonen – nicht am Rande stehen, sondern jetzt wieder mitten im Leben. Die Stadttour führt an Plätze, zu denen die ­Guides eine persönliche Beziehung haben oder aber eine besondere Geschichte dazu kennen. Die Guides wurden seit letzten Oktober intensiv auf ihre Aufgaben vorbereitet und haben dadurch eine neue Lebensperspektive.

Voyeurismus bleibt aussen vor

Gestern bei schönstem Sonnenschein machten wir uns auf den Weg, die «Schattenseiten des Lebens» zu entdecken. Doch eines vorweg: Es war kein Trauerzug. Neugier wird befriedigt, doch Voyeurismus bleibt aussen vor. Mit Humor und Witz, selbstkritisch und schnörkellos, tauchen wir ins Leben der Guides, erfahren Inter­essantes über soziale Institutionen und bekommen eine kleine Einführung im Umgang mit Taubstummen. Mit auf dieser Tour sind sechs Frauen, die allesamt die Bäuerinnenschule im Jahr 1981 absolviert hatten und sich zweimal im Jahr für einen Ausflug treffen. «Luzern ist eine Touristenstadt. Doch wir wollten mal etwas erleben, dass fern von Touristenströmen und Shoppingtouren ist, deshalb haben wir uns angemeldet,» sagt eine der Frauen. Unsere Tour mit Pit und Noah und der Theaterpädagogin Nicole führt vom Luzerner Pavillon zur Markuskirche, weiter zum Löwendenkmal und dann über den Schlossberg in den Maihof.

Im Verlauf der Tour erfahren wir immer mehr über unsere ­Guides. Biografien, die sie zwar ins Abseits führten, jedoch nicht den Mut verlieren liessen. Die Offenheit von Pit und Noah kommt gut an und ebnet den Weg für viele Fragen – die kompetent beantwortet werden. So wurde etwa gefragt, ob denn die Kulturlegi für alle sei. «Nein, das ist für Menschen die finanziell unter dem Existenzminimum sind.» Das Thema Food Waste kam bei der Markuskirche zur Sprache. Denn hier verteilt «Tischlein deck dich» für einen symbolischen Franken einmal pro Woche einen Sack voll Esswaren. Beim Löwendenkmal erzählt Pit die Geschichte der älteren Frau, die sich dann und wann einen Zustupf aus dem Teich holte.

Am Ende der Tour wurde klar: Hilfe für sozial Schwache ist vorhanden, es braucht nur den Mut und die Kraft, sie in Anspruch zu nehmen.

Hinweis

Die zweistündige Tour findet bei jedem Wetter statt und kostet 30 Franken pro Person. Kultur­legi-Inhaber, Studenten und unter 18-Jährige zahlen die Hälfte. Touren und weitere Infos unter: www.abseits-luzern.ch.

... ins Gebiet um den Löwenplatz ... (Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. März 2017))

... ins Gebiet um den Löwenplatz ... (Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. März 2017))

... und vor die Markuskirche. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. März 2017))

... und vor die Markuskirche. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. März 2017))

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